Dienstag, 25. Februar 2020

Tesla-Aktie nahe 1000 Dollar Tesla-Shortseller verlieren Milliarden Dollar

Läuft gut für ihn, auch im Clinch mit Spekulanten: Konzernchef Elon Musk kann sich über den Kursanstieg der Tesla-Aktie freuen.
Brendan McDermid / REUTERS
Läuft gut für ihn, auch im Clinch mit Spekulanten: Konzernchef Elon Musk kann sich über den Kursanstieg der Tesla-Aktie freuen.

Es gibt zweifellos zahlreiche Investoren an der Börse, die sich über den atemberaubenden Kursanstieg der Tesla-Aktie in den vergangenen Wochen freuen können. Die Shortseller jedoch, die auf Kursverluste bei dem US-Elektroautobauer setzen, gehören sicher nicht dazu. Neuen Daten zufolge haben sie allein am gestrigen Montag, als das Tesla-Papier einen Rekord-Kurssprung von rund 20 Prozent hinlegte, einen Verlust von zusammen 2,5 Milliarden Dollar verbucht. Insgesamt, so zitieren Medien die US-Researchfirma S3 Partners, beläuft sich der Verlust der Tesla-Leerverkäufer damit im Jahr 2020 bereits auf knapp neun Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2019 hatten die Tesla-Pessimisten laut S3 Partners Verluste von 2,9 Milliarden Dollar eingefahren.

In seiner Dauerrivalität mit den Skeptikern an der Börse läuft es also weiterhin gut für Tesla-Chef Elon Musk. Zumal die Aktie von Tesla Börsen-Chart zeigen am Dienstag an der Nasdaq weiterhin deutlich zulegte und zeitweise sogar über die Marke von 900 Dollar kletterte. Im Oktober 2019 hatte das Papier noch bei 250 Dollar notiert.

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Der Clinch von Elon Musk mit prominenten Shortsellern wie David Einhorn, Chef des US-Hedgefonds Greenlight Capital, oder Mark Spiegel von Stanphyl Capital ist bereits legendär. Laut "Wall Street Journal" schickte Musk Einhorn sogar einmal eine Nachricht, wonach er ihm besonders "kurze Hosen" schenken wolle ("a small gift of short shorts").

Auch Musks fatale Ankündigung vom vergangenen Jahr, Tesla Börsen-Chart zeigen von der Börse nehmen zu wollen, entpuppte sich als weiteres Kapitel in seinem Kleinkrieg gegen die Leerverkäufer. Musk hatte per Twitter verlautbart, er plane ein Delisting seines Unternehmens beim Kurs von 420 Dollar, woraufhin sich der Preis der Aktien prompt aufwärts in diese Richtung in Bewegung setzte. Nachdem sich die Information als Flop entpuppte, bekam der Tesla-Chef Ärger mit der Börsenaufsicht und musste seinen Posten als Tesla-Verwaltungsrat räumen. Tesla-Shortseller hatte Musk jedoch mit der Aktion auf dem falschen Fuß erwischt. Sie machten angesichts des Kursaufschwungs zum Teil Verluste, einige zogen daraufhin sogar vor Gericht.

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Bemerkenswert indes: Obwohl die Tesla-Aktie in den vergangenen Tagen praktisch kerzengerade in die Höhe schoss, handelt es sich dabei den Experten von S3 Partners zufolge, die auf dieses Thema spezialisiert sind, nicht um einen klassischen Short-Squeeze. Hintergrund: Ein Short-Squeeze entsteht, wenn sehr viele Leerverkäufer binnen kurzer Zeit gezwungen sind, ihre Positionen zu schließen und sich zu dem Zweck mit Aktien einzudecken. Die riesige Nachfrage lässt dann den Kurs einer Aktie innerhalb kürzester Zeit geradezu nach oben schießen.

