Leitzins steigt um 0,75 Prozent Fed vollzieht vierten großen Zinsschritt

Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins erneut deutlich erhöht. Der Schlüsselsatz steigt um 0,75 Prozent auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent. Es ist die vierte große Zinserhöhung der Fed seit März. Fed-Chef Jerome Powell deutete an, dass es der letzte Jumbo-Zinsschritt in diesem Jahr sein könnte.
Federal-Reserve-Chef Jerome Powell: Vierte Jumbo-Zinserhöhung seit März

Federal-Reserve-Chef Jerome Powell: Vierte Jumbo-Zinserhöhung seit März

Foto: ELIZABETH FRANTZ / REUTERS

Die US-Notenbank hat im Kampf gegen die hohe Inflation in den USA den Leitzins erneut deutlich erhöht. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld steigt um 0,75 Prozentpunkte auf eine Spanne von jetzt 3,75 bis 4 Prozent, teilte die Federal Reserve nach ihrer zweitägigen Sitzung am Mittwochabend mit. Es ist der vierte Jumbo-Zinsschritt der Fed in Folge. Seit März hat die US-Notenbank Federal Reserve damit den Leitzins um 3 Prozent erhöht, es ist bereits die sechste Zinserhöhung in diesem Jahr.

Die Fed hob in einem Statement nach der Zinserhöhung hervor, dass weitere Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation "angemessen" seien, um den Anstieg der Verbraucherpreise wieder in Richtung des Ziels von zwei Prozent zu bekommen. Dabei müssten allerdings die Auswirkungen auf die Wirtschaft bedacht werden – ein Hinweis, dass künftig kleinere Zinserhöhungen möglich sind. Die nächste Zinsentscheidung steht Mitte Dezember an.

An den Finanzmärkten wurde diese Äußerung zunächst als Hinweis gedeutet, dass die Zentralbank zum Jahresende eine langsamere Gangart anschlagen könnte. Zugleich will die Fed auch die Wirkung der bisherigen Erhöhungsschritte berücksichtigen. An den US-Aktienmärkten ging es unmittelbar nach dem Zins-Entscheid nach oben. Doch im späten US-Handel legten Dow Jones und Nasdaq dann wieder den Rückwärtsgang ein, der Tech-Index Nasdaq verlor im späten Handel zeitweise knapp 4 Prozent an Wert.

"Vielleicht der letzte XXL-Zinsschritt"

"Aller Voraussicht nach war das aber der letzte XXL-Zinsschritt für dieses Jahr", erklärte Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Es brauche Zeit, bis die massive Straffung der Geldpolitik auf die Gesamtwirtschaft durchwirke. Mit jedem weiteren Zinsschritt nähmen die Risiken aus einer zu starken Straffung zu. "Ab Dezember dürfte die Fed deshalb das Tempo verringern", prophezeit Hepperle. Das sieht auch LBBW-Experte Elmar Völker ähnlich: "Nach den heutigen Signalen verfestigt sich zunächst die Aussicht, dass es im Dezember einen etwas kleineren Zinsschritt um 50 Basispunkte geben wird – sofern die bis dahin noch anstehenden Inflationsdaten nicht erneut alle Erwartungen sprengen."

Da die Inflation in den USA nur langsam zurückgeht, bleibt der Handlungsdruck der Fed hoch: Fed-Chef Jerome Powell hatte zuletzt immer wieder bestätigt, mit den Zinserhöhungen so lange fortzufahren, bis die Inflation in den USA wieder unter Kontrolle sei.

Zuletzt lag im September die Inflationsrate in den USA noch bei 8,2 Prozent. Das ist immer noch rund viermal so hoch wie von der Notenbank für die US-Wirtschaft angestrebt. Eine merkliche Abschwächung der Preisdynamik ist trotz der jüngsten Zinserhöhungen bisher nicht zu beobachten. Der Mangel an Arbeitskräften treibt die Löhne zusätzlich in die Höhe und stützt die Inflationsentwicklung.

Die Europäische Zentralbank EZB hinkt mit ihren Zinserhöhungen der Fed noch hinterher. In der Euro-Zone beträgt das Zinsniveau aktuell 2,0 Prozent.

Inflation bestimmendes Thema bei Kongresswahlen am Dienstag

Mit Blick auf die Kongresswahlen am 8. November sind die Verbraucherpreise auch eine Belastung für Präsident Joe Biden und seine Demokraten. Bei den Wahlen könnten die Demokraten ihre ohnehin knappe Mehrheit im Kongress verlieren.

Fed könnte Wirtschaftstätigkeit ausbremsen

Ökonomen in den USA streiten darüber, wann die Notenbank das Tempo ihrer Zinserhöhungen verlangsamen sollte, zumal es eine Weile dauert, bis Änderungen der Geldpolitik auf die Wirtschaft durchschlagen,. Sie sorgen sich, dass die Fed mit weiteren Zinserhöhungen einen stärkeren Wirtschaftsabschwung als nötig auslösen könnte. Nach zwei Rückgängen in Folge ist die Wirtschaft im dritten Quartal zwar wieder gewachsen. Ökonomen sehen hier aber keine nachhaltige Belebung.

Der Krieg in der Ukraine, Lieferkettenprobleme, der Arbeitskräftemangel und die hohe Inflation werden die Konjunktur in den nächsten Quartalen weiterhin belasten. Auch die Commerzbank erwartet eine vorsichtige Trendwende bei der Geldpolitik.

Angst vor Rezession, doch Arbeitsmarkt bislang stabil

Steigen die Zinsen, müssen Privatleute und Wirtschaft mehr Geld für Kredite ausgeben - oder sie leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt ab, Unternehmen können höhere Preise nicht einfach weitergeben, und idealerweise sinkt die Inflationsrate. Einige fürchten allerdings, dass es die Fed übertreibt - und die weltgrößte Volkswirtschaft in eine Rezession steuert.

Die US-Notenbank hat den soliden Arbeitsmarkt stets als Argument gegen das Abgleiten der Wirtschaft in eine tiefe Rezession angeführt. Viele Unternehmen klagen über einen Mangel an Arbeitskräften. Joe Biden wertete dies als Beleg für die wirtschaftliche Erholung und die Widerstandsfähigkeit der Menschen. Die Wirtschaft war im ersten Halbjahr noch geschrumpft.

la/fm/dpa
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