Wechsel des Finanzministers Erdoğan schickt Lira erneut auf Talfahrt

Mitten in der Währungskrise tauscht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan seinen Finanzminister aus. Die Lira gibt daraufhin nach.
Sorgt erneut mit einem Personalwechsel für Unruhe: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan fordert trotz der hohen Inflationsrate niedrige Zinsen

Sorgt erneut mit einem Personalwechsel für Unruhe: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan fordert trotz der hohen Inflationsrate niedrige Zinsen

Foto: Adem Altan / AFP

Der Druck auf die geschwächte türkische Lira hält an. Für einen Dollar mussten Investoren am Donnerstag 13,45 Lira bezahlen. Damit lag die türkische Währung nahe ihres kürzlich erreichten Rekordtiefs. Mittlerweile hat die türkische Währung seit Beginn des Jahres zum Dollar etwa 80 Prozent an Wert verloren und zum Euro fast 70 Prozent.

Hintergrund des erneuten Kursrückgangs war der Wechsel des türkischen Finanzministers. Präsident Recep Tayyip Erdoğan übergab das Amt inmitten der andauernden Währungskrise dem stellvertretenden Finanzminister Nureddin Nebati. Der bisherige Finanzminister Lütfi Elvan reichte seinen Rücktritt ein. Er hatte den Posten nur etwa ein Jahr inne. Der Abgang ist der jüngste in einer Reihe von raschen Wechseln an der Spitze von Zentralbank und Ministerien. So hat Erdoğan drei Notenbankchefs binnen zweieinhalb Jahren verschlissen, was die Glaubwürdigkeit der Währungshüter erschüttert hat.

Die Lira war in den vergangenen Tagen nach umstrittenen Äußerungen Erdoğans zu Zinsen und dem Eingreifen der Zentralbank auf Berg- und Talfahrt gegangen. Mittlerweile leidet die Wirtschaft des Landes schwer unter dem Wertverfall der heimischen Währung. Die Preise für Lebensmittel, Wohnraum und vieles mehr steigen in der Türkei stark an. Die Inflation ist zuletzt auf etwa 20 Prozent gestiegen. Im kommenden Jahr könnte sich die Teuerung Ökonomen zufolge auf etwa 30 Prozent beschleunigen. Experten geben daran Erdoğan die Hauptschuld, auf dessen Betreiben hin die Zentralbank trotz der hohen Inflationsrate zuletzt mehrfach die Zinsen gesenkt hatte.

"Beobachter spekulieren darüber, dass Elvan gehen musste, weil er der Niedrigzinspolitik des Präsidenten kritisch gegenüberstand", sagte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Der türkische Präsident hat zuletzt trotz einer hohen Inflation immer wieder Zinssenkungen gefordert und zuletzt mehrfach für personelle Wechsel in der Führungsetage der türkischen Notenbank gesorgt. Für zusätzlichen Druck hatte am Dienstagabend ein Interview Erdoğans beim Staatssender TRT gesorgt, in dem er bis zu den für 2023 geplanten Wahlen niedrigere Zinsen versprochen hatte.

mg/Reuters, dpa-afx
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