Mittwoch, 27. Mai 2020

Vermögensverschiebungen im Börsencrash Superreiche - wer in der Krise verliert, wer gewinnt

Krisenprofiteur: Zoom-Gründer Eric Yuan ist mit seiner Video-Konferenz-Plattform gut im Geschäft.

Jeff Bezos steht wieder einmal als Gewinner da - jedenfalls relativ betrachtet. Zwar musste auch der Gründer und Chef der Online-Handelsplattform Amazon Börsen-Chart zeigen während des Börsencrashs im Februar und März dieses Jahres Vermögenseinbußen hinnehmen. Im Vergleich mit einigen anderen Super-Superreichen der Welt kam Bezos aber noch recht glimpflich davon - und seinen Titel als reichster Mann der Welt musste er auch nicht abgeben.

Das ist eines der Ergebnisse einer Analyse des chinesischen "Hurun Reports", einer Publikation, die sich vergleichbar mit dem US-Magazin "Forbes" auf die Beobachtung der Vermögensentwicklung der Reichsten der Reichen rund um den Globus spezialisiert hat. "Hurun" hat ermittelt, wie sich die Vermögen der Superreichen im Zuge des Börsencrashs entwickelt haben, der im Februar durch die weltweite Ausbreitung des Coronavirus ausgelöst wurde, und der bis in die zweite März-Hälfte an den Weltbörsen für heftige Verluste sorgte. Grundlage der "Hurun" Kalkulationen sind dabei die Aktienentwicklungen in den Monaten Februar und März. Das heißt: Ein Teil der inzwischen wieder erfolgten Kurserholungen sind in den Zahlen noch nicht enthalten.

Dennoch: Die "Hurun"-Analyse ermöglicht einen Blick darauf, wie unterschiedlich die Corona-Krise verschiedene Unternehmer und Unternehmerinnen weltweit getroffen hat - und die Geschäftsmodelle, für die sie stehen. Hier die Highlights:

  • Das Vermögen von Jeff Bezos schrumpfte im Zuge des Corona-Crashs bis Ende März um neun Milliarden Dollar auf 131 Milliarden Dollar, so "Hurun". Damit fallen die Einbußen sowohl absolut als auch relativ betrachtet deutlich überschaubarer aus, als jene anderer Tech-Milliardäre. Bill Gates beispielsweise, Gründer von Microsoft Börsen-Chart zeigen, verlor der Analyse zufolge im gleichen Zeitraum 15 Milliarden Dollar auf zuletzt 91 Milliarden Dollar. Bei Facebook-Chef Mark Zuckerberg beträgt das Minus 13 Milliarden Dollar auf 71 Milliarden Dollar und bei den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page 12,5 Milliarden sowie 13 Milliarden auf 55,5 Milliarden sowie 54 Milliarden Dollar.
  • Der Grund liegt in der unterschiedlichen Entwicklung der Tech-Aktien: Das Papier von Amazon verlor nicht nur in der Spitze weniger als andere Papiere im Tech-Sektor. Die Aktie des Online-Handelskonzerns hat sich vielmehr in den letzten März-Tagen auch wieder stärker erholt. Offenbar sehen Investoren das Potenzial, dass Amazon vor dem Hintergrund eines verstärkten Online-Shoppings am Ende zu den Gewinnern dieser Krise gehören könnte.
  • Abgesehen davon befinden sich auf der "Hurun"-Liste mit den größten Verlierern unter den 100 reichsten Menschen der Welt Unternehmer aus vielen verschiedenen Branchen. So zum Beispiel die genannten Technologie-Milliardäre Gates, Zuckerberg, Page und Brin, der spanische Inditex-Gründer Amancio Ortega, zu dessen Reich auch die Modekette Zara gehört, und dessen Vermögen laut "Hurun" um 17 Milliarden Dollar auf 64 Milliarden Dollar schrumpfte, oder US-Starinvestor Warren Buffett, Chef der Beteiligungsholding Berkshire Hathaway Börsen-Chart zeigen. Buffett verlor im Corona-Crash laut "Hurun" 19 Milliarden Dollar und verfügte zuletzt noch über ein Vermögen von 83 Milliarden.
  • Größter Verlierer auf der Liste ist der Franzose Bernard Arnault, der laut "Hurun" binnen zwei Monaten zumindest auf dem Papier um 30 Milliarden Dollar "ärmer" wurde und letztlich noch über ein Vermögen von 77 Milliarden Dollar verfügt. Arnault ist Chef des Luxusmarken-Konzerns LVMH Börsen-Chart zeigen , dessen Papiere an der Börse mit die größten Verluste erlitten. Kein Wunder: Im Zuge des weltweiten Lockdowns beschränkt sich der Konsum in vielen Ländern inzwischen auf jene Produkte, die im alltäglichen Leben unverzichtbar sind. Luxusartikel dagegen werden kaum gekauft, zumal viele Läden nach wie vor geschlossen sind.
  • Zweitgrößter Verlierer ist der Inder Mukesh Ambani, Kopf des Energie- und Mischkonzerns Reliance. Ambanis Vermögen schrumpfte demnach ähnlich wie das von Arnault um beinahe 30 Prozent oder 19 Milliarden Dollar auf 48 Milliarden Dollar.
  • Insgesamt, so hat es "Hurun" ermittelt, verloren die 100 reichsten Menschen der Welt während der Börsenkrise zusammen zeitweise 408 Milliarden Dollar an Vermögen. Auch an der Stelle muss aber betont werden: vorübergehend. Es handelt sich lediglich um eine Momentaufnahme zum Stichtag 31. März. Seither haben sich die Aktienkurse weltweit bereits weiter entwickelt, zum Teil nach oben, zum Teil nach unten. Genau, wie sie sich auch künftig weiter verändern werden.
  • Im Corona-Börsencrash gab es nicht nur Verlierer. Bemerkenswert: Vor allem chinesische Milliardäre konnten ihr Vermögen während des genannten Zeitraums zum Teil sogar vergrößern. Denn während rund um den Globus die Aktienkurse purzelten, blieben sie an chinesischen Börsen weitgehend stabil. Schließlich war in der Volksrepublik Ende Februar/Anfang März in Sachen Corona das Schlimmste aus Sicht der Börse bereits überstanden.
  • Zu den Profiteuren der Corona-Krise gehören auch Unternehmen, die Technologien für das Arbeiten im Homeoffice anbieten oder die einfach die Kommunikationsmöglichkeiten im Netz verbessern. Ein Beispiel: Die Video-Konferenz-Plattform Zoom. Das Unternehmen erlebt seit Beginn des weitgehenden weltweiten Shutdowns einen wahren Nachfrageboom. Folge: Das Vermögen von Eric Yuan Zheng, Gründer und Chef von Zoom, wuchs laut "Hurun" im betrachteten Zeitraum um satte 77 Prozent auf acht Milliarden Dollar. Damit ist Zheng der größte Gewinner unter allen Superreichen in der Analyse. Er schnitt auch deutlich besser ab als Amazon-Gründer Jeff Bezos.

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