Volkswagen an der Börse: Zurzeit keine Liebesgeschichte
Foto: REUTERSBis zu 18 Milliarden Dollar Strafe von US-Behörden, dazu möglicherweise milliardenschwere Sammelklagen von US-Autofahrern und -Händlern, eine kostspielige Rückrufaktion von Millionen Fahrzeugen sowie vermutlich künftige Geschäftseinbußen wegen des lädierten Kundenvertrauens - der Abgas-Skandal, so viel steht bereits fest, wird sehr, sehr teuer für den Volkswagen-Konzern.
Nicht zuletzt deshalb hat die Volkswagen-Aktie an der Börse seit Bekanntwerden der Vorgänge einen nahezu beispiellosen Crash hingelegt. Um etwa 40 Prozent brach der Kurs der Wolfsburger binnen anderthalb Wochen ein - der Börsenwert des Konzern reduzierte sich damit um etwa 27 Milliarden Euro.
Noch dramatischer sind die Verluste im Vergleich zum Höhepunkt des vorhergehenden Börsenaufschwungs im März dieses Jahres. Seinerzeit notierten die im Dax gelisteten Vorzugsaktien von Volkswagen zeitweise bei mehr als 255 Euro. Damit ist das Papier binnen rund sechs Monaten um mehr als 60 Prozent abgestürzt.
Doch nicht nur Volkswagen-Aktionäre zahlen derzeit mit ihren Depotwerten für die Verfehlungen einiger letztlich offenbar doch nicht ganz so findiger Ingenieure und Führungskräfte bei Europas größtem Autobauer. Weil noch unklar erscheint, inwieweit auch andere Hersteller ähnliche Abgas-Manipulationen vorgenommen haben, wurde an der Börse vielmehr gleich der gesamte Autosektor in Mitleidenschaft gezogen.
Die Folge: Seitdem der Abgas-Skandal publik wurde, sind die Börsenwerte der europäischen Autobauer exklusive Volkswagen in der Summe um weitere 22,5 Milliarden Euro gesunken. Der Betrag setzt sich folgendermaßen zusammen:
Mit anderen Worten: Aufgrund der Manipulationen Volkswagens haben sich an der Börse binnen nicht einmal 14 Tagen beinahe 50 Milliarden Euro an Unternehmenswerten in Luft aufgelöst, wie auch die US-Plattform Quartz vorrechnet. Auch von dieser Summe könnte Anwälten zufolge noch einiges in Form von Schadensersatzforderungen Seitens der Aktionäre auf Volkswagen zukommen.
Auf Crashkurs: Der Skandal um manipulierte Abgaswerte hat die VW-Aktie binnen acht Tagen um knapp 40 Prozent einbrechen lassen - seit Januar hat sich die im Dax notierte VW-Vorzugsaktie fast halbiert. Doch es geht noch schlechter: Die VW-Aktie weist bislang nur die drittschlechteste Performance im Dax 30 auf, und auch vermeintliche Langweiler-Aktien gerieten im laufenden Börsenjahr mit zweistelligen Kursverlusten unter die Räder. Ein Überblick über die größten Verlierer im Dax.
Deutsche Post: Der ehemalige Staatskonzern hat in den vergangenen Jahren seine Aktionäre verwöhnt - doch 2015 schlugen hohe Streikkosten die Anleger in die Flucht. Die "Aktie Gelb", vermeintlich eine sichere Bank, hat seit Jahresbeginn 10 Prozent an Wert verloren und gehört damit (Stand: 29. September) zu den neun schwächsten Aktien im Dax 30.
BMW: Mit knapp 15 Prozent Minus seit Jahresbeginn gehört die BMW-Aktie ebenfalls zu den schwächsten Dax-Werten. Der einstige Börsenliebling, der Anfang Juli noch bei 100 Euro notierte, hat in den vergangenen 3 Monaten rund 25 Prozent an Wert verloren. Zuerst drückte die Konjunkturschwäche in China auf die Aktie, dann kam der VW-Abgasskandal hinzu. Da BMW im weltweiten Geschäft mit Dieselmotor-Fahrzeugen einen größeren Marktanteil hat als Volkswagen, sind Anleger trotz vermeintlich günstiger Bewertung immer noch vorsichtig - viele haben sich aus dem Automobilsektor zurückgezogen.
