Freitag, 20. September 2019

"America first" an der Börse Goldman Sachs ist größter Trump-Gewinner

Wall Street feiert: US-Banken vorneweg

Auch an der Börse gilt derzeit: America first. Die Wall Street feiert Rekorde, Europa fällt zurück. Im Zentrum der Party stehen US-Bankentitel - und das hat nicht nur mit Trumps Wahlprogramm zu tun.

Ausgerechnet Goldman Sachs. Die US-Großbank ist Inbegriff der Finanzelite, gegen die Donald Trump in seinem Wahlkampf zu Felde zog. Big money, nichts für kleine Leute. Und ausgerechnet Goldman Sachs ist nun der größte Profiteur von Trumps Wahlsieg - nicht auf Basis einer "gefühlten Wahrheit", sondern emotionslos kalkuliert. 14 Milliarden Dollar Zugewinn binnen elf Handelstagen: Börsianer haben es ganz nüchtern ausgerechnet.

Die Rechnung ist einfach. Seit der US-Wahl am 8. November hat die Aktie von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen rund 20 Prozent an Wert gewonnen, der Börsenwert ist von 71 auf rund 85 Milliarden Dollar gestiegen. Das "Wall Street Journal" nennt vier Konzerne, die zu der jüngsten Rekordjagd des US-Leitindex über die Rekordmarke von 19.000 Punkten am meisten beigetragen haben. Es sind die Großbanken Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen und JPMorgan, gefolgt vom Pharmariesen United Health und dem Baukonzern Caterpillar. Dass Big money, Big pharma und die Bauindustrie am meisten profitieren, ist zum einen eine Folge aus Trumps Wahlversprechen: weniger Regulierung, keine Preisobergrenzen für Arznei, Schub für die Bauindustrie durch ein riesiges Infrastrukturprogramm.

Doch für die Big Player der Wall Street, die Trump im Wahlkampf noch "trockenlegen" wollte, kommt nun noch ein weiterer Gewinntreiber hinzu: die Erwartung steigender Zinsen in den USA. Diese könnten für verschuldete Trump-Wähler im "Rust Belt" zum Problem werden, doch für US-Großbanken als Geldverleiher sind steigende Zinsen gut fürs Geschäft.

Zinswende: Dollar und US-Banken gesucht, Dax abgehängt

Es gilt als sicher, dass die US-Notenbank im Dezember die Zinsen anheben wird - zum zweiten Mal nach der Zinswende im Dezember 2015 und zum zweiten Mal binnen acht Jahren. Sollte Donald Trump die Wirtschaft durch schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme stärker anheizen, könnte die Fed im Jahr 2017 auch einem "steileren Zinspfad" folgen, wie Fed-Mitglied Patrick Harker jüngst sagte. Das bedeutet: weitere Zinserhöhungen im Jahr 2017, bei gleichzeitig solidem Wachstum der US-Wirtschaft.

Börsianer sprechen bereits von zwei Börsenwelten, von Volkswirtschaften mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Steigende Zinsen und solides Wachstum in USA, dagegen Niedrigzinsen und wirtschaftliche Stagnation in einem auseinanderdriftenden Europa.

Viele Anleger haben sich der Trump-Parole "America first" bereits angeschlossen. Sie setzen auf einen steigenden US-Dollar und kaufen US-Aktien, während Aktien aus Europa oder den Emerging Markets nur noch zweite Wahl sind. Der "Trump Jump", also die Präferenz von US-Papieren, werde auch durch die Aussicht einer massiv steigenden Staatsverschuldung in den USA nicht getrübt, sagt Robert Halver, Analyst bei der Baader Bank. Die Deutsche Bank rechnet sogar damit, dass der Euro bis Ende 2017 deutlich unter die Marke von einem Dollar fallen wird.

Das heißt: Während Anleger an der Wall Street derzeit immer neue Rekorde feiern, bleiben Anleger in Deutschland und Europa verunsichert zurück. Möglich, dass Dax und EuroStoxx bis Jahresende vom Schwung der US-Börsen und einem schwächeren Euro profitieren und den US-Börsen hinterhertrotten. Möglich aber auch, dass Dax und EuroStoxx umso stärker fallen, sobald die US-Börsenparty sich dem Ende zuneigt.

Also kaufen Anleger weltweit derzeit die bereits hoch bewerteten US-Finanzwerte: Größter Trump-Profiteur ist nicht Warren Buffett, den der "Trump Jump" zum zweitreichsten Mann der Welt gemacht hat. Es ist auch nicht Hedgefonds-Milliardär Carl Icahn, der einen Tag nach der Wahl gegenüber Bloomberg erläuterte, warum Trump das neue Wall-Street-Püppchen ist. Es ist die Großbank Goldman Sachs, noch vor JPMorgan, Wells Fargo Börsen-Chart zeigen und Bank of America Börsen-Chart zeigen. Big money.

Doch auch Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, derzeit größter Profiteur der US-Börsenparty, hat mit platzenden Blasen schon Erfahrungen gemacht. Derzeit notiert die Aktie bei rund 212 Euro - auf diesem Niveau notierte das Papier zuletzt im Herbst 2007. Dann folgte die Finanzkrise, viele große, schuldenfinanzierte Deals platzten, und Ende 2008 war das Papier von Goldman Sachs noch 53 Dollar wert. Aber solch ein Absturz sollte sich unter US-Präsident Trump, der sich selbst "Schuldenkönig" nennt, nicht wiederholen. Sein designierter Wirtschaftsminister Wilbur Ross ist schließlich ein selbst ernannter "Pleitenkönig". Die beiden wissen, wie das Geschäft läuft.

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