Tesla-Aktie unter Druck Zweitgrößter Aktionär nach Elon Musk reduziert seinen Anteil

Der Aktiensplit von Tesla hatte die Aktie auf ein Rekordhoch von 500 Dollar getrieben. Nun gerät das Tesla-Papier kräftig unter Druck: Der nach Elon Musk zweitgrößte Anteilseigner Baillie Gifford reduziert seinen Anteil - offenbar unfreiwillig.
Gewinnmitnahmen: Die jüngsten Kursverluste der Tesla-Aktie sollten Elon Musk nicht besonders beunruhigen

Gewinnmitnahmen: Die jüngsten Kursverluste der Tesla-Aktie sollten Elon Musk nicht besonders beunruhigen

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LUCY NICHOLSON/ REUTERS

Die Kursrallye der Tesla-Aktie  war in den vergangenen Wochen einigen Anlegern schon unheimlich geworden. Seit Jahresbeginn hatte sich der Börsenwert des von Elon Musk gesteuerten Elektroautobauers mehr als verfünffacht. Der am 1. September vollzogene Aktiensplit im Verhältnis von 1:5 sowie die nahende Aufnahme in den S&P 500 hatte die Aktie auf immer neue Höhen getrieben - Tesla ist an der Börse inzwischen fünfmal so viel wert wie der weltgrößte Autobauer Volkswagen. Doch seit dem Vollzug des Aktiensplits nehmen die ersten Tesla-Aktionäre Gewinne mit und bringen Geld in Sicherheit. Am Freitag gab die Tesla-Aktie im frühen US-Handel um weitere 3 Prozent nach und fiel unter die Marke von 400 US-Dollar. Am Dienstag hatte das Papier zeitweise noch 502 US-Dollar gekostet. Binnen vier Handelstagen hat Tesla damit 20 Prozent seines Börsenwertes verloren - erholte sich am Freitag aber wieder im späten US-Handel.

Für Unruhe bei Investoren sorgte seit der Wochenmitte ein Bericht der Wirtschaftsagentur Bloomberg , wonach das Investmentunternehmen Baillie Gifford seine Beteiligung an Tesla von 7,67 auf 4,25 Prozent reduziert habe. Damit wurde Tesla gewissermaßen ein Opfer des eigenen Erfolgs. Denn Bloomberg zufolge zufolge sah sich Baillie Gifford zu dem Schritt gezwungen, da die eigenen Anlagerichtlinien dem Gewicht einer einzelnen Aktie im Portfolio Grenzen setzten. Man wolle langfristig einen signifikanten Anteil halten und könne diesen bei Kursrückschlägen auch wieder ausbauen, hieß es. Baillie Gifford war bisher hinter Tesla-Chef Elon Musk der größte Anteilseigner des Elektroautobauers. Auch die reduzierte Beteiligung reicht für Bailliee Gifford noch für die Position des viertgrößten Aktionärs.

Auf aktuellem Niveau wird die Tesla-Aktie nun wieder für Shortseller, die auf sinkende Kurse wetten, interessant: Allerdings hatten sich Leerverkäufer in der Vergangenheit immer wieder die Finger verbrannt.

Die Kursverluste bei Tesla und anderen Anlegerlieblingen während der Corona-Zeit werden begleitet von Kursgewinnen bei Unternehmen, die in den vergangenen Monaten eher auf der Verliererseite gestanden hatten. So legten am Donnerstag zum Beispiel Unternehmen aus der Luftfahrtindustrie und aus der Touristik zu, am Mittwoch war der Getränkehersteller Coca-Cola  der größte Gewinner im Dow Jones . Nach der Kursrallye der Corona-Profiteure wie Tesla, Amazon, Facebook, Nvidia oder Moderna schichten Anleger jetzt offenbar in klassische Industriewerte um in der Hoffnung, damit von einer Erholung der globalen Konjunktur zu profitieren.

Mit einer neuen Skepsis gegenüber Tesla haben die jüngsten Kursverluste weniger zu tun. Das Unternehmen reitet seit Monaten auf einer Erfolgswelle und hat auch während der Corona-Krise seinen Absatz kräftig gesteigert. Doch die Versuchung, einen Teil der jüngsten Tesla-Kursgewinne in trockene Tücher zu bringen und nun Chancen bei den Nachzüglern zu suchen.

Auch in Deutschland hat Elon Musk nach seinem Deutschland-Besuch in dieser Woche noch einiges vor. Der US-Elektroautobauer will vom Sommer nächsten Jahres an in dem neuen Werk in Grünheide rund 500.000 Fahrzeuge im Jahr produzieren, dafür sind etwa 12.000 Arbeitsplätze geplant. Mit dem Impfstoff-Hersteller Curevac will Musk Gespräche zur Zusammenarbeit führen. Erst am Wochenende hatte der umtriebige Tesla-Chef eine Technologie vorgestellt, um Smartphones und das menschliche Gehirn direkt miteinander zu verbinden.

Tesla ist in puncto Börsenwert allen anderen Autoherstellern weit enteilt: Die drei deutschen Autobauer Volkswagen (88 Milliarden Dollar Börsenwert), Daimler (55 Milliarden Dollar) und BMW (48 Milliarden Dollar) sind an der Börse insgesamt rund 191 Milliarden Dollar wert - Tesla allein kommt mit 420 Milliarden Dollar auf mehr als das Doppelte.

la/dpa/Reuters
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