Montag, 30. März 2020

Börsenprofi Markus Zschaber erklärt Mit dieser Aktie wird der Dosenpfand zum Rendite-Garant

Nachhaltige Geldanlage geht auch ohne Fonds und ETFs. Unternehmen wie Tomra Systems machen mit ihren Systemen zur Pfandrücknahme und Müllsortierung die Welt ein Stück sauberer - und Aktionäre glücklicher.

Schon bevor die Fridays-for-Future-Bewegung lautstark auf den Klimawandel aufmerksam machte, waren sich Wissenschaftler einig: Ein schonender Umgang mit Ressourcen und die Wiederverwertung von Wertstoffen ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft. Wie die vom Frauenhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik gemeinsam mit der ALBA Group durchgeführte Studie "resources SAVED by recycling" zeigt, können durch Recycling enorme Mengen klimaschädlicher Treibhausgase eingespart werden. Im Jahr 2018 sorgte die Kreislaufführung von 5,6 Millionen Tonnen Wertstoffen zu einer Einsparung von 4,4 Millionen Tonnen giftigen Gases.

Markus Zschaber

Obwohl Deutschland als Recycling-Musterland gilt, landen auch hier viele Verpackungen trotz des Grünen Punktes in der Verbrennungsanlage. Besser funktioniert das Recycling bei Pfandflaschen. Während es zwischen Kiel und Konstanz üblich ist, Flaschen aus Plastik und Glas sowie Dosen zum Händler zu bringen, um Pfand zurückzuerhalten, ist dieses Konzept in vielen Ländern der Welt noch weitgehend unbekannt. Aber: Im Zuge der Klimadiskussion findet auch hier langsam aber sicher ein Umdenken statt. Ein gutes Beispiel dafür ist Großbritannien; dort landeten die Flaschen bislang im Müll. Nun ist ein Pfandsystem in der Diskussion und könnte schon bald umgesetzt werden.

Tomra Systems macht Pfand und mehr

Dass das deutsche Pfandsystem keine Insellösung ist, zeigen auch die guten Zahlen des norwegischen Unternehmens Tomra Systems. Tomra baut Leergutrücknahme-Automaten und ist darin weltweit führend. Auch bei Sortieranlagen für Hausmüll punktet das Unternehmen mit seiner Expertise. Dieser Bereich zeigte sich zuletzt als besonders wachstumsstark. Der Grund: Das eigene Sortiersystem identifiziert Materialien nach Form, Farbe und Beschaffenheit und ermöglicht so ein effizientes Recycling. Dank Tomra landet also weniger Müll in der Verbrennungsanlage und mehr Wertstoffe können wiederverwertet werden. Diese Alleinstellungsmerkmale sorgen dafür, dass das Unternehmen seine Umsätze zuletzt um mehr als 10 Prozent steigern und auch beim Gewinn punkten konnte.

Bislang hat das skandinavische Unternehmen in den vergangenen 45 Jahren in 60 Ländern über 82.000 Automaten zur Leergutrücknahme installiert. Tomra verdient einerseits durch den Verkauf und andererseits auch durch die Wartung: Allein in Deutschland sind 400 Mitarbeiter mit dem Service für rund 30.000 Automaten betraut. Neben den Automaten zur Leergutannahme und den Sortiersystemen für Müll arbeitet das Unternehmen auch mit Kunden aus den Bereichen Bergbau sowie der Lebensmittel- und Tabakindustrie zusammen.

Tomra-Aktionäre haben ein gutes Gewissen

Der Börsenkurs der Woche - vom Profi
Kurse, Indexstände, Aufs und Abs - an der Börse passiert täglich Neues, Besonderes und Überraschendes. An dieser Stelle präsentiert und erklärt jeden Montag ein Finanzmarktprofi sein Börsen-Highlight der Woche.

Derart breit aufgestellt, ist das Unternehmen und dessen Aktie eine gute Wahl, um auf den immer wichtiger werdenden Trend hin zu mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu setzen. Nicht auszudenken, welcher Markt für das Unternehmen entsteht, wenn noch mehr Länder dem Beispiel Deutschlands folgen und den Kampf gegen weggeworfene Plastikflaschen oder Dosen mittels einer gesetzlichen Pfandlösung konsequent und nachhaltig aufnehmen. Richtig ist zwar, dass die Aktie von Tomra Systems mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis um 50 schon recht ambitioniert bewertet ist, auf der anderen Seite schlummert aber auch eine Menge Potenzial in diesem Wert.

Wie vielversprechend die Aussichten sind, zeigt auch die Kursreaktion im Zuge des Corona-Schocks an den Börsen: Nach einem kurzen Rücksetzer erholte sich die Aktie wieder schnell. Und auf Sicht von fünf Jahren steht immerhin eine Rendite von knapp 300 Prozent zu Buche. Die weltweiten Anstrengungen gegen Umweltverschmutzung dürften die Aktie auch weiterhin unterstützen. Wir als Vermögensverwalter haben diese Aktie sozusagen auf unserem Radar, vielleicht wird Tomra-Systems zukünftig eine Trend-Aktie für Anleger. Sicherlich aber für unsere Kunden, da wir zu einem noch nicht bestimmten Zeitpunkt dann kaufen und derzeit noch warten.

(Hinweis: Der Chart wurde bewusst bis zum 05.03.2020 dargestellt, da die jetzige Abstrafung der Kapitalmärkte das realistische Bild verzerrt)

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung