Freitag, 20. September 2019

Niedrigzinsen verlocken zu ultralangen Schuldtiteln Warum die USA Staatsanleihen mit 100 Jahren Laufzeit "ernsthaft" prüfen

US.-Finanzminister Steven Mnuchin möchte US-Staatsanleihen auf den Markt bringen, deren Laufzeitende nur ein Bruchteil der Menschen in den USA erleben dürfte
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US.-Finanzminister Steven Mnuchin möchte US-Staatsanleihen auf den Markt bringen, deren Laufzeitende nur ein Bruchteil der Menschen in den USA erleben dürfte

Anfangs waren es Spekulationen. Doch jetzt erwägen die USA laut Finanzminister Steven Mnuchin "sehr ernsthaft" , Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 50 bis 100 Jahren herauszugeben. "Wenn die Bedingungen stimmen, gehe ich davon aus, dass wir die Vorteile der langfristigen Kreditaufnahme nutzen werden", sagte Mnuchin in einem Bloomberg-Interview. Für den 16 Billionen Dollar schweren Staatsanleihen-Markt wäre das eine Zäsur.

Das Konzept der Emission ultralanger Laufzeiten ist ungefähr 10 Jahre alt, gewinnt angesichts der steigenden Verschuldung der USA und des niedrigen Zinsumfeldes aber an Bedeutung. Die Trump-Regierung könnte mit diesen Anleihen die Belastung der Steuerzahler deutlich mindern, während das Haushaltsdefizit der USA schon im kommenden Jahr über eine Billion Dollar steigen wird.

Bonds, die in turbulenten Börsenzeiten als sicherer Hafen gelten, sind wieder verstärkt gefragt, was die Renditen der Papiere deutlich drückt: So sank in den USA die Verzinsung des 30-jährigen Bonds zeitweise auf 1,906 Prozent und war damit so niedrig wie nie zuvor. Sie liegt damit unter dem Leitzins der US-Notenbank (Fed). Die Rendite der zehnjährigen Papiere ist weiter unter die der zweijährigen Titel gefallen. Diese sogenannte inverse Zinskurve gilt als Vorbote einer Rezession.

Mnuchin betonte in dem Bloomberg-Interview allerdings, sein Interesse an den ultralangen Anleihen habe nichts mit dem Rückgang der Renditen für Kurzläufer am Bondmarkt zu tun.

Die Risiken extrem langlaufender Schuldtitel

Zu den Risiken einer ultralangen Anleihe zählt das Auf und Ab der Nachfrage im Verlauf eines Konjunkturzyklus. Bei steigendem Zinsniveau werden "alte" Anleihen mit einem vergleichsweise niedrigen Zinskupon unattraktiv. In Konjunkturabschwüngen allerdings, wenn die Notenbank die Zinsen wieder senkt, werden "alte" Papiere mit einem höheren Zinskupon attraktiver und steigen in der Regel im Kurs. Aus Anlegersicht lohnt sich der Kauf einer langlaufenden Anleihe mit festem Zinskupon dann, wenn das Zinsniveau langfristig weiter fällt. Für den Staat, der die Anleihe begibt, gilt die umgekehrte Rechnung.


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Wie Mnuchin in dem Interview außerdem sagte, denken die USA derzeit nicht über Interventionen an den Devisenmärkten nach. Dies könne sich in der Zukunft aber ändern. Er ergänzte, solche Eingriffe seien effektiver, wenn das Finanzministerium dabei gemeinsam mit der Notenbank (Fed) und US-Alliierten vorgehe.

US-Präsident Donald Trump hat den Dollar-Kurs im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen wiederholt als zu hoch und damit schädlich für die heimische Exportwirtschaft bezeichnet.

rei

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