US-Staatsanleihen im Fokus So investieren Sie richtig in die US-Inflation

Fed-Chefin Yellen: Die US-Notenbank hat die Inflation in den Blick genommen - Anleger sollten das ebenfalls tun

Fed-Chefin Yellen: Die US-Notenbank hat die Inflation in den Blick genommen - Anleger sollten das ebenfalls tun

Foto: Frank Augstein/ AP
Zur Person

Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Kontrolle der BaFin.

Die Pressekonferenzen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve werden von vielen Anlegern rings um die Welt sehr aufmerksam verfolgt. Denn oft werden Hinweise auf die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage und auf Zinsmaßnahmen in der nächsten Zeit gegeben. Dort arbeiten hochqualifizierte Leute, deren Erkenntnisse und Prognosen weltweit die Märkte bewegen.

Bei der letzten derartigen Pressekonferenz hat die Vorsitzende Janet Yellen gesagt, dass die Abwesenheit von Inflation in der jetzigen Phase der Konjunkturentwicklung ein Rätsel darstellt. Diese Aussage ist erstaunlich, da die Fed alle Möglichkeiten der Welt hat, Rätsel zu entschlüsseln. Der Grund dafür, dass die Fed in der niedrigen Inflation ein Rätsel sieht, ist jedoch recht einfach. Die Fed verlässt sich bei ihren Voraussagen auf ökonomische Modelle, wie etwa die Philips-Kurve, die aber nie sehr erfolgreich in der Voraussage von Inflation gewesen sind. Die ganzen Modelle der Fed und anderer Marktteilnehmer beruhen alle auf früherem Verhalten der Märkte.

Der weitsichtige Investor weiß jedoch, dass Finanzmärkte dem gegenüber nach vorne und nicht rückwärts schauen. Sich auf ökonomische Indikatoren zu verlassen und dabei die Signale der Märkte außer Acht zu lassen, ist wie ein Auto nur mit dem Blick in den Rückspiegel zu fahren. Der weitsichtige Investor wird dem gegenüber nach vorne schauen. Vorausschauen statt rückwärts macht auch die Straße wesentlich vorhersehbarer und wesentlich weniger rätselhaft.

Für Anleger ist es deshalb besser, die Märkte zu verfolgen, die nach vorne schauen wie die Märkte für Zinsen, den Dollar und die Rohstoffpreise, um daraus eine Inflationsentwicklung abzuleiten.

Am besten eignen sich dafür die Vergleiche der verschiedenen Kategorien von Anleihen. Wenn die langfristigen Zinsen steigen, werden die Anleihen mit den längsten Laufzeiten am stärksten fallen. Wer wissen will, wie sich die langfristigen Zinsen entwickeln werden, muss die Entwicklung der am längsten laufenden Anleihen untersuchen. Dies sind in den USA die 20-jährigen Staatsanleihen. Seit 2009 waren diese Anleihen der stärkste Teil des Rentenmarktes, da die Zinsen gefallen sind. Seit dem Tief der langfristigen Zinsentwicklung in USA Mitte 2016 waren die langen Laufzeiten der schwächste Teil des Staatsanleihenmarktes. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung bis in diesen Sommer hinein fallen die Kurse dieser Anleihe seit einigen Wochen wieder.

An dieser Stelle ist die Prognosefähigkeit am höchsten. Wenn der Fall sich hier beschleunigt, werden die anderen Segmente des Anleihenmarktes mit kürzeren Laufzeiten ebenfalls fallen.

Anleiheinvestoren sind deshalb aus unserer Sicht gut beraten, die noch günstigen Kurse lang laufender Anleihen nicht nur in US Dollar, sondern auch im Euroraum zu nutzen, um Bestände abzubauen Wer in Anleihen anlegen möchte oder muss, sollte nach unserer Meinung möglichst kurze Laufzeiten wählen, die von Zinserhöhungen weniger betroffen sind, oder in inflationsgeschützte Anleihen ausweichen. Seit Juni dieses Jahres entwickeln sich die Preise inflationsgeschützter Staatsanleihen in USA besser als die der normalen Anleihen. Damit haben die Märkte angefangen, sich auf höhere Inflation einzustellen. Weitsichtige Anleger sollten dem folgen.

Die USA sind der Leitmarkt für die anderen wesentlichen Märkte. Entwicklungen von dort kommen früher oder später auch in Europa an. Ebenso wird es in der Zinsentwicklung sein. Die Zinsen in Europa sind noch sehr niedrig, ein Anstieg hat jedoch bei genauem Hinsehen unter der Oberfläche schon begonnen. Hier zeichnet sich dieselbe Entwicklung wie in USA ab. Anleger in europäischen Anleihen sind deshalb nach unserer Meinung gut beraten, die selben Dispositionen zu treffen wie für US-Anleihen.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH. Das Unternehmen unterliegt der Bafin.