Donnerstag, 27. Juni 2019

Mohammed Islam Vermeintliches Börsenwunderkind hat seine Millionen-Geschichte frei erfunden

Hat die ganze Welt genarrt: Der 17-jährige New Yorker Mohammed Islam
Mohammed Islam / Facebook
Hat die ganze Welt genarrt: Der 17-jährige New Yorker Mohammed Islam

Am Montag ging die Nachricht um die Welt: Ein 17-Jähriger habe an der Wall Street zig Millionen Dollar verdient. Nun stellt sich heraus: Mohammed Islam hat die Geschichte komplett erfunden.

Hamburg - Die Medienlandschaft der Welt ist um eine spektakuläre Fälschung reicher: Der 17-jährige New Yorker Mohammed Islam sollte laut "New York Magazine", "New York Post" und anderen Medien zig Millionen Dollar an der Wall Street verdient haben. Seit er neun Jahre alt gewesen sei, habe er an der Börse investiert, hatte Islam einer Reporterin des "New York Magazine" gesagt; er habe dabei "im hohen achtstelligen Bereich" verdient - und ihr auch einen entsprechenden Kontoauszug präsentiert.

Weltweit hatte die Geschichte hohe Wellen geschlagen - auch manager-magazin.de berichtete am Montagnachmittag mit Verweis auf die amerikanischen Quellen über das vermeintliche Wunderkind. Islam und sein vermeintlicher Geschäftspartner Damir Tulemaganbetov steuerten derweil auf ihren medialen Höhepunkt zu: Der Fernsehsender CNBC hatte zum Interview geladen.

Dies löste bei den beiden Teenagern dann allerdings wohl schließlich Nervosität aus, während die Aussicht auf das Scheinwerferlicht sie zuvor eher angetrieben hatte: Sie sagten den TV-Auftritt kurzfristig ab - und erklärten wenig später im "Observer", Islam habe keinen einzigen Dollar an der Börse erwirtschaftet. Die ganze Geschichte sei frei erfunden.

Eine PR-Firma kümmert sich um Schadensbegrenzung

Mit ihrer erfundenen Geschichte hatten sie zuvor erstaunlichen Erfolg gehabt: Der Reporterin des "New York Magazine" beispielsweise präsentierten sie einen Kontoauszug, auf dem sich laut ihrer Aussage tatsächlich eine Zahl im hohen achtstelligen Bereich befunden habe. Zudem hatte es Islam zuvor bereits in die "20 under 20"-Liste geschafft, in der die US-Website "Business Insider" vielversprechende Nachwuchskräfte im Finanzbereich vorstellt.

Tatsächlich habe Islam nur an seiner High School an Börsensimulationen teilgenommen - und dort regelmäßig den S&P-500 geschlagen. Daraufhin habe er dann das "New York Magazine" glauben lassen, er habe das Geld tatsächlich verdient, sagte Islam nun im "Observer".

Die Lüge hat für den Teenager auch familiäre Konsequenzen: Sein Vater wolle ihn enterben, seine Mutter nie mehr mit ihm sprechen. Die erste Nacht nach der großen Berichterstattung habe er bei Kumpel Damir verbracht. Zum Observer-Interview luden Islam und Tulemaganbetov ins Büro der PR-Firma 5WPR, die nun mit der Schadensbegrenzung betraut ist.

Auch ein renommierter Anwalt vertritt die Jugendlichen mittlerweile. Vermutlich werden die Berater dafür sorgen, dass die Teenager statt vermeintlicher Börsenfähigkeiten wenigstens ihre Geschichte noch vermarkten können.

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