Hellas-Schelte vom Chefvolkswirt Griechische Regierung "kann nicht einmal ein Grillfest organisieren"

Von Arne Gottschalck
Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras (rechts) und sein Finanzminister Yanis Varoufakis: Syriza ist schlicht überfordert

Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras (rechts) und sein Finanzminister Yanis Varoufakis: Syriza ist schlicht überfordert

Foto: Yannis Kolesidis/ dpa

Griechenland hat die Möglichkeit des "Grexit" oder des "Greccident", des zufälligen oder absichtlichen Ausscheidens aus der Eurozone, bislang immer weit von sich gewiesen. Und es gibt ernsthafte Stimmen, die dem Land recht geben - aber aus ganz anderen Gründen.

Erik Nielsen ist Chefvolkswirt von UniCredit und erklärte gegenüber Bloomberg, es käme vermutlich nicht zum Austritt der Griechen aus der Euro-Zone. Denn wer die Euro-Zone verlasse, müsse sich auch im zweiten Schritt um eine Ersatzwährung kümmern. Und das sei schlicht zu viel für Griechenlands Regierung, so Nielsens Einschätzung gegenüber Bloomberg.  

Es sei "keine einfache Aufgabe für eine Regierung, die offen gesprochen, nicht einmal ein Grillfest organisieren kann." Und weiter: "Ich glaube nicht, dass sie weder die politischen noch die technischen Fähigkeiten haben, eine eigene Währung zu starten.

Mit anderen Worten: Die griechische Regierung ist heillos überfordert. Da Griechenland keine Druckerpresse besäße, müssten die Noten im Ausland bestellt und heimlich an griechische Banken verteilt werden, sagt Nielsen. An Banken also, die "halb geschlossen, verstaatlicht oder unter Kapitalkontrollen stünden". Die Gläubiger hätten selten einen Schuldnerstaat erlebt, der organisatorisch so versage, so Nielsen weiter. "Die Menschen haben es einfach satt."

Sein Mantra: "Geld muss Vertrauen als Rohstoff enthalten - und ich glaube nicht, dass sie (die griechische Regierung) das Vertrauen in die Bevölkerung haben." Ein Rohstoff, der offenbar auch den Verhandlungspartnern wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt. Immerhin ist der Internationale Währungsfonds (IMF) am Donnerstag vom Verhandlungstisch aufgestanden und heimgefahren. Viel Zeit bleibt den Griechen daher nicht mehr.

Bis Ende kommender Woche muss eine Einigung her, so Nielsen, um dann noch Zeit für die Billigung einer Vereinbarung durch die jeweiligen nationalen Parlamente zu haben.

Wenn Volkswirte, sonst Freunde der wohltemperierten Floskel, sich so hart äußern, sollte das Griechenlands Regierung zu denken geben.

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