Montag, 14. Oktober 2019

Annulierung der Wahl in Istanbul Türkische Lira fällt auf tiefsten Stand seit Oktober

Präsident Recep Tayyip Erdogan: Seine AKP verlor die Bürgermeisterwahl in der Millionen- und Wirtschaftsmetropole Istanbul knapp. Auf seinen Druck wird die Wahl wiederholt und der oppositionelle neue Bürgermeister abgesetzt.
Pool Presdential Press Service/AP/dpa
Präsident Recep Tayyip Erdogan: Seine AKP verlor die Bürgermeisterwahl in der Millionen- und Wirtschaftsmetropole Istanbul knapp. Auf seinen Druck wird die Wahl wiederholt und der oppositionelle neue Bürgermeister abgesetzt.

Auf Druck von Präsident Recep Tayyip Erdogan müssen die Bürger in Istanbul erneut wählen - Erdogan will die Niederlage seiner Partei bei der Bürgermeisterwahl nicht akzeptieren und so oft wählen lassen, bis sein Kandidat gewonnen hat. An den Devisenmärkten reagieren die Anleger sofort: Die türkische Lira fällt zu Dollar und Euro auf den tiefsten Stand seit Oktober. Auch die Börse in Istanbul reagiert mit Verlusten.

Die türkische Lira Börsen-Chart zeigen hat rund um die Ankündigung einer Wahlwiederholung in Istanbul deutlich an Wert eingebüßt. Ein Dollar kostete am Montagabend erstmals seit vergangenem Oktober wieder mehr als sechs Lira.

Zunächst hatten Spekulationen auf eine Wiederholung der Kommunalwahlen in der Stadt die türkische Währung belastet. Die Bestätigung der Wahlbehörde verstärkte den Effekt: Eine Stunde nach der Ankündigung kostete ein Dollar bereits 6,11 Lira. Ein Euro verteuerte sich auf 6,84 Lira. Seit Anfang 2019 büßte die Lira damit elf Prozent an Wert ein.

Auch die Börse in Istanbul reagierte mit deutlichen Verlusten auf die Annullierung der Kommunalwahl. Der Leitindex BIST 100 fiel den nunmehr vierten Handelstag in Folge und büßte zuletzt 2,35 Prozent auf 90.801,28 Punkte ein. Inzwischen hat er damit seine Gewinne seit Jahresbeginn wieder komplett abgegeben und ist leicht in die Verlustzone gerutscht.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte eine erneute Abstimmung in Istanbul gefordert, weil es bei der Wahl seiner Ansicht nach Unregelmäßigkeiten gegeben haben soll. Der Kandidat der Republikanische Volkspartei CHP, Ekrem Imamoglu, war Ende März mit 0,2 Prozentpunkten Vorsprung auf den Kandidaten von Erdogans Partei AKP, den ehemaligen Ministerpräsidenten Binali Yildirim, zum Sieger ernannt worden.

Türkei befindet sich in der Rezession

Die Entscheidung der Wahlkommission könnte sich auch auf die ohnehin angeschlagene türkische Wirtschaft auswirken und zu einem weiteren Verfall der Lira führen. "Dies beschädigt den Ruf der Türkei als Demokratie und er wird die türkische Wirtschaft verletzbar machen", sagte der Analyst Timothy Ash von Blue Bay Asset Management unter Verweis auf Risiken für die finanzielle Stabilität der Türkei.

Die Türkei befindet sich seit Ende des Jahres in der Rezession. Die Inflation liegt konstant hoch bei rund 20 Prozent. Vor allem Lebensmittel werden immer teurer. Analysten sagen, die wirtschaftliche Lage habe zum schlechten Abschneiden der Regierungspartei in den Großstädten beigetragen.

Die Lira war vergangenen Sommer inmitten eines Streits mit den USA eingebrochen und verlor im vergangenen Jahr insgesamt rund 30 Prozent an Wert. In der Folge stieg die Inflation, während die Wirtschaft erstmals seit zehn Jahren in die Rezession rutschte. 2018 sank das Bruttoinlandsprodukt zwischen Oktober und Dezember binnen Jahresfrist um drei Prozent. Viele Unternehmen mussten Insolvenz beantragen.

rei/dpa/Reuters

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