Dienstag, 16. Juli 2019

Tether als Zentralbank der Kryptowährungen Das ist die Pumpe, die Bitcoin aufbläst

Tether = US-Dollar? Nicht ganz ...
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Tether = US-Dollar? Nicht ganz ...

Ist es das Libra-Projekt von Facebook? Ist es die chinesische Antwort darauf? Sind es institutionelle Anleger, die Bitcoin und andere Kryptowährungen für sich entdecken?

Man kann lange rätseln, was hinter dem rasanten Comeback von Bitcoin Börsen-Chart zeigen in den vergangenen Wochen steckt. Oder sich die Bewegungen, die an den Krypto-Börsen selbst passieren, genauer ansehen.

Dann fällt vor allem eine Antriebskraft auf: Tether, eine weitere Kryptowährung, die aber als so genannter Stablecoin ursprünglich mit dem Versprechen aufgelegt wurde, 1:1 an den Wert des US-Dollar gebunden und durch echte Dollar gedeckt zu sein. Wann immer in den vergangenen Wochen große Mengen Bitcoin gekauft wurden, kamen unmittelbar zuvor große, neu geschaffene Mengen Tether frisch auf den Markt.

Seit Anfang April hat sich der Bestand von zwei Milliarden Tether beinahe verdoppelt - im gleichen Zeitraum, wie der Bitcoin-Kurs von 4000 Dollar abhob. An manchen Tagen fließen Milliardenbeträge allein an der führenden Tether-Börse Binance aus Tether in Bitcoin und andere Kryptowährungen.

Ausgegeben werden die digitalen Dollars von der Firma Tether, Inc. - deren Führung teilweise identisch mit dem Betreiber der umstrittenen Kryptobörse Bitfinex ist. Das Gebilde wird von manchen als "die Zentralbank von Bitcoin" angesehen - allerdings eine Zentralbank, die kein Interesse an finanzieller Stabilität hat.

Carol Alexander und Michael Dakos von der britischen University of Sussex schreiben von einer "Tether-Blase". Gegenüber dem Magazin "Decrypt" räumte der Chef einer Bitfinex-Tochterfirma sogar ein, dass es Absprachen zwischen Tether und den "Whales" genannten Großinvestoren gebe, wie viele Tether geschaffen werden sollten. Daher komme es oft zu Transaktionen mit runden, großen Summen. Mindesteinsatz: 100.000 Dollar.

Diese Wale könnten die Tether nutzen, um den Preis von Bitcoin und Co. nach oben zu treiben. Wenn dann weitere Käufer kommen, die auf noch höhere Preise spekulieren, lassen sich die Coins mit Gewinn wieder abstoßen. "Das ist noch nicht einmal eine Blase, das ist pure Marktmanipulation", sagte Krypto-Kritiker David Gerard der "Financial Times".

Der von "Decrypt" zitierte Bitfinex-Mann beharrt zwar darauf, die Tether würden nicht einfach aus dem Nichts geschöpft, sondern stets mit harten Dollar bezahlt - die Bitcoin-Pumpe werde also von echter Nachfrage angetrieben, wenn auch mit zeitlichem Versatz.

Allerdings mochte Tether/Bitfinex die Einnahmen, die ihre virtuelle Geldschöpfung begründen, vor Gericht nicht belegen. Die New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Geldwäsche und Betrug. Hauptvorwurf: Bitfinex habe eine eigene Finanzlücke von 850 Millionen Dollar mit Reserven von Tether gestopft.

Ein Partner, der zentral für die Beschaffung echter Dollars mit Hilfe einer dubiosen Bank in Panama gewesen sein soll, wurde bereits verurteilt. Zwischenzeitlich gab Bitfinex auch den Anspruch der Tether-Dollar-Bindung auf. Und immer wieder verschwanden an der Börse Guthaben von Bitfinex-Kunden.

Die Verteidigungsstrategie der Krypto-Pumper: Sie bezweifeln die Zuständigkeit der US-Justiz. Man akzeptiere nur die Rechtsprechung der Britischen Jungferninseln, heißt es auch auf der Website von Bitfinex.

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