Erfolgreiches Debüt Vodafones Funkturmsparte legt größten Börsengang des Jahres hin

Vantage Towers startet mit Kursgewinnen an der Deutschen Börse. Mit einem Erlös von 2,3 Milliarden Euro übertrifft das Debüt den Börsengang von Auto1.
68.000 Masten in neun Ländern: Funkmasten sind für langfristige Anleger attraktiv

68.000 Masten in neun Ländern: Funkmasten sind für langfristige Anleger attraktiv

Foto: Fabrizio Bensch / REUTERS

Die Funkturmsparte Vantage Towers des britischen Telekommunikationskonzerns Vodafone hat am Donnerstag in einem sehr freundlichen Umfeld einen ordentlichen Börsenstart hingelegt. Der erste Xetra-Kurs von 24,80 Euro lag mehr als 3 Prozent über dem Ausgabepreis von 24 Euro, in der Spitze ging es sogar auf mehr als 25 Euro nach oben. Insgesamt brachte es Vantage Towers damit aus dem Stand auf einen Börsenwert von gut 12,5 Milliarden Euro.

Der britische Mobilfunker Vodafone bringt inklusive Mehrzuteilungsoption bis zu 95,8 Millionen Aktien - oder knapp 19 Prozent seiner Funkturmsparte - an den Markt. Sollten die ersten neuen Anteilseigner ihr Recht auf zusätzliche Aktien komplett ausüben, bekommt Vodafone insgesamt 2,3 Milliarden Euro als Bruttoerlös, wie der Telekommunikationskonzern mitteilte. Das Geld will Vodafone früheren Angaben zufolge auch zum Schuldenabbau nutzen.

Der Ausgabepreis von 24 Euro liegt allerdings im unteren Viertel der Angebotsspanne, die von 22,50 bis 29 Euro reichte. Das zeigt, dass die Bäume für Börsenneulinge trotz des Booms an den Aktienmärkten nicht in den Himmel wachsen. Vantage Towers ist zwar die größte Neuemission dieses Jahres in Deutschland - der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 hatte "nur" 1,8 Milliarden Euro erlöst. Europaweit kommt Vantage damit aber an Inpost nicht vorbei. Die Emission des polnischen Betreibers von Paketstationen an der Amsterdamer Euronext hatte 2,8 Milliarden Euro eingebracht. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als zwei Milliarden Euro ist Vantage Towers ein aussichtsreicher Kandidat für den Nebenwerteindex MDax .

Geld einsammeln für Investitionen ins 5G-Netz

Man werde die digitale Transformation Europas antreiben, sagte der Chef von Vantage Towers, Vivek Badrinath, beim Börsenstart. "Wir öffnen ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Firma." Das Sagen haben wird Vodafone auch nach dem Börsengang der Funkturmfirma, schließlich hält der Konzern mehr als 80 Prozent an dem Unternehmen. Der englische Firmenname greift das Wort "advantage" (Vorteil) auf, außerdem bedeutet "vantage" Aussichtsplattform.

Funktürme gelten angesichts der Niedrigzinsen als attraktives Investment für professionelle Anleger wie Versicherer und Finanzinvestoren, die an einer stabilen Rendite aus Standortmieten interessiert sind. Es geht um 82.000 Funktürme und Dachstandorte in zehn europäischen Staaten, darunter Deutschland. Für ihre Nutzung zahlen die Netzbetreiber - auch Vodafone - Miete. Das verspricht über Jahre hinweg regelmäßige Einnahmen. Die Antennen kommen von den Netzbetreibern selbst und nicht von Vantage Towers.

Wettbewerber gehen ähnliche Wege. So verkaufte Telefónica Deutschland im vergangenen Jahr seine Mobilfunk-Standorte an Telxius, um den teuren Ausbau des Mobilfunknetzes zu stemmen. So ist es auch bei Vodafone - das Netz für den Mobilfunkstandard 5G erfordert hohe Investitionen. Die Deutsche Telekom  hatte ihre Funktürme schon vor vielen Jahren in eine eigene Gesellschaft eingebracht, ist aber noch alleinige Besitzerin.

mg/Reuters