Mittwoch, 8. April 2020

Globale Musiklabels planen IPOs So können Anleger bald in Weltstars investieren

Beyoncé, Coldplay, Bruno Mars und Co: Aktien von Major-Musik-Labels wie Universal Music oder Warner Music eröffnen Anlegern die Welt der Popmusik.
Getty Images/ Ezra Shaw
Beyoncé, Coldplay, Bruno Mars und Co: Aktien von Major-Musik-Labels wie Universal Music oder Warner Music eröffnen Anlegern die Welt der Popmusik.

Musikfreunde bekommen bald neue Investitionsmöglichkeiten: Mit Warner Music und Universal Music haben zwei der größten Musiklabels der Welt den Gang an die Börse angekündigt. Die Branche hat schwierige Jahre hinter sich - seit einiger Zeit geht es mit den Umsätzen aber wieder aufwärts.

Zuerst gab die Nummer drei in der Welt, Warner Music, ihren IPO-Plan bekannt. Mindestens 100 Millionen Dollar will das Unternehmen an der Börse einsammeln, möglicherweise aber auch deutlich mehr. Einen Termin nannte das Label, das Größen wie Coldplay oder Ed Sheeran unter Vertrag hat, in den bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Unterlagen zwar noch nicht. Gut möglich jedoch, dass es nicht mehr lange dauern wird.

Schließlich möchten die Verantwortlichen bei Warner vermutlich das Momentum mitnehmen, für das jüngste Nachrichten aus der Musikbranche gesorgt haben. Gemeint ist der Verkauf eines Anteils an Universal Music, dem weltweit größten Musiklabel mit Stars wie Billie Eilish oder Taylor Swift, an den chinesischen Tencent-Konzern. Für 10 Prozent an dem Unternehmen zahlt der Internetriese aus Fernost drei Milliarden Euro an die Universal-Mutter Vivendi, darauf einigten sich die beiden Ende 2019. Ein Deal, durch den Universal mit beachtlichen 30 Milliarden Euro bewertet wird. Einem Bericht der US-Zeitschrift "Variety" zufolge wurde der Firmenwert von der US-Bank Goldman Sachs noch zwei Jahre zuvor auf lediglich 23,5 Milliarden Dollar, also etwa 22 Milliarden Euro, taxiert.

Angesichts dieser Rechnung dürften bei Leonard Blavatnik die Augenbrauen ein Stück nach oben gegangen sein. Der Milliardär mit ukrainischen Wurzeln ist über seine Beteiligungsfirma Access Industries Haupteigner von Warner Music - und er ist offenbar der Ansicht, dass Vivendi nicht alleine Kasse machen sollte angesichts des wiederbelebten weltweiten Musikgeschäfts.

Das Ende der CD und die Probleme mit illegalen Downloads ließen die Umsätze der Branche weltweit jahrelang schrumpfen. Setzte die Musikindustrie zur Jahrtausendwende rund um den Globus noch deutlich mehr als 20 Milliarden Dollar um, so waren es 2011 nur noch 15 Milliarden. Seither geht es jedoch wieder aufwärts, angetrieben vor allem durch Streamingdienste wie Spotify oder Apple Music. 2018 betrugen die weltweiten Umsätze bereits wieder 19,1 Milliarden Dollar, wie Daten von Statista zeigen. Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen rechnet damit, dass daraus angesichts des Streaming-Booms bis 2030 bis zu 45 Milliarden Dollar werden können.

"15 Jahre lang wollte niemand etwas vom Musik-Business wissen, und jetzt ist es plötzlich wieder heiß", bringt es Mark Mulligan, Chef der Researchfirma MIDiA, in der "Variety" auf den Punkt.

So sieht es offenbar auch Vivendi, die französische Mutter von Universal Music. Der Konzern hatte bereits 2018 angekündigt, Käufer für bis zu 50 Prozent an Universal zu suchen. Ende 2019 kam es dann zum Deal mit Tencent, wobei die Chinesen laut "Wall Street Journal" die Option haben, bis zum kommenden Januar weitere 10 Prozent zu erwerben.

Damit ist die Lust auf Cash bei Vivendi aber offenbar noch nicht befriedigt: Vor wenigen Tagen gab der Konzern bekannt, Universal ebenfalls an die Börse bringen zu wollen, oder zumindest einen Teil davon. Das IPO ist allerdings erst für 2023 geplant, wenn die Transaktion mit Tencent endgültig in trockenen Tüchern ist.

Universal gilt als wichtigste Sparte des Vivendi-Konzerns, die wesentlich zum Erfolg der Mediengruppe beiträgt. Der Umsatzanstieg, den Vivendi im Jahr 2019 verbuchte, ging vor allem auf das Konto des Musiklabels. Um 14 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro trieben die Franzosen im vergangenen Jahr ihre Erlöse in die Höhe, Analysten hatten mit etwas weniger gerechnet. Der Nettogewinn von Vivendi sprang um über die Hälfte auf 1,7 Milliarden Euro, auch daran hatte die Universal Music Group ihren Anteil.

Bleibt nur noch die Frage, ob sich Privatanleger an Musiklabels wie Universal oder Warner beteiligen sollen. Eine pauschale Antwort darauf kann es naturgemäß nicht geben, zumal die Unternehmen noch nicht einmal Details zu den Börsengängen wie vor allem Ausgabepreise der Aktien und daraus resultierende Unternehmensbewertungen bekannt gegeben haben.

Ein paar allgemeine Erwägungen sind dennoch möglich. Der Musikmarkt ist offenbar wieder ein Wachstumsgeschäft, allerdings könnte das Expansionstempo in den kommenden Jahren etwas nachlassen. "Kein Zweifel, es gibt noch viel Wachstum in dem Markt", so etwa MIDiA-Chef Mulligan in der "Variety". "Wir glauben aber, dass es künftig langsamer vorangehen wird."

Mulligan hält Musik-Aktien prinzipiell für ein relativ sicheres Investment - eine Aussage, von der er vor zehn Jahren auch nicht gedacht hätte, dass er sie einmal treffen würde.

Musikalischer Erfolg ist allerdings im Einzelfall schwer zu prognostizieren. Für Investoren erscheint es daher sinnvoll, sich an breit aufgestellte Labels zu halten, die über eine Vielzahl von Künstlern verfügen und das Risiko auf diese Weise streuen. Insofern könnten Universal und Warner für Anleger grundsätzlich die richtigen Adressen sein.

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Ein genauer Blick in die Einzelheiten der IPOs dürfte jedoch in jedem Fall ratsam sein. Im Falle von Warner Music etwa, wo anders als bei Universal bereits erste Unterlagen vorliegen, könnte ein kleiner Haken bereits erkennbar sein. Die Erlöse aus dem Börsengang, so das US-Finanzblog "Seeking Alpha", sollen ausschließlich den Altaktionären des Unternehmens zu Gute kommen. Für mögliches Wachstum oder andere Investitionen dagegen ist offenbar kein Geld aus der Emission eingeplant. Wer Investoren von einem Engagement überzeugen will, kann zweifellos bessere Argumente vorbringen.

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