Mittwoch, 24. April 2019

Goldman, Blackrock und Co profitieren Machtkampf in Venezuela erfreut Bond-Investoren

Oppositionsführer und Provokateur: Juan Guaidó hat sich selbst zum Übergangspräsidenten Venezuelas ernannt.

Wirtschaftskrise, Versorgungsnot, Hyperinflation - kein vernünftiger Investor würde wohl in Anleihen eines Landes investieren, in dem Zustände herrschen, wie seit Jahren in Venezuela. Seien die gebotenen Zinsen zumindest nominell auch noch so hoch.

Tatsächlich jedoch liegen die Papiere des Landes, das bereits Ende 2017 aufhörte, seine Staatsanleihen zu bedienen und damit faktisch in die Staatspleite rutschte, nach wie vor in den Portfolios zahlreicher Fonds weltweit. Und die können sich gegenwärtig auf dem Papier über ziemliche Gewinne freuen.

Der Grund: Vergangene Woche hatte sich der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaidó selbst zum Interims-Präsidenten des Landes erklärt, mit der Begründung, die Regierung des amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro sei unrechtmäßig ins Amt gekommen und damit nicht legitimiert. Unterstützt wurde Guaidó unverzüglich von verschiedenen Nationen, allen voran die einflussreichen USA.

Vor allem Letzteres dürfte die Hoffnung der Akteure an den Finanzmärkten auf einen Regimewechsel in dem Land bestärkt haben. Jedenfalls zogen die Kurse der Staatsanleihen Venezuelas sowie der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA seither merklich an. Die Staatspapiere beispielsweise stiegen von 23 Cent je Dollar auf mehr als 33 Cent, berichtet die "Financial Times". Mit den PDVSA-Papieren ging es von etwa 14 Cent je Dollar auf 24 Cents aufwärts. Ein Plus von bis zu 70 Prozent also, und das binnen Tagen.

"Die Chancen darauf, dass Maduro geht, sind gestiegen, und damit die Möglichkeit, dass das Land sich wirtschaftlich erholt und seine Ölproduktion wieder ankurbeln wird", zitiert die "FT" Anthony Simond, einen Fondsmanager von Aberdeen Standard Investments, der ebenfalls venezolanische Papiere im Depot hat. Im Hinterkopf haben die Investmentprofis dabei zweifellos stets die Tatsache, dass Venezuela unter allen Ölförderländern weltweit nach wie vor über die größten Reserven verfügt.

Investoren sollten sich nicht zu früh freuen

Unter den zeitweiligen Profiteuren der Kursgewinne befinden sich zudem weitere prominente Namen, wie der Fondsriese Blackrock oder die US-Bank Goldman Sachs, so die Zeitung. Über eine aufsehenerregende Wette von Goldman Sachs auf die Zuverlässigkeit des südamerikanischen Landes hatte manager-magazin.de bereits Mitte 2017 berichtet.

Laut "FT" legte auch beispielsweise ein 1,2-Milliarden-Dollar-Fonds von Stone Harbor angesichts der Entwicklung in Venezuela innerhalb nur eines Monats um 5,9 Prozent zu. Bei einem sechs Milliarden Dollar schweren Fonds von T. Rowe Price betrage das Plus 5,4 Prozent, heißt es. Ein Fonds von Blackrock sei zudem um 5,2 Prozent gestiegen.

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