Währungs-Absturz in den Schwellenländern Crash des Peso lässt türkische Lira weiter fallen

Bushaltestelle in Buenos Aires: Der argentinische Peso ist gegenüber dem Dollar im freien Fall

Bushaltestelle in Buenos Aires: Der argentinische Peso ist gegenüber dem Dollar im freien Fall

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Die Sorgen der weltweiten Investoren, dass viele hoch verschuldeten Schwellenländer ihre in Dollar aufgenommenen Schulden bald nicht mehr bezahlen können, nimmt zu. Nach dem Absturz der türkischen Lira in den vergangenen Wochen erlitt nun der argentinische Peso den größten Kurssturz seit drei Jahren. Dies zog die Währungen anderer Schwellenländer mit nach unten.

Der argentinische Peso verlor in der Nacht zum Donnerstag mehr als sieben Prozent an Wert, es war der größte Tagesverlust seit 2015. Das Vertrauen in Präsident Mauricio Macri, die Krise in den Griff zu bekommen, schwinde, hieß es. Argentinien bat zudem um raschere Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die argentinische Notenbank intervenierte, jedoch ohne Erfolg: Der Peso schloss auf einem Rekordtief von rund 34 Peso gegen den Dollar.

Der Kursrutsch zog auch den Rand in Südafrika, die indische Rupie sowie erneut die türkische Lira mit nach unten. Die Lira verlor rund 2 Prozent gegen den Dollar, es war der vierte Verlusttag in Folge.

Ein Dollar verteuerte sich am Donnerstag im frühen Handel um 0,7 Prozent auf 6,51 Lira. "Die Stimmung in der Türkei trübt sich weiter ein - es droht eine Rezession", sagte Deutsche-Bank-Anlagestratege Ulrich Stephan. Die Folgen für die Euro-Zone sollten seiner Ansicht nach aber überschaubar bleiben. "Die Krise dürfte sich auch im schlimmsten Fall deutlich glimpflicher als zunächst angenommen auf die Kapitalausstattung europäischer Banken auswirken."

Bankenviertel Istanbul: Die Ratingagentur Moody's hat 20 türkische Banken und Finanzinstitute abgestuft, die wichtige Isbank (im Bild die Zentrale) sogar gleich um zwei Stufen

Bankenviertel Istanbul: Die Ratingagentur Moody's hat 20 türkische Banken und Finanzinstitute abgestuft, die wichtige Isbank (im Bild die Zentrale) sogar gleich um zwei Stufen

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Seit Wochen wertet die türkische Währung ab. Sie hat seit Januar zum Dollar fast 40 Prozent an Wert eingebüßt. Hinter dem Lira-Verfall steht unter anderem ein Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Washington wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei. Zudem sehen Investoren zunehmend die Unabhängigkeit der türkischen Notenbank in Gefahr.

Marktteilnehmer befürchten, dass sich viele Investoren generell aus aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien und Südamerika zurückziehen werden. "Die Gefahr, dass diese Krise zu einer globalen Schwellenländer-Krise wird, wird immer größer", sagte Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

In Argentinien spitzt sich die Lage beispielsweise zu. Der Internationale Währungsfonds prüft nach einer Bitte der Regierung in Buenos Aires eine vorzeitige Auszahlung milliardenschwerer Finanzhilfen für das Land. Trotz Notfallmaßnahmen der lokalen Notenbank war der Peso am Mittwoch so wenig wert wie noch nie. Auch die indische Rupie fiel am Donnerstag auf ein Rekordtief.

Moody's hatte am Dienstagabend wegen der bestehenden finanziellen Risiken die Kreditwürdigkeit von 18 türkischen Banken und zwei anderen Finanzinstitutionen herabgestuft. Vier der Banken, darunter die wichtigen Geldinstitute Denizbank und IsBank, wurden gleich um zwei Stufen herabgesetzt. Ein wichtiger Grund ist der hohe Anteil der Auslandsschulden der Institute. Goldman Sachs warnte erst Anfang August, sollte der Dollar auf 7,10 Lira steigen, hätten die Institute keinerlei Sicherheitspolster mehr.

Bis Mitte 2019 werden 153 Milliarden Euro an Auslandschulden fällig

Moody's hatte bereits Mitte August die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ba3 herabgestuft und die weiteren Aussichten als negativ bewertet. Die Türkei ist hoch verschuldet.

Analysten von JP Morgan schätzen, dass bis Mitte nächsten Jahres umgerechnet rund 153 Milliarden Euro an Auslandsschulden fällig werden. Das entspricht fast einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Wie JP Morgan am Mittwoch in einer Studie ausführte, entfällt der Großteil der Summe auf den Privatsektor - insbesondere auf Banken. Nur umgerechnet 3,7 Milliarden Euro seien Schulden von öffentlichen Stellen. "Der Finanzierungsbedarf in den nächsten Monaten ist groß und der Zugang zu den Märkten ist problematisch geworden", warnte JP Morgan.

Allein in ausländischen Devisen hätten die türkischen Banken Schulden in Höhe von umgerechnet 77 Milliarden Dollar, die sie in den nächsten 12 Monaten refinanzieren müssen, rechnet Moody's vor. Je stärker die Lira an Wert verliert, desto schneller zehren die Kapitalpuffer der Institute auf. Nach Ansicht der Ratingexperten macht die Abhängigkeit der türkischen Banken von ausländischen Finanzströmen sie besonders angreifbar.

JP Morgan glaubt, dass für Verbindlichkeiten der türkischen Banken von umgerechnet insgesamt 93 Milliarden Euro, die bis Juli 2019 beglichen werden müssen, ein Finanzierungsrisiko besteht.

Lira-Absturz und Bankenschwäche werden die türkische Wirtschaft weiter schwächen: So erwarten die Experten eine Abschwächung des Wachstums in der Türkei auf 1,5 Prozent 2018 und 1,0 Prozent 2019 sowie einen weiteren Anstieg der Inflation.

Stimmung in der Wirtschaft bricht ein, Defizit in Handelsbilanz wächst

Doch auch schwache Konjunkturdaten lasteten am Mittwoch auf der Lira: Ein vom türkischen Statistikamt erhobener Stimmungsindikator der Wirtschaft fiel im August auf 83,9 Punkte, nachdem er im Monat zuvor noch bei 92,2 Zählern gelegen hatte. Mit dem Einbruch fiel der Indexwert auf ein Niveau, dass zuletzt in der schweren internationalen Wirtschaftskrise von 2009 erreicht worden war.

Außerdem hat sich das Defizit in der türkischen Handelsbilanz ausgeweitet. Hier meldete das Statistikamt für Juli einen Fehlbetrag von knapp sechs Milliarden US-Dollar und damit etwa eine halbe Milliarde mehr als im Monat zuvor.

"Die Lira-Krise ist noch nicht überwunden", kommentierte Devisenexpertin Esther Reichelt von der Commerzbank. Äußerungen von Finanzminister Berat Albayrak, dass er keine großen Risiken für die türkische Wirtschaft und das Finanzsystem sehe, hätten den Marktteilnehmern wenig Hoffnung auf notwendige Reformen gegeben.


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Auf Zinsanhebungen, die Volkswirte zur Bekämpfung der Lira-Krise als notwendig erachten, deutet nach wie vor wenig hin. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist strikt dagegen.

Die Türkei befindet sich derzeit in einer diplomatischen Krise mit den USA, die zusätzlich die Währung schwächt. So war der Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Washington unter anderem wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei vor ein paar Wochen eskaliert. Die USA setzten daraufhin Sanktionen gegen die Türkei und höhere Zölle für bestimmte Waren in Kraft.

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