Eines der bekanntesten Short-Squeeze-Szenarien entstand beispielsweise im Oktober 2008 bei der Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen. Der Wolfsburger Konzern war seinerzeit in einen Machtkampf mit Porsche verstrickt, dessen Chef Wendelin Wiedeking die Übernahme Volkswagens plante. Viele Leerverkäufer am Finanzmarkt glaubten jedoch offenbar nicht an einen Erfolg dieses Vorhabens und wetteten gegen die Volkswagen-Aktie. Als Porsche dann plötzlich öffentlich machte, bereits beinahe drei Viertel der Volkswagen-Anteile zu kontrollieren, zogen Shortseller im großen Stil die Reißleine. Folge: Die Volkswagen-Stammaktien legten Ende Oktober 2008 an einem einzigen Tag kurzzeitig um mehr als 100 Prozent zu.

Auch bei Tesla wäre die Basis für einen solchen Short-Squeeze allem Anschein nach gelegt: Laut S3 Partners befinden sich noch immer Tesla-Aktien im Volumen von 14 Milliarden Dollar in Short-Positionen (Anm. d. Red.: an dieser Stelle war ursprünglich die Rede von 14 Millionen Tesla-Aktien, die sich in Short-Positionen befänden. Diesen Fehler haben wir korrigiert). Das ist die größte Gesamt-Leerverkaufsposition irgendeines Unternehmens am US-Aktienmarkt, so die Researcher. Apple Börsen-Chart zeigen und Microsoft Börsen-Chart zeigen etwa folgen erst auf den Plätzen zwei und drei, obwohl es von beiden Unternehmen deutlich mehr Aktien gibt als von Tesla.


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Bild: Mynd

Auch Gründe, die die Tesla-Leerverkäufer nervös machen können, gibt es einige: Das Unternehmen eröffnete gerade mit Erfolg seine Fabrik in Shanghai und verfolgt Pläne, eine weitere in Brandenburg zu bauen. Das neue Model 3 kommt beim Publikum offenbar bestens an, wie die Absatz- und Geschäftszahlen, die Tesla für das vierte Quartal lieferte, zeigen: Dank einer hohen Nachfrage in Europa und China fuhr das Unternehmen bereits das zweite Quartal in Folge einen Gewinn ein. Zudem gab Tesla einen optimistischen Ausblick auf die Verkäufe im Jahr 2020.

All dies sowie der genannte Milliardenverlust der Shortseller reichte aber offensichtlich bislang noch nicht, um die Tesla-Kritiker am Finanzmarkt in Panik zu versetzen. Zahlen von S3 Partners zeigen: Zwar haben Shortseller ihre Tesla-Positionen seit einem Höchststand im Sommer 2019 sukzessive abgebaut. Weil dies zwangsläufig mit Aktienkäufen verbunden ist, haben die Leerverkäufer dabei zweifellos auch zum Kursanstieg Teslas in den vergangenen Wochen und insbesondere in den letzten Tagen beigetragen. Nur: Einen Short-Squeeze erkennt S3 Partners bei dem Elektroautobauer bislang eben nicht.

Christoph Rottwilm auf Twitter

In anderen Worten: Noch behalten die Shortseller bei Tesla offenbar die Nerven und ziehen sich wenn überhaupt, dann lediglich allmählich zurück.

Viele Shortseller hielten offenbar ihre Positionen in der Hoffnung, der Aktienkurs werde doch noch fallen, zitiert die "Financial Times" den S3-Partners-Experten Ihor Dusaniwsky. Es werde eine Weile dauern, bis sich das "ausgeschüttelt" habe.

Die Millionen-Dollar-Frage sei, wann es bei Tesla zur nächsten Welle an Short-Covering kommen werde, so Dusaniwsky zudem im "WSJ". Und auf welche Weise sich die Shortseller dann zurückziehen werden: Ähnlich einem Rinnsal oder einem Tsunami.

Nach dem 20 Prozent Kurssprung am Montag legte die Tesla-Aktie am Dienstag in den USA vorbörslich allerdings erneut um mehr als 15 Prozent zu. Gut möglich also, dass sich die Gemütslage der Shortseller nun doch allmählich ändert.

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