Samstag, 20. April 2019

Analysten fassungslos "VW ist der Lance Amstrong der Autohersteller"

Wie das bloß wieder ausbügeln? Volkswagen erleidet mit der Abgas-Affaire auch einen beträchtlichen Image-Schaden. Analysten sind fassungslos

Der VW-Skandal um manipulierte US-Abgastests macht Analysten und Händler am Aktienmarkt fassungslos. Sie reagieren am Montag unisono mit Unverständnis und Ungläubigkeit auf das Eingeständnis von Volkswagen, mit Hilfe einer Software die Resultate von Abgasuntersuchungen bei Diesel-Autos in den USA gefälscht zu haben.

Die VW-Vorzugsaktie brach am Montag in der Spitze um mehr als 22 Prozent ein, VW verlor damit rund 16 Milliarden an Börsenwert - mehr als die Marktkapitalisierung etwa der Commerzbank oder des Nivea-Herstellers Beiersdorf.

Die Experten des US-Analysehauses Bernstein haben laut eigenen Angaben mit einem ehemaligen Angestellten der US-Umweltbehörde EPA gesprochen und kommen zu dem Schluss: "Das ist wirklich sehr ernst." VW sei der "Lance Amstrong der Automobilhersteller", schreibt ein Spezialist am Montag in einer Studie.Viel werde nun davon abhängen, wie VW mit der Angelegenheit in den USA umgehe. "Verantwortung abstreiten" oder "einfach Ruhe bewahren" werde in den USA nicht funktionieren.

"Schaden für die Marke immens"

"Unglaublich", hieß es von einem Aktienhändler am Morgen. Der Schaden für die Marke sei immens. Die Zukunft von VW-Chef Martin Winterkorn sei ungewiss. Analyst Sascha Gommel von der Commerzbank spricht von einem schweren Schlag für VW und die gesamte Dieselbranche in Deutschland. Goldman Sachs schlug in die gleiche Kerbe. Der Commerzbank-Experte spekulierte auch darüber, ob VW möglicherweise neben der drohenden Milliardenstrafe auch die betreffenden 482 000 Autos in den USA zurückkaufen müsse.

Das Analysehaus Equinet rechnet mit einer harschen Antwort der Umweltbehörde und einer hohen Strafe. Für die Aktie sei das eine massive Belastung - die Experten haben ihr Kursziel von 180 Euro auf 145 Euro gesenkt. Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB reduzierte sein Kurzsziel für die Aktie gar um 60 Euro auf 150 Euro, hielt trotz aller drohenden finanziellen Belastungen aus dem Skandal seine Kaufempfehlung allerdings für das Papier bei: Der Kurssturz wie heute gesehen stelle eine Seltenheit für einen Dax-Konzern dar. Der Analyst erwarte in den nächsten Tagen eine Gegenbewegung des Papiers.

Minus 22 Prozent, sind das womöglich schon wieder Kaufkurse

Auch die Deutsche Bank blieb am Montag zunächst bei Ihrer "Kaufen"-Empfehlung. Sollten die Anschuldigungen korrekt sein, hätte dies allerdings schwerwiegende Folgen, die weit über einen normalen Rückruf hinausgingen, schrieb Analyst Tim Rokossa. Die Konsequenzen könnten ebenfalls weitaus größer sein als bislang abzusehen. Da aber noch Details fehlten, wolle er solange warten und erst dann die Aktie neu bewerten.

rei mit Nachrichtenagenturen

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