Lufthansa: Die Aktie von Deutschlands größter Airline verzeichnet seit 1. Januar ein Kursminus von rund 16 Prozent. Airline-Chef Carsten Spohr hat mit dem Umbau des Unternehmens begonnen, doch streikfreudige Piloten und aggressive Konkurrenten aus Fernost machen Spohr das Leben schwer.
Siemens: Siemens-Chef Joe Kaeser hätte sich in seinem ersten Amtsjahr eine erfreulichere Kursentwicklung gewünscht. Seit Januar verzeichnet Siemens ein Kursminus von 16 Prozent und zählt zu den sechs schwächsten Werten im Dax. Die weltweite Konjunkturabkühlung und die Sorgen um China belasten auch Deutschlands größten Industriekonzern.
Commerzbank: Commerzbank-Aktionäre sind Kummer gewohnt, hatten sich aber im Jahr 2014 Hoffnungen auf ein Ende der Leidenszeit gemacht. Doch seit Januar 2015 hat die Aktie wieder rund 16 Prozent an Wert eingebüßt und notiert derzeit bei rund 11 Euro. Im April dieses Jahres waren es noch 13 Euro gewesen.
ThyssenKrupp: Der Stahlkocher zählt mit einem Kursminus von 27 Prozent seit Januar zu den vier schwächsten Aktien im Dax. Konzernchef Heinrich Hiesinger hat noch viel zu tun.
Volkswagen: Anfang 2015 notierte die VW-Aktie noch bei 184 Euro - und ist in dieser Woche im Zuge des Abgas-Skandals zeitweise unter die Marke von 100 Euro gefallen. Seit April, als die VW-Aktie bei 240 Euro notierte, beträgt der Kursverlust sogar 60 Prozent. Aufs laufende Börsenjahr 2015 gerechnet sind es dagegen "nur" 45 Prozent Verlust - doch damit ist Volkswagen nicht einmal die schwächste Aktie im Dax. Zwei Unternehmen sind an der Börse in diesem Jahr noch tiefer gestürzt als VW ...
Eon: Der Energiekonzern aus Düsseldorf hat seinen Börsenwert seit dem 1. Januar fast halbiert, das Kursminus beträgt 49 Prozent. Nach der Energiewende fehlt nicht nur ein tragfähiges Geschäftsmodell, auf das Anleger vertrauen können. Zusätzlich belasten auch die Befürchtungen, dass die Rückstellungen für die milliardenschweren Atom-Altlasten nicht ausreichen werden. Der schwächste Dax-Konzern 2015 ist jedoch derzeit ...
RWE: Die Aktie des Energieversorgers aus Essen findet keinen Halt. Sie ist seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent abgestürzt und unter die Marke von 10 Euro gefallen. Die Probleme bei RWE werden noch kritischer gesehen als beim Konkurrenten Eon, der sich für eine Aufspaltung entschieden hat. Bereits im vergangenen Jahr hat RWE seine Dividende drastisch auf 1 Euro gekürzt - geht man davon aus, dass der Konzern für das laufende Geschäftsjahr eine Dividende in gleicher Höhe zahlt, kommt RWE bei einem Kurs von aktuell knapp 10 Euro auf eine Dividendenrendite von mehr als 10 Prozent. Eine etwas sicherere Geldanlage ...
... scheint dennoch die Aktie des Gesundheitskonzerns Fresenius zu sein. Zwar kann Fresenius nicht wie die tief gestürzte RWE-Aktie mit einer zweistelligen Dividendenrendite aufwarten. Doch Aktionäre können sich seit Jahresbeginn über ein Kursplus von rund 40 Prozent freuen - damit ist Fresenius bislang die mit Abstand stärkste Aktie im Dax.
Auf Crashkurs: Der Skandal um manipulierte Abgaswerte hat die VW-Aktie binnen acht Tagen um knapp 40 Prozent einbrechen lassen - seit Januar hat sich die im Dax notierte VW-Vorzugsaktie fast halbiert. Doch es geht noch schlechter: Die VW-Aktie weist bislang nur die drittschlechteste Performance im Dax 30 auf, und auch vermeintliche Langweiler-Aktien gerieten im laufenden Börsenjahr mit zweistelligen Kursverlusten unter die Räder. Ein Überblick über die größten Verlierer im Dax.
Foto: A3446 Patrick Seeger/ dpaDeutsche Post: Der ehemalige Staatskonzern hat in den vergangenen Jahren seine Aktionäre verwöhnt - doch 2015 schlugen hohe Streikkosten die Anleger in die Flucht. Die "Aktie Gelb", vermeintlich eine sichere Bank, hat seit Jahresbeginn 10 Prozent an Wert verloren und gehört damit (Stand: 29. September) zu den neun schwächsten Aktien im Dax 30.
Foto: Malte Christians/ picture alliance / dpaLufthansa: Die Aktie von Deutschlands größter Airline verzeichnet seit 1. Januar ein Kursminus von rund 16 Prozent. Airline-Chef Carsten Spohr hat mit dem Umbau des Unternehmens begonnen, doch streikfreudige Piloten und aggressive Konkurrenten aus Fernost machen Spohr das Leben schwer.
Foto: Federico Gambarini/ dpaSiemens: Siemens-Chef Joe Kaeser hätte sich in seinem ersten Amtsjahr eine erfreulichere Kursentwicklung gewünscht. Seit Januar verzeichnet Siemens ein Kursminus von 16 Prozent und zählt zu den sechs schwächsten Werten im Dax. Die weltweite Konjunkturabkühlung und die Sorgen um China belasten auch Deutschlands größten Industriekonzern.
Foto: Rainer Jensen/ picture alliance / dpaCommerzbank: Commerzbank-Aktionäre sind Kummer gewohnt, hatten sich aber im Jahr 2014 Hoffnungen auf ein Ende der Leidenszeit gemacht. Doch seit Januar 2015 hat die Aktie wieder rund 16 Prozent an Wert eingebüßt und notiert derzeit bei rund 11 Euro. Im April dieses Jahres waren es noch 13 Euro gewesen.
Foto: Daniel Reinhardt/ picture alliance / dpaVolkswagen: Anfang 2015 notierte die VW-Aktie noch bei 184 Euro - und ist in dieser Woche im Zuge des Abgas-Skandals zeitweise unter die Marke von 100 Euro gefallen. Seit April, als die VW-Aktie bei 240 Euro notierte, beträgt der Kursverlust sogar 60 Prozent. Aufs laufende Börsenjahr 2015 gerechnet sind es dagegen "nur" 45 Prozent Verlust - doch damit ist Volkswagen nicht einmal die schwächste Aktie im Dax. Zwei Unternehmen sind an der Börse in diesem Jahr noch tiefer gestürzt als VW ...
Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpaRWE: Die Aktie des Energieversorgers aus Essen findet keinen Halt. Sie ist seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent abgestürzt und unter die Marke von 10 Euro gefallen. Die Probleme bei RWE werden noch kritischer gesehen als beim Konkurrenten Eon, der sich für eine Aufspaltung entschieden hat. Bereits im vergangenen Jahr hat RWE seine Dividende drastisch auf 1 Euro gekürzt - geht man davon aus, dass der Konzern für das laufende Geschäftsjahr eine Dividende in gleicher Höhe zahlt, kommt RWE bei einem Kurs von aktuell knapp 10 Euro auf eine Dividendenrendite von mehr als 10 Prozent. Eine etwas sicherere Geldanlage ...
Foto: ASSOCIATED PRESS