Dienstag, 25. Februar 2020

Aktie stürzt tief, Kursrally vorerst gestoppt Tesla-Aktionäre kriegen kalte Füße

Tesla-Fabrik in Shanghai: Wegen des Coronavirus könnte es zu verzögerten Auslieferungen der Fahrzeuge kommen. Tesla-Aktionäre nehmen die vergleichsweise banale Erkenntnis zum Anlass, jüngste Kursgewinne in großem Stil wieder einzusacken.
Yilei Sun/ REUTERS
Tesla-Fabrik in Shanghai: Wegen des Coronavirus könnte es zu verzögerten Auslieferungen der Fahrzeuge kommen. Tesla-Aktionäre nehmen die vergleichsweise banale Erkenntnis zum Anlass, jüngste Kursgewinne in großem Stil wieder einzusacken.

Die extreme Kursrally der vergangenen Handelstage ist wohl auch den härtesten Fans und Aktionären von Tesla nicht ganz geheuer gewesen - am Mittwoch nahmen sie jedenfalls ordentlich Geld vom Tisch: Mehr als 20 Prozent in der Spitze auf 704 Dollar brach die Aktie des Elektroautobauers ein. Letztlich ging das Papier an der Nasdaq mit einem Verlust von 17,2 Prozent aus dem Handel bei 734 Dollar.

Der Höhenflug der Tesla-Aktie Börsen-Chart zeigen, der ihr in den vorangegangenen Tagen ein Plus von fast 50 Prozent im Handelsverlauf beschert hatte, scheint damit vorerst zu enden. Aktueller Anlass war offenbar, dass Tesla erklärte, die für Anfang Februar geplante Auslieferung von in China gefertigten Model 3 könnte sich wegen des Coronavirus verzögern. Auch bleibe das Werk in Shanghai bis zum 10. Februar geschlossen.

Das mag für Tesla, das mit seiner neuen Fabrik auf dem weltgrößten Markt für Elektroautos jetzt richtig loslegen will, sicher misslich sein. Doch auch andere in China produzierende Wettbewerber haben ihre Fabriken vorübergehend schließen müssen. Ihre moderate Kursreaktion einerseits und der Absturz der Tesla-Aktie andererseits zeigen, wie angespannt derzeit die Nerven bei Tesla-Aktionären sind und wie wenig fundamental begründet die enormen Kurzuwächse seit Mitte Dezember 2019 waren.

Zu Wochenanfang hatten Tesla-Aktien mit einem Kursplus von 20 Prozent den größten Tagesgewinn seit 2013 geschafft. Am Dienstag legten die Papiere weitere 13,7 Prozent auf 887 Dollar zu. Im Handelsverlauf am Dienstag hatte das Papier zwischenzeitlich sogar 960 Dollar markiert.


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Der Elektroautopionier ist an der Börse fast 160 Milliarden Dollar wert und damit weit mehr als die deutschen Vorzeigefirmen BMW Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen zusammen. Anleger trauen dem Konzern aus dem Silicon Valley mittlerweile zu, mit batteriegetriebenen Autos fortgesetzt Gewinne zu erwirtschaften. Tatsächlich ist das Tesla in seiner 16 Jahre währenden Geschichte erst wenige Quartale gelungen.

Auch sehen einzelne Analysten Tesla gegenüber deutlich größeren Wettbewerbern wie Volkswagen klar im Vorteil. Sie erwarten nicht nur einen rasanten Anstieg der Elektroauto-Verkäufe, sondern trauen Tesla auch zu, diesen Markt dauerhaft anzuführen. Tesla sei den Wettbewerbern Jahre voraus und in der Lage, die Produktionskosten noch deutlich zu senken. Tesla könne so mittelfristig Gewinnmargen von bis zu 40 Prozent erwirtschaften.

Massenhersteller in der Autoindustrie schaffen derzeit gerade mal Margen von etwa 10 Prozent, selbst Luxussportwagenbauer wie Ferrari kommen allenfalls auf Gewinnmargen von bis zu 25 Prozent.

Analysten der US-Investmentfirma ARK lehnten sich zuletzt bei ihren Kursprojektionen dann auch sehr weit aus dem Fenster und trauen der Aktie von Tesla bis zum Jahr 2024 rund 7000 Dollar zu. Tesla sei nicht mit einem herkömmlichen Autobauer zu vergleichen, sondern vielmehr als Technologie-Revolutionär zu verstehen, der viele Facetten des menschlichen Lebens auf den Kopf stellen werde.

An Visionen Tesla-Robotertaxi-Flotten muss man schon glauben

An das oder auch Elon Musks Vision einer Flotte von ertragreichen, autonomen fahrenden Tesla-Taxis in schon wenigen Jahren muss man wohl einfach glauben, um die jüngste Wahnsinnsfahrt der Tesla-Aktie noch für gerechtfertigt zu halten.

Eine ganze Reihe anderer Analysten tut dies nicht, sie bekräftigten zuletzt ihre Verkaufsempfehlungen. Eine genauere Analyse der jüngsten Quartalszahlen mit Blick auf Free Cash Flow, die drastisch zurückgefahrenen Investitionen oder auch die Lagerbestände lässt zum Beispiel Experten von "Financial Times Alphaville" an dieser These stark zweifeln. Sie sind mit ihren Projektionen für das Jahr 2024 deutlich zurückhaltender.

rei

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