Milliardenschweres Eigenkapital Steinhoff-Aktie deutlich unter Buchwert - Anleger lässt das kalt

Steinhoff in Niedersachsen: Die Aktie hat einen Buchwert von 58 Cent

Steinhoff in Niedersachsen: Die Aktie hat einen Buchwert von 58 Cent

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Steinhoff am Abgrund: Aufstieg und Fall des Möbel-Giganten aus dem Ammerland

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Die Aktie des Möbelkonzerns Steinhoff ist seit Bekanntwerden des Bilanzskandals Ende vergangenen Jahres nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das ganze Grauen des Skandals wurde am vergangenen Freitag deutlich. Die Berater von PWC hatten fast elf Milliarden Euro aus der Bilanz des Möbelriesen gestrichen, das Unternehmen mit deutschen Wurzeln musste nachträglich 10,9 Milliarden Euro abschreiben, der Konzern hatte bislang mit knapp 6 Milliarden Euro gerechnet.

Mit den milliardenschweren Bilanzkorrekturen trage man aufgeblähten Vermögenswerten und rückabgewickelten Transaktionen Rechnung, erklärte Steinhoff . Allein die Immobilien in Europa seien 1,25 Milliarden Euro weniger wert als ihr Wert in der Bilanz. Die Markenrechte waren ebenfalls 1,7 Milliarden zu hoch angesetzt in den Büchern. Weitere 7,3 Milliarden Euro schrieben die Prüfer unter anderem auf Gewinne von diversen Töchtern ab, auf zu positiv bewertete Vermögensposten und Verbindlichkeiten.

Die Negativschlagzeilen hinterließen auch im operativen Geschäft tiefe Spuren. In den sechs Monaten von Oktober 2017 bis März lief unter dem Strich ein Verlust von 599 Millionen Euro auf, ein Jahr zuvor waren es 362 Millionen. Die Abschreibungen wirken sich hier nicht aus, sie werden in das Geschäftsjahr 2016/17 gebucht. Operativ hat sich der Verlust auf 152 (44) Millionen Euro mehr als verdreifacht, teilte das Unternehmen mit.

Sind die Kursverluste übertrieben?

Steinhoff habe mit Lieferantenkrediten ebenso zu kämpfen wie mit dem Misstrauen der Kunden, die keine Anzahlungen für bestellte Möbel oder Küchen mehr leisten wollen, hieß es im Halbjahresbericht. Der Umsatz ging um 6 Prozent auf 9,35 Milliarden Euro zurück.

Was der Bericht der Wirtschaftsprüfer aber auch formulierte und die Börse am späten Freitagnachmittag nicht mehr antizipierte, ist das auf 2,4 Milliarden Euro taxierte Eigenkapital. Daraus würde sich ein Buchwert von 58 Cent je Aktie ergeben, berichtet das "Handelsblatt" .

Waren die Kursverluste in der Vergangenheit also übertrieben? Nun teilen auch andere Unternehmen wie etwa die Deutsche Bank das Schicksal, dass ihre Aktie unter Buchwert notiert - im Fall des deutschen Branchenprimus waren es zuletzt etwa 40 Prozent, was man als großes Misstrauensvotum der Anleger interpretieren darf.

Bei Steinhoff allerdings liegt die Aktie mit 8,5 Cent immer noch meilenweit von den taxierten 58 Cent entfernt. Auch wenn das ein Kursplus von 18 Prozent abbildete, rechnen die meisten Anleger offenbar mit einer Pleite bei Steinhoff.

rei mit Reuters
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