Freitag, 19. Juli 2019

Vor Kommunalwahlen in Türkei Türkische Börse mit größtem Verlust seit 2016 - Lira stürzt

Türkische Lira: Massiv unter Druck

Wenige Tage vor den Kommunalwahlen in der Türkei steigt die Nervosität der Anleger. Sie warfen Staatsanleihen des Landes am Mittwoch aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der bis 2030 laufenden Dollar-Bonds auf 8,122 von 7,764 Prozent.

Parallel dazu verteuerte sich die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets türkischer Anleihen gegen Zahlungsausfall um 25.000 auf 441.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Dies ist der höchste Stand seit sechseinhalb Monaten. Damit haben sich die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) binnen einer Woche um etwa 100.000 Dollar verteuert.

Lira stürzt weiter ab

Am Devisenmarkt ging die Talfahrt der türkischen Währung Lira trotz verdeckter Eingriffe weiter. Der Kurs des Dollar stieg zeitweise auf ein Zwei-Monats-Hoch von 5,4522 Lira Börsen-Chart zeigen . Die türkische Zentralbank hatte zuvor ihre standardmäßigen wöchentlichen Refinanzierungsgeschäfte für Geschäftsbanken vorläufig gestoppt. Kredite vergibt sie nur über andere, höher verzinste Instrumente.

Türkische Börse fällt zeitweise um 7 Prozent - größter Verlust seit 2016

Anleger fliehen in Scharen aus dem türkischen Aktienmarkt. Der Leitindex der Istanbuler Börse fiel am Mittwoch um bis zu 7 Prozent und verbuchte am Schluss mit minus 5,7 Prozent den größten Tagesverlust seit mehr als zweieinhalb Jahren. Der Bankenindex brach sogar um bis zu 8,5 Prozent ein - so stark wie zuletzt vor einem guten halben Jahr. "Ausländische Investoren, die sich üblicherweise Lira auf dem Devisenmarkt besorgen, sind gezwungen zu verkaufen", sagte ein Börsianer. "Aus Anleihen ziehen sie sich ebenfalls zurück."

Insidern zufolge leihen türkische Banken ausländischen Instituten vorerst keine Lira mehr. Sie wollten diese Praxis bis nach den Kommunalwahlen am Wochenende beibehalten. Daraufhin schoss der Zins für Lira-Übernachtkredite in London auf 700 Prozent. Vergangene Woche hatte er noch bei 22 Prozent gelegen.

"Wir wissen nicht, ob beziehungsweise welche Anweisungen die Regierung oder die Zentralbank den Geschäftsbanken erteilt hat", sagte Commerzbank-Analyst Tatha Ghose. Er wertete die aktuelle Entwicklung als mögliches Vorspiel für die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen. "Das wäre der Super-GAU für Kapitalzufuhr aus dem Ausland und damit auch für das Wirtschaftswachstum."

la/dpa/reuters

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