Roadmap für nervöse Anleger Das wird nach der US-Wahl an der Börse passieren

Die Favoritin und der Außenseiter: Trump und Clinton beim TV-Duell im Oktober in Las Vegas

Die Favoritin und der Außenseiter: Trump und Clinton beim TV-Duell im Oktober in Las Vegas

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Immobilien von Clinton, Trump und Co.: Diese Häuser gehör(t)en Amerikas Top-Politikern

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Dow Jones , S&P 500, Nikkei , EuroStoxx 50 , FTSE 100 , Dax  und und und - die wichtigen Aktienindizes weltweit sind in den vergangenen Tagen mit Blick auf die kommende Präsidentschaftswahl in den USA auf Tauchstation gegangen. Investoren ziehen es offenbar vor, ihr Geld zunächst aus dem Spiel zu nehmen, bis klar ist, wer in den kommenden vier Jahren im Weißen Haus residieren wird.

Hauptauslöser für die Zurückhaltung der Anleger dürften die zuletzt wieder steigenden Umfragewerte von Donald Trump sein. Denn der Kandidat der Republikaner, dem eigentlich lange Zeit kaum jemand ernsthafte Chancen eingeräumt hatte, gilt als das am wenigsten berechenbare Risiko im Amt des Präsidenten.

Vor dem Hintergrund und mit dem immer näher rückenden Wahltermin vor Augen drängt vor allem eine Frage in den Fokus: Wie wird die Börse auf das Wahlergebnis, so es denn am Mittwoch dieser Woche feststeht, reagieren?

Denkbar sind vor allem zwei Szenarien. Erstens: Die aufgrund der nach wie vor besseren Umfragewerte favorisierte Demokratin Hillary Clinton gewinnt die Wahl. Und zweitens: Immobilienmilliardär Trump gelingt der überraschende Triumph.

Variante eins: Falls Clinton gewinnt, wird die Börse ...

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Diese Milliardäre mischen im US-Wahlkampf mit: Amerikas heimliche Präsidentenmacher

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Wer wissen will, wie die Aktienmärkte auf die eine oder andere Möglichkeit reagieren werden, kann sich anschauen, was die Wirtschaft und die Aktiengesellschaften von den beiden Kandidaten zu erwarten haben, welche wirtschaftspolitischen Positionen also von Clinton sowie Trump bekannt sind.

Es zeigt sich - grob dargestellt - folgendes Bild: Trump verspricht der US-Wirtschaft ein Wachstum von 4 Prozent im Jahr, aber Experten zweifeln daran, dass dies realistisch ist, wie der US-Sender CNN  feststellt. Ebenso erscheint das Versprechen des Republikaners, 25 Millionen neue Jobs in zehn Jahren zu schaffen, Fachleuten zufolge kaum umsetzbar, so CNN.

Eher gilt offenbar das Gegenteil: Einer Moody's-Studie zufolge, aus der CNN zitiert, könnte Trumps Wirtschaftspolitik das Land bis zu 500.000 Jobs kosten. Eine Untersuchung von Oxford Economics dagegen habe immerhin ergeben, dass Trump bis 2020 bis zu 700.000 Arbeitsplätze schaffen könnte, so der Sender.

Hillary Clinton auf der anderen Seite würde dem Land Fachleuten zufolge zwar auch kein spektakuläres Wachstum verschaffen. Die USA blieben aber zumindest auf solidem Wege, heißt es. Zudem könnten die Vorhaben der Demokratin Analysen zufolge bis 2020 unter optimistischen Annahmen mehr als zehn Millionen neue Jobs bringen, wie Oxford Economics analysiert hat.

Soweit die wirtschaftspolitischen Fakten. Klar ist jedoch: Am Aktienmarkt spielt die Psychologie eine mindestens ebenso gewichtige Rolle. Das gilt besonders, wenn es darum geht, ein wichtiges Ereignis wie die Wahl eines neuen US-Präsidenten in Echtzeit in die Kurse einzupflegen.

Wahlsieg Clintons dürfte die Börse aufatmen lassen

Das heißt: Erwägungen über die künftige Wirtschaftspolitik dürften zunächst in den Hintergrund rücken. Im Vordergrund dagegen stehen zuallererst zwei Fragen: Wurde das Wahlergebnis erwartet oder kam es überraschend? Und: Wie viel ändert sich dadurch potenziell an der Gesamtsituation der Aktiengesellschaften, deren Anteile an der Börse gehandelt werden?

Für diese Fragen lassen sich in Bezug auf die US-Wahl bereits im Vorfeld Antworten finden. Gewinnt Clinton, so tritt ein, was aufgrund der meisten Umfragen bis zuletzt erwartet werden durfte. Zudem steht die Demokratin, die seit Jahrzehnten in der Politik aktiv ist, für Kontinuität und Berechenbarkeit. Nicht zuletzt die Tatsache, dass der US-Kongress auch künftig weiterhin republikanisch dominiert sein wird, und es einer Präsidentin Clinton daher nicht leicht fallen dürfte, einschneidende Maßnahmen durchzusetzen, würde Börsianer wohl beruhigen.

Die Prognose verwundert daher kaum: Ein Wahlsieg Clintons dürfte die Börse aufatmen und Kursgewinne erwarten lassen. Die Researcher von Macroeconomic Advisers etwa rechnen laut CNN in dem Fall mit einem Plus beim breiten US-Index S&P 500 um 2 Prozent. Ähnlich könnte der hiesige Aktienmarkt reagieren.

Einen Vorgeschmack darauf gibt es bereits am heutigen Montag: Nachdem das FBI Clinton am Wochenende erneut von Vorwürfen in der Email-Affäre entlastet hat, springen die Futures an der US-Börse nach oben. Auch der deutsche Leitindex Dax  legt vor dem Hintergrund zum Handelsbeginn kräftig zu.

Variante zwei: Falls Trump gewinnt, wird die Börse ...

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Mathe à la Donald Trump: So rechnet der Immobilienmogul seine Hochhäuser groß

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Ein Wahlsieg Trumps dagegen würde die Märkte überraschen. Zwar zogen sich Investoren aus Sorge um dieses Szenario in den vergangenen Tagen bereits zurück. Wirklich erwartet wird Trumps Triumph von der Mehrheit aber allein schon aufgrund seines nach wie vor bestehenden Rückstands in den meisten Umfragen nicht.

Hinzu kommt: Anstelle von Kontinuität würde mit Trump aus Sicht der Börse ein Höchstmaß an Unberechenbarkeit ins Weiße Haus einziehen. Der Immobilienmilliardär hat im Wahlkampf viele drastische Ankündigungen gemacht, die, würden sie in die Tat umgesetzt, erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft hätten. Aber wie ernst kann man Trumps Wahlparolen nehmen? Was davon wird wirklich Realität werden?

Tritt der Republikaner beispielsweise tatsächlich, wie angekündigt, beim Freihandel auf die Bremse? Wird er dafür sorgen, dass die Zinsen der US-Notenbank Fed stärker steigen? Niemand weiß es.

Börse dürfte nach Wahlsieg Trumps drastisch einbrechen

Die Prognose, dass die Börse nach einem Wahlsieg Trumps angesichts dieser plötzlichen Ungewissheit drastisch einbrechen dürfte, erscheint daher kaum übertrieben. Manche Beobachter vergleichen das Szenario mit jenem Ende Juni, als sich die Briten überraschend für einen Austritt aus der EU entschieden, wie beispielsweise das "Wall Street Journal " berichtet. Seinerzeit rauschte auch der Dax schlagartig um etwa 10 Prozent in den Keller. Und Trump selbst bezeichnete sich in Wahlkampfreden zuletzt passenderweise als "'Brexit' mal zehn" oder gar "Brexit hoch 5".

Die Vorhersagen der Fachleute fallen entsprechend drastisch aus: Macroeconomic Advisers erwarten im Falle von Trumps Wahlsieg einen Einbruch der US-Aktien um 8 Prozent. Simon Johnson, Wirtschaftsprofessor und ehemaliger Chefökonom des Weltwährungsfonds, schreibt zudem auf der Meinungsplattform "Project Syndicate" : "Investoren betrachten eine Trump-Präsidentschaft gegenwärtig als eine relativ unwahrscheinliche Entwicklung. Aber (...) falls sich die Anleger irren und Trump gewinnt, sollten wir wohl mit einem starken Rückgang der Gewinnerwartungen vieler Aktien und einem Crash im breiten Markt rechnen."

Oder Variante drei ...

Bleibt das dritte Szenario: Die US-Wahl am Dienstag endet ohne Ergebnis. Denkbar ist das beispielsweise, wenn es so knapp wird, dass sich die Auszählungen länger hinziehen. Oder wenn Donald Trump - wie er es schon angedeutet hat - das Ergebnis nicht akzeptieren sondern anfechten sollte.

In dem Fall ginge auch an der Börse das Zittern weiter. Zu erwarten wären weitere Tage oder Wochen, in denen ängstliche Investoren für Kursschwankungen und Verluste sorgen dürften. Größere Gewinne dagegen wären vorläufig wohl kaum zu erwarten.

FBI entlastet Clinton - Anleger erleichtert:

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