Kursrutsch nach Zinserhöhung Fed erhöht Leitzins um 0,75 Prozent

Die US-Notenbank hat den Leitzins um 0,75 Prozent auf 3 bis 3,25 Prozent erhöht. Es gibt keinen "schmerzlosen Weg" zur Eindämmung der Inflation, sagt Fed-Chef Powell und gibt eine düstere Prognose ab.
Fed-Chef Jerome Powell: Mit höheren Zinsen die Inflation bekämpfen

Fed-Chef Jerome Powell: Mit höheren Zinsen die Inflation bekämpfen

Foto: OLIVIER DOULIERY / AFP

Rasche Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation: Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins um 0,75 Punkte auf jetzt 3 bis 3,25 Prozent angehoben. Es ist die dritte Erhöhung um 0,75 Prozent in Folge und bereits die fünfte Leitzinserhöhung in diesem Jahr. Mit der strengen Geldpolitik wächst das Risiko, dass die Zentralbank die Wirtschaft bald so stark ausbremst, dass Arbeitsmarkt und Konjunktur abgewürgt werden. "Ich wünschte, es gebe einen schmerzlosen Weg", sagte Fed-Chef Jerome Powell (69). "Den gibt es nicht."

Powell hatte zuvor wiederholt bekräftigt, sein Ziel sei es, die Inflation unter Kontrolle zu bringen. In den USA war die Inflation im Juni auf 9,1 Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit mehr als 40 Jahren. Im Juli ging sie zwar leicht auf 8,5 Prozent zurück und im August auf 8,3 Prozent im Jahresvergleich. Das ist nach Einschätzung der Fed aber noch immer viel zu hoch.

Mit der Spanne von 3 bis 3,25 Prozent erreicht der Leitzins in den USA nun den höchsten Stand seit 14 Jahren. Mit der strengen Geldpolitik wächst das Risiko, dass die Zentralbank die Wirtschaft bald so stark ausbremsen könnte, dass Arbeitsmarkt und Konjunktur abgewürgt werden.

US-Börsen knicken weiter ein, Dax bleibt unter Druck

An den Börsen galt die Erhöhung um 0,75 Prozent als eingepreist. Dow Jones und Nasdaq drehten unmittelbar nach der Fed-Entscheidung erneut ins Minus. Der Nasdaq 100 verlor binnen weniger Minuten rund 200 Punkte. Auch der Dow Jones rutschte deutlich in die Verlustzone. Anschließend setzten beide Indizes jedoch zu einer Erholung an, doch in der letzten Handelsstunde in den USA gewannen erneut die Verkäufer die Oberhand und schickten Dow Jones und Nasdaq jeweils um knapp 2 Prozent in die Tiefe. Beide Indizes schlossen auf Mehrmonatstiefs. Starke Schwankungen im Anschluss an eine Zinsentscheidung sind an den Börsen nicht ungewöhnlich.

"Wichtiger als der Umfang der Zinserhöhung ist die Frage, wann die Notenbank ihren Straffungszyklus beenden könnte", sagte Konstantin Oldenburger, Marktanalyst von CMC Markets. Dafür sollten die Anleger einige Anhaltspunkte bekommen, da gleichzeitig auch die neuen Wirtschaftsprognosen der Fed veröffentlicht werden.

Fed senkt Wachstumsprognose für 2022 erneut – und rechnet mit höherer Inflation in diesem Jahr

Und die Prognosen der Fed für die US-Wirtschaft sind eher düster. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erwartet in diesem Jahr ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum als noch vor drei Monaten angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft soll demnach um 0,2 Prozent wachsen. Das wären 1,5 Prozentpunkte weniger als noch im Juni prognostiziert. Für 2023 geht die Fed von einem Wachstum von 1,2 Prozent aus, auch hier wurde die Prognose gegenüber der Juni-Schätzung gesenkt. Im Vorjahr war die Wirtschaft im Zuge der Erholung von der Corona-Krise noch um starke 5,7 Prozent gewachsen.

Die Fed rechnet im laufenden Jahr außerdem mit einer etwas höheren Inflationsrate als noch vor drei Monaten angenommen. Die Teuerungsrate soll trotz der Erhöhungen des Leitzinses 2022 durchschnittlich bei 5,4 Prozent liegen, eine Steigerung von 0,2 Prozentpunkten gegenüber der vorigen Prognose vom Juni. Die Kerninflation, also ohne Berücksichtigung von Lebensmittel- und Energiepreisen, soll dieses Jahr demnach bei 4,5 Prozent liegen. Die Fed musste ihre Prognosen zur Inflationsentwicklung seit Beginn der Corona-Pandemie bereits mehrfach nach oben korrigieren.

Solange die Inflationserwartungen der Fed hoch sind, ist davon auszugehen, dass sie die Zinsen in rascher Folge weiter erhöhen wird. Steigende Zinsen bremsen vor allem das Wachstum in der Technologiebranche, die einen hohen Kapitalbedarf hat.

Inflation durch rasche Zinserhöhungen bekämpfen

Daran, dass Fed-Chef Powell mittlerweile seine Richtung geändert hat und nun fest entschlossen ist, die Inflation durch starke Zinserhöhungen zu bekämpfen, gibt es seit dem jährlichen August-Treffen der Federal Reserve in Jackson Hole keinen Zweifel mehr. Seine klare Botschaft auf diesem Treffen war, dass die Fed auch eine Rezession als Preis für die Bekämpfung der hohen Inflation akzeptieren wird.

Dabei bezieht er sich auf den ehemaligen Fed-Vorsitzenden Paul Volcker, der die Wirtschaft in den frühen 1980er-Jahren mit Zinserhöhungen stark belastete. "Wir müssen dranbleiben, bis die Arbeit erledigt ist", sagte Powell nun und berief sich dabei auf den Titel von Volckers Autobiografie aus dem Jahr 2018: "Keeping At It" .

Am Dienstag hatte sich bereits die schwedische Notenbank mit einer kräftigen Zinsanhebung gegen die hohe Inflation gestemmt. Der Leitzins steigt um einen ganzen Prozentpunkt auf 1,75 Prozent, wie die Reichsbank in Stockholm mitteilte. Es ist schon die dritte Zinsanhebung in diesem Jahr. Analysten hatten zwar mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik gerechnet, mehrheitlich allerdings einen Schritt um 0,75 Prozentpunkte erwartet. Bereits eine solche Anhebung wäre eine sehr deutliche Straffung gewesen.

Chinas Notenbank hatte die Leitzinsen am Dienstag beibehalten. Der Schlüsselsatz für einjährige Kredite blieb bei 3,65 Prozent, der Schlüsselsatz für fünfjährige Kredite bei 4,30 Prozent. Die meisten Kredite in China basieren auf dem einjährigen Zins, der Schlüsselzins für fünfjährige Darlehen beeinflusst die Hypotheken. Mit einer Zinssenkung hatte die People's Bank of China in Peking im vorigen Monat der von der Immobilien- und Corona-Krise geschwächten Wirtschaft unter die Arme gegriffen.

Die kräftigen Zinserhöhungen der Fed geben auch der Weltleitwährung US-Dollar Rückenwind. Der US-Dollar bewegt sich derzeit wieder in Richtung seines jüngsten 20-Jahres-Hochs.

la/dpa
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