Trotz EZB-Milliarden Investoren rechnen mit Rezession in der Euro-Zone

Die jüngsten Hilfsmaßnahmen der EZB verpuffen bei Investoren: Börsianer rechnen fest mit einer bevorstehenden Rezession in der Euro-Zone. Besonders frappierend ist der Einbruch der aktuellen Lageeinschätzung.
EZB in Not: "Enorme Ernüchterung" unter Anlegern sieht Sentix-Experte Wanke

EZB in Not: "Enorme Ernüchterung" unter Anlegern sieht Sentix-Experte Wanke

Foto: Boris Roessler/ dpa

Berlin - Trotz der Stützungsmaßnahmen der EZB droht der Euro-Zone nach Ansicht von Börsianern eine Rezession. Das Konjunkturbarometer der Investmentberatung Sentix brach im September um 12,5 auf minus 9,8 Punkte ein. Wie Sentix zu seiner Umfrage unter gut 900 Anlegern mitteilte, ist das der niedrigste Stand seit Juli 2013.

Besonders der Einbruch bei der Einschätzung der Lage sei bemerkenswert, sagte Sentix-Experte Sebastian Wanke. Er fiel so stark aus wie nie zuvor seit Einführung der Umfrage im Jahr 2003. "Damit signalisiert der Indikator für die Eurozone wieder Rezession", kommentierte Wanke.

Die Entwicklung sei bemerkenswert, weil es der der Europäischen Zentralbank (EZB) sonst bei Bedarf stets gelungen sei, die Konjunkturerwartungen der Anleger positiv zu beeinflussen. "Nun scheint dies nicht mehr zu funktionieren."

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Die EZB hatte erst vorige Woche die Zinsen auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt und zudem den Ankauf von Kreditverbriefungen beschlossen. Sie stemmt sich damit gegen die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front, der zu einem Teufelskreis aus sinkenden Löhnen und nachlassenden Investitionen führen kann. Zuletzt waren die Preise bei einer Inflationsrate von 0,3 Prozent kaum noch gestiegen. Die Wirtschaft der Währungsunion hatte im zweiten Quartal stagniert.

Es sei eine "enorme Ernüchterung" unter den Anlegern vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts und den damit verbundenen Sanktionen eingekehrt. "In diesem Licht erscheint dann auch die weiterhin sehr hohe Arbeitslosenquote der Eurozone in Kombination mit der rekordniedrigen Inflation wieder bedrohlicher", so Wanke.

Der Sentix-Index resultiert aus einer Befragung von professionellen und privaten Anlegern. In der aktuellen Umfrage wurden 906 Investoren befragt, davon 217 Profis. Unter Analysten ist der Indikator nicht zuletzt deswegen beliebt, weil er am Monatsanfang als eines der ersten Stimmungsbarometer veröffentlicht wird. Daneben ist der Zeitraum zwischen Befragung und Bekanntgabe kurz: Die jüngste Runde wurde zwischen dem 4. und 6. September durchgeführt. Die neuen Entscheidungen der EZB sind damit in die Umfrage eingeflossen.

ts/rtr/dpa-afx
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