Vonovia ersetzt Lanxess im Dax Wie Deutschlands größter Wohnungsvermieter in die erste Börsenliga aufstieg

Vermutlich bald im Dax: Vonovia dürfte als erstem Immobilienkonzern der Aufstieg in Deutschlands erste Börsenliga gelingen

Vermutlich bald im Dax: Vonovia dürfte als erstem Immobilienkonzern der Aufstieg in Deutschlands erste Börsenliga gelingen

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Schon seit Wochen zwitschern es die Spatzen von den Dächern, jetzt ist es offiziell: Nach Analyse der jüngsten Handelsumsätze an der Börse sowie der Kapitalisierung des Streubesitzes zum Stichtag Ende August wurde der Immobilienkonzern Vonovia - bisher Deutsche Annington  - in den deutschen Leitindex Dax  aufgenommen.

Das Ereignis ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Erstmals seit drei Jahren kommt es wieder zu einer Veränderung im Dax. Mit Deutschlands größtem Wohnungsvermieter, der den Chemiekonzern Lanxess  ersetzt, gelingt zudem erstmals in der Geschichte einem Unternehmen aus der Immobilienbranche der Aufstieg in die erste Börsenliga - und das nur gut zwei Jahre nach dem Börsengang der Annington im Juli 2013.

In der Entwicklung spiegelt sich nicht allein die Erfolgsgeschichte eines Unternehmens wider, das in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist. Es handelt sich vielmehr auch um eine Konsequenz der laufenden Konsolidierung der Immobilienbranche, in der zahlreiche Übernahmen in jüngster Zeit dazu geführt haben, dass immer weniger Player immer größer werden. Last but not least ist Vonovias Dax-Aufstieg ein weiterer Meilenstein im laufenden Immobilienboom in Deutschland.

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Seit einigen Jahren schon befinden sich die Immobilienmärkte hierzulande im Aufwind. Die Preise von Wohnungen und Häusern wie auch jene von Bürogebäuden, Einzelhandelsobjekten und anderen gewerblich genutzten Immobilien sind in der Zeit vor allem in Ballungsräumen zum Teil rasant gestiegen.

Hintergrund ist die Situation an den Finanzmärkten, wo Notenbanken in aller Welt für niedrige Zinsen und viel Liquidität sorgen. Einen großen Teil dieses Kapitals stecken Investoren in Geldanlagen wie Aktien, Anleihen oder eben Immobilien, wobei bei letzteren die günstigen Finanzierungskonditionen den Handel zusätzlich anheizen.

Immobilienaktien legen deutlich zu

Profiteure der Entwicklung sind Immobilienfirmen wie Vonovia, die Deutsche Wohnen  oder die Deutsche Euroshop . Die Unternehmen können in dem Umfeld Schulden abbauen, Bestände aufstocken und durch Firmenübernahmen für zusätzliches Wachstum sorgen.

Auch an der Börse gehörten die Immobilienunternehmen daher zuletzt zu den Gewinnern. Viele von ihnen verzeichneten in den vergangenen Jahren teils enorme Kursgewinne. Allein fünf Firmen, die ihr Geld mit Wohn- oder Gewerbeobjekten verdienen, sind bereits im 50 Aktien umfassenden MDax , dem Index der mittelgroßen Börsenwerte, gelistet. Allen voran bisher: Der Vonovia-Konzern, dessen Aktienkurs seit dem IPO 2013 von etwa 17 Euro auf derzeit knapp 30 Euro gestiegen ist.

Der größte deutsche Wohnungsvermieter ist in der Vergangenheit vor allem mit milliardenschweren Übernahmen gewachsen. Bei seiner Einkaufstour in diesem Jahr schluckte der Konzern zuletzt seinen bislang größten Widersacher Gagfah und kaufte kurz darauf die Südewo-Gruppe ein.

Über 370.000 Wohnungen an 700 Standorten in Deutschland verfügt der Dax-Neuling damit heute. Das Unternehmen beschäftigt rund 5900 Mitarbeiter und beherbergt in seinen Wohnungen bundesweit rund eine Million Menschen.

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Mit dem Wachstum geht es zudem auch beim Gewinn aufwärts. Verdiente Vonovia im ersten Halbjahr 2014 noch 70 Millionen Euro, so waren es im gleichen Zeitraum des laufenden Jahres bereits 84,9 Millionen. Um rund 150 Prozent stieg der Gewinn allein, seit Vorstandschef Rolf Buch Anfang April 2013 das Ruder bei dem Unternehmen übernahm, das bis vor kurzem noch Deutsche Annington hieß.

Die Namensänderung hängt offiziell mit dem Zusammenschluss mit der Gagfah zusammen. Die Maßnahme führt allerdings auch direkt zu einer Schattenseite von Vonovia: Das Unternehmen hat außerhalb der Finanzmärkte keinen allzu guten Ruf und damit ein ziemliches Imageproblem. Der wohlklingende Kunstname, der an "neues Wohnen" erinnern soll und Unternehmensangaben zufolge in 17 Sprachen geprüft wurde, soll da zweifellos zur Abhilfe beitragen. Schätzungen zufolge kostete Vonovia die Umbenennung insgesamt einen Millionenbetrag.

Hintergrund: Annington war vor Jahren vom britischen Finanzinvestor Terra Firma gegründet worden. Jahrelang war die Strategie vor allem auf Renditemaximierung ausgerichtet. Die Folge: Das Unternehmen vernachlässigte die Pflege und Instandhaltung seiner Wohnungsbestände, was noch heute vielerorts zu besichtigen ist. Leidtragende sind tausende Mieter, die sich mit Unannehmlichkeiten wie schimmeligen Wänden, schmutzigen Treppenhäusern und ähnlichem herumplagen müssen.

Für die Zukunft hat der Branchenriese allerdings Besserung gelobt. "600 bis 640 Millionen Euro" will Vonovia 2015 in die Instandhaltung und Modernisierung seiner Wohnungen stecken. Das wäre deutlich mehr als in früheren Jahren. Bereits im ersten Halbjahr gab der Branchenriese rund 265 Millionen Euro für Renovierungen aus - 120 Millionen Euro mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.









mit Material von dpa-afx