Dienstag, 26. Mai 2020

Start der Dividendensaison Wie Dividendenjäger die Steuerfalle sprengen

Geld für Aktionäre: Die besten Dividendenwerte im Dax
Daimler

Es klingt so einfach. Zahlreiche Aktien bieten derzeit eine Dividendenrendite von 3 Prozent und mehr, während die Zinsen für Anleihen und Festgeld unter der Wahrnehmungsschwelle herumdümpeln. Was also liegt näher, als kurz vor der Hauptversammlung eines Unternehmens eine dividendenstarke Aktie zu kaufen, um meist schon einen Tag später eine schöne Ausschüttung abzugreifen? Wer zum Beispiel 100 Aktien von Siemens am Tag der Hauptversammlung (27.1) im Depot hielt, konnte sich bereits am 28.1. über eine Dividendenzahlung von 330 Euro freuen. Schnell verdientes Geld? Von wegen.

Wer als Dividendenjäger auf das schnelle Geld hofft, hat die Rechnung ohne die Börse gemacht - und tappt zusätzlich in die Steuerfalle. Der Grund: Am Tag der Ausschüttung wird eine Aktie "ex Dividende" gehandelt, die an den Aktionär gezahlte Dividende also vom Kurs der Aktie abgezogen. Das alles wäre für den eiligen Dividendenjäger noch ein verschmerzbares Nullsummenspiel - doch von der gezahlten Dividende zieht der deutsche Fiskus automatisch 25 Prozent Kapitalertragssteuer plus eventuell noch Kirchensteuer ab.

Im Rechenbeispiel bedeutet das: Ein Dividendenjäger kauft kurz vor der Siemens-HV 100 Siemens-Aktien zum Kurs von 100 Euro, weil er sich auf sein eingesetztes Kapital in Höhe von 10.000 Euro 3,3 Prozent Rendite erhofft - und zwar kurzfristig. In der Realität sind seine 100 Siemens-Aktien im Depot am Dividenden-Zahltag aber nicht mehr 10.000 Euro, sondern nur noch 9670 Euro wert - wegen des Dividendenabschlags (ohne Berücksichtigung von Kursschwankungen). Und auf die im Depot fehlenden 330 Euro, die ihm Siemens als Dividende überweist, zahlt der Anleger vorab mindestens 82 Euro Abgeltungsteuer - der Sparer erfreut den Fiskus, macht aber selbst ein Minusgeschäft.

Hinzu kommt: Nicht selten sind die Kursverluste einer Aktie am Tag der Dividendenzahlung noch größer als der Dividendenabschlag selbst - die Aktie von Siemens zum Beispiel gab am 28. Januar dieses Jahres mehr als 5 Prozent nach. Die aktuell auf eine Rekordsumme gestiegenen Dax-Dividenden sind für Anleger und Sparer zwar hoch attraktiv - aber sie sind eben kein "schnelles Geld".

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