Freitag, 6. Dezember 2019

Milliardenschwerer Börsengang angekündigt Finanzinvestor Permira will bei Teamviewer Kasse machen

Geschäftsmodell von Teamviewer: Die Firma bietet Software für die Vernetzung von Fernwartung von Computern an

In Deutschland bahnt sich der größte Börsengang eines Technologieunternehmens seit dem Platzen der Dotcom-Blase an. Noch sind die Details des am Mittwoch angekündigten Börsengangs des Softwareherstellers Teamviewer nicht bekannt, aber das Volumen könnte sich nach Einschätzung von Experten auf bis zu zwei Milliarden Euro belaufen.

Fest steht aktuell, dass der Eigentümer Permira das 2005 gegründete Unternehmen, das Software für die Vernetzung und Fernwartung von Computern anbietet, noch in diesem Jahr an die Frankfurter Börse bringen will. Dabei sollen voraussichtlich nur Anteile des britischen Finanzinvestors platziert werden, wie das Unternehmen am Mittwoch in Göppingen mitteilte.

Der Finanzinvestor will damit fünf Jahre nach seinem Einstieg Kasse machen. Für Permira dürfte sich der Börsengang auf jeden Fall lohnen. Das Unternehmen machte zwar wie bei der Ankündigung eines Börsengangs üblich keine Angaben über das angepeilte Volumen. Experten gehen aber davon aus, dass das schnell wachsende und hoch profitable Unternehmen mit 4 bis 5 Milliarden Euro bewertet werden könnte.

Zudem wurde zuletzt darüber spekuliert, dass Permira 30 bis 40 Prozent der Anteile loswerden will. Damit könnte das Volumen des Börsengangs bis zu zwei Milliarden Euro betragen. Offiziell hieß es nur, dass so viele Anteile platziert werden sollen, dass es einen liquiden Markt geben soll. Permira hatte das Unternehmen 2014 für 870 Millionen Euro gekauft.

Permira will Großaktionär bleiben

Permira will nach dem Börsengang als Großaktionär weiter stark engagiert bleiben. "Wir sind von dem enormen Wachstumspotenzial Teamviewers überzeugt, das auf der Erweiterung der Anwendungsmöglichkeiten, dem Zuwachs an Neukunden und der globalen Expansion basiert", sagte Permira-Manager Jörg Röckenhäuser.

Im vergangenen Jahr sind die fakturierten Umsätze des Unternehmens um ein Viertel auf 230 Millionen Euro gestiegen. Für dieses Jahr wird ein Wachstum von bis zu 39 Prozent auf bestenfalls 320 Millionen Euro erwartet. Die operative Bruttomarge soll dabei über der Schwelle von 50 Prozent liegen - das ist selbst für die an hohe Margen gewöhnte Branche ein sehr guter Wert.

Das Unternehmen profitiert unter anderem davon, dass es bereits im vergangenen Jahr die Umstellung auf das Abo-Modell abgeschlossen hat. "Das erleichtert uns die Kommunikation mit den Investoren und war daher ein wichtiger Schritt in der Vorbereitung auf den Börsengang", sagte Finanzvorstand Stefan Gaiser.

Teamviewer-Chef favorisiert Börsengang

Derzeit hat Teamviewer, dessen Software für Privatkunden in der Basisversion umsonst ist, 360.000 Abonnenten. Die Software des Unternehmens wird derzeit auf 340 Millionen Geräten aktiv eingesetzt.

Der seit Anfang 2018 amtierende Chef Oliver Steil hatte zuletzt immer wieder betont, dass er bei den Ausstiegsszenarien des Finanzinvestors einen Börsengang bevorzugt. "Die Unabhängigkeit von anderen Hard- und Softwareherstellern ist für uns sehr wichtig. Wir sind überzeugt, dass der Gang an die Börse die beste Option für das Unternehmen ist", sagte er am Mittwoch. Bei einem möglichen Verkauf an einen Konzern wäre die Unabhängigkeit eventuell verloren gegangen.


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"Das Unternehmen ist intern gut auf eine Börsennotierung vorbereitet und die bisherigen Rückmeldungen der Mitarbeiter sind sehr positiv", sagte Steil, der bis zu seinem Wechsel in die schwäbische Provinz beim Finanzinvestor beschäftigt war. "Gerade in der Forschung und Entwicklung bedeutet die Eigenständigkeit weiter einen guten Zugang zu vielen Kooperationen und Partnerschaften."

Begleitet wird der Börsengang federführend von den US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley. In der Regel dauert es von der offiziellen Ankündigung bis zur Erstnotiz rund vier Wochen.

mg/dpa-afx, rtr

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