Kaum Dollar im Dollar-Coin Tether Die schmale Fluchttür aus der Bitcoin-Falle

Der Bitcoin-Boom wird maßgeblich vom Geldfluss über den sogenannten Stablecoin Tether angetrieben. Doch dessen Dollar-Deckung steht in Zweifel, warnt nicht nur Fed-Gouverneurin Brainard. Der Kryptomarkt steht vor dem Test: Was passiert, wenn das Vertrauen schwindet?
Warnt vor dem Bank Run: Fed-Gouverneurin Lael Brainard

Warnt vor dem Bank Run: Fed-Gouverneurin Lael Brainard

Foto: Yuri Gripas / REUTERS

Die meistgehandelte Kryptowährung der Welt? "Das sind 60 Milliarden Dollar Falschgeld", sagt die US-Kryptobloggerin  Amy Castor gegenüber manager magazin. Die Rede ist von Tether (Kürzel USDT), einem sogenannten Stablecoin, der einen festen Wert von 1:1 zum US-Dollar verspricht und in Bitcoin oder andere Kryptowährungen getauscht werden kann. Wenn deren Kurse allzu stark schwanken, kann man sein Kryptogeld kurz in Tether parken und so vor Wertverlust schützen. Außerdem bietet es einen bequemen Weg, echtes Geld in die Kryptowelt zu schieben und auch wieder hinauszubekommen.

Das wird so ausgiebig genutzt, dass die Mehrheit des Bitcoin-Handels  inzwischen über Tether läuft, rund viermal so viel wie in echten Dollars. Die digitale Notenpresse rattert immer schneller: Die Geldmenge von "USDT" hat sich binnen zwölf Monaten fast versiebenfacht.

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Die Geldhüter zeigen sich alarmiert. Lael Brainard (59), für Finanzstabilität zuständige Gouverneurin der Federal Reserve, warnte  während einer Konferenz der Krypto-Meinungsnachrichtenseite Coindesk am vergangenen Montag vor einem "Risiko von Bank-Run-ähnlichem Verhalten", falls sich solche Stablecoins in der Gesellschaft etablieren sollten. Schon aus Gründen des Verbraucherschutzes müsse ein eigener digitaler Dollar der Fed als Antwort auf Tether und ähnliche Angebote her.

Bank Run. Das würde bedeuten, dass viele auf einmal ihr Geld sehen wollen. Wie bei einer Bank, die immer nur einen Teil des ihr anvertrauten Guthabens tatsächlich aufbewahrt, kann es am Ausgang eng werden, weil eben nicht alle auf einmal ausgezahlt werden können – dann drohen Panikverkäufe mit Kursverfall, durch den das Geld erst recht verloren geht. Regulierte Banken sind dagegen durch Einlagensicherung und staatliche Kontrollen geschützt. Das Vertrauen in Tether hingegen gründet nur auf das Versprechen, dahinter stünden Dollars und damit die Autorität der Federal Reserve.

Echte Kryptofans könnten solche Mahnungen kaltlassen. Die Kryptobloggerin Castor ist bekennende "Nocoinerin", Fed-Gouverneurin Brainard eine Vertreterin der feindlichen Staatsmacht. Doch auch Bitcoin-Millionäre zeigen sich nervös. Der Börsenfernