Vor Zinserhöhung der Fed Rendite für zehnjährige Bundesanleihe steigt weiter

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe steigt am Mittwoch weiter leicht an, nachdem sie am Vortag erstmals seit sieben Jahren über die Marke von 1 Prozent geklettert war. Das hat viel mit den Zinserwartungen in den USA zu tun und erhöht den Druck auf die EZB.
Fed-Chef Jerome Powell: Es wird erwartet, dass die Fed am Mittwoch den Leitzins um 50 Basispunkte erhöhen wird. Dies sorgt für Bewegung am Anleihemarkt.

Fed-Chef Jerome Powell: Es wird erwartet, dass die Fed am Mittwoch den Leitzins um 50 Basispunkte erhöhen wird. Dies sorgt für Bewegung am Anleihemarkt.

Foto: DREW ANGERER / AFP

Die US-Notenbank prescht voran, und nicht wenige Anleihen-Investoren erwarten, dass die Währungshüter jenseits des Atlantiks die Zinsen noch sehr viel schneller erhöhen werden. Das trieb zuletzt nicht nur die Rendite von US-Bonds in die Höhe, auch die Renditen deutscher Staatsanleihen legten deutlich zu, weil Investoren sie aus ihren Depots fegten - entweder in der Hoffnung auf neue, höherverzinste Euro-Anleihen oder weil sie vielleicht sogar in den Dollar-Raum wechseln. Am Mittwoch notierte die Rendite der maßgeblichen zehnjährigen Bundesanleihe am Vormittag bei 1,03 Prozent, nachdem sie am Vortag erstmals seit knapp sieben Jahren über die Marke von einem Prozent geklettert war.

In den USA pendelten entsprechende Papiere wegen der Aussicht auf kräftige Zinserhöhungen um die Marke von 3 Prozent und damit fortgesetzt auf dem höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. "Eine derart dynamische Aufwärtsentwicklung der Staatsanleiherenditen gab es zuletzt in den Jahren 1999 und 1994", kommentierte LBBW-Analyst Elmar Völker. Es spreche viel für einen weiteren Anstieg der Renditen.

Investoren gehen nach jüngsten Einlassungen der Federal Reserve davon aus, dass die US-Notenbank angesichts eines heißgelaufenen Arbeitsmarktes und einer Inflationsrate von zuletzt 8,5 Prozent in den USA am Mittwoch die Zinsen um 50 Basispunkte anheben wird. Fed-Chef Jerome Powell (69) hatte vor gut einer Woche zur Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds erklärt: "Ich würde sagen, 50 Basispunkte werden für die Sitzung im Mai auf dem Tisch liegen."

Die Frage sei mit Blick auf Mittwoch nun vielmehr, welches Tempo Powell für die darauffolgenden Zinserhöhungen signalisieren werde, sagte Jens Franck, Chef-Portfoliomanager des Vermögensverwalters NordIX. Börsianer erwarten, dass die Fed den Leitzins bis zum Jahresende auf eine Bandbreite zwischen 2,75 und 3,0 Prozent anheben wird. Einzelne Marktteilnehmer erwarten gar 3,5 Prozent.

Die Inflationsrate im Euroraum ist mit 7,4 Prozent nicht viel niedriger als in den USA. Gleichwohl zögerte die Europäische Zentralbank (EZB) lange damit, ihre Geldpolitik anzupassen. Mitte April noch beließ die EZB den Leitzins bei 0 Prozent und kündigte an, in einem ersten Schritt bis zum Sommer ihre milliardenschweren Anleihenkäufe auslaufen lassen.

"Die EZB muss die Preise stabil halten [...] Da gibt es überhaupt nichts zu debattieren."

Ökonom Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener Ifo-Instiuts von 1999 bis 2016

Dass die EZB trotz immenser Verschuldung einiger Mitgliedsländer angesichts der hohen Inflation in der Pflicht steht, die Zinsen zu erhöhen, steht für den Ökonomen Hans-Werner Sinn (74) außer Frage. Im Interview mit Merkur.de  sagt der ehemalige Ifo-Chef: "Das Mandat ist ganz eindeutig im Maastrichter Vertrag geregelt: Die EZB muss die Preise stabil halten und darf keine Abwägung mit anderen Zielen wie zum Beispiel Wachstum oder Vollbeschäftigung vornehmen. Hier gibt es überhaupt nichts zu debattieren. Die EZB muss handeln und die Preise stabilisieren." Das geeignete Instrumentarium dazu seien nun einmal höhere Zinsen. Die EZB habe durch ihre Anleihenkäufe die Preissteigerung auch "sehr wohl mit verursacht" und durch ihr Zögern "eine Abwertung des Euro verursacht" - um den Preis besagter importierter Inflation.

Andere Zentralbanken haben längst ihre lockere Geldpolitik aufgegeben und der Inflation den Kampf angesagt. Sie straffen die geldpolitischen Zügel oder haben dies angekündigt. So wird erwartet, dass die Bank of England in dieser Woche zum vierten Mal im Verlauf der Corona-Pandemie die Zinsen erhöhen wird. Und selbst die für eine vorsichtige Zinspolitik bekannte australische Australiens erhöhte am Dienstag den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,35 Prozent. Analysten hatten mit einem kleineren Zinsschritt gerechnet. Die Notenbanker in Sydney ließen laut Agenturberichten durchblicken, dass im Kampf gegen die Inflation weitere Zinserhöhungen folgen dürften.

rei