Freitag, 24. Mai 2019

Panik-Barometer spielen verrückt Wie VW den Finanzmarkt in Aufruhr versetzt

Firma non grata: Volkswagen-Papiere wollen an der Börse derzeit nicht viele im Depot haben

An den Finanzmärkten trennen sich die Akteure weiter von so ziemlich allem, auf dem der Name Volkswagen steht. Nachdem die im Leitindex Dax notierte Vorzugsaktie des Konzerns bereits am Vortag um bis zu 20 Prozent eingebrochen war, setzte sich die Talfahrt am Dienstag fort. Eine Gewinnwarnung, die der Volkswagen-Konzern am späten Vormittag herausgab, schickte den Aktienkurs erneut in den Keller.

Folge: Gegen Mittag notierte das Papier wiederum mit bis zu 20 Prozent im Minus. Damit hat der Volkswagen-Konzern binnen zwei Tagen etwa ein Drittel seines Börsenwertes verloren. Noch im April dieses Jahres kostete die Vorzugsaktie mehr als 250 Euro - am heutigen Mittag sind es rund 105 Euro. Damit hat sich der Wert des Unternehmens gemessen am Aktienkurs in dieser Zeit auf rund 50 Milliarden Euro mehr als halbiert.

Zudem rutschten auch die deutschen Autobauer Daimler und BMW mit herben Kursverlusten ans Dax-Ende. Die Sorge, wie stark der Volkswagen-Skandal seine Kreise ziehe und auch andere Werte "Made in Germany" belaste, setze dem deutschen Aktienmarkt zu, sagt Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets. Der Dax brach am Dienstag um 3 Prozent auf 9639 Zähler ein.

Für Volkswagen sind das aber noch nicht alle schlechten Nachrichten vom Kapitalanlagemarkt. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, haben sich gleichzeitig Papiere, mit denen sich Kreditgeber gegen den Ausfall von Darlehen am Autobauer aus Wolfsburg absichern können, zu Beginn dieser Woche sprunghaft verteuert.

Die Preise für die sogenannten CDS oder Credit Default Swaps stiegen am Montag um 76 Prozent, so Bloomberg. Damit erreichten die Kreditversicherungen den höchsten Preis seit drei Jahren. Daran lässt sich theoretisch ablesen, dass die Gefahr, Volkswagen könnte in nächster Zeit einen Kredit nicht zurückzahlen, jetzt höher eingeschätzt wird. Ob einen solchen Kreditausfall bei Europas größtem Autobauer tatsächlich jemand erwartet, sei allerdings dahingestellt.

Eine 1,4 Milliarden Euro-Hybrid-Anleihe des Konzerns sei zudem um 7 Prozent eingebrochen. Das Papier stehe damit bei 83,9 Cent pro Euro, dem niedrigsten Kurs seit der Ausgabe im März, so Bloomberg.

Volkswagen hatte am Wochenende zugegeben, jahrelang die Abgasmessungen hunderttausender Dieselfahrzeuge in den USA manipuliert zu haben. Dem Unternehmen droht in den Vereinigten Staaten nun eine Strafe in Höhe von bis zu 18 Milliarden Dollar. Zudem könnten zivilrechtliche Schadensersatzforderungen auf den Autobauer zukommen.

Vor dem Hintergrund teilte die Ratingagentur Fitch mit, die Einstufung Volkswagens mit der Note "A", dem sechstbesten Investmentgrad, könne unter Druck geraten, sollte sich die Krise für Volkswagen noch verschlimmern. Der Skandal könne das Image der VW-Gruppe vor allem in den USA ernsthaft beschädigen, so die Ratingagentur. Derzeit jedoch sei das Rating noch nicht in Gefahr.

Christoph Rottwilm auf Twitter

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