Sonntag, 17. November 2019

Krise in der Türkei Lira fällt weiter - Woche der Entscheidung

Türkische Wechselstube: Die Inflation galoppiert davon, die Menschen in der Türkei können bei gleichzeitigem Verfall der türkischen Lira immer weniger für ihr Geld kaufen

Der Kursrutsch der türkische Lira hat sich am Dienstag fortgesetzt. Ein Dollar verteuerte sich im frühen Handel auf 6,20 Lira nach einem Schlusskurs von 6,12 am Montag. Die Währung steht seit Wochen unter Druck, seit Jahresanfang verlor sie zum Dollar fast 40 Prozent an Wert, binnen eines Monats etwa 22 Prozent.

Die türkischen Finanzmärkte hatten am Montag nach einer Woche Pause wegen des muslimischen Opferfestes wieder geöffnet und den Handel aufgenommen.

Diese Woche gilt als entscheidend für die türkische Währung, da die europäischen Märkte nach der Sommerpause aktiver sind. Ökonomen fordern dringend eine Anhebung der Leitzinsen, um den Liraverfall zu stoppen und die Inflation von fast 16 Prozent zu drücken, Präsident Recep Tayyip Erdogan lehnt das jedoch ab.

Die Türkei befindet sich derzeit in einer diplomatischen Krise mit den USA, die zusätzlich die Währung schwächt. So war der Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Washington unter anderem wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei vor ein paar Wochen eskaliert. Die USA setzten daraufhin Sanktionen gegen die Türkei und höhere Zölle für bestimmte Waren in Kraft.


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Der türkische Finanzminister Berat Albayrak warnte am Montag nach einem Treffen mit seinem französischen Amtskollegen Bruno Le Maire in Paris vor den Folgen durch die US-Sanktionen. Diese Schritte gefährdeten nicht nur das globale Finanzsystem, sondern auch den weltweiten Handel und die politische Stabilität in der Region um die Türkei. Die Gefahr sei, dass sich der Terrorismus und die Flüchtlingskrise verschlimmerten.

rei/Reuters/afp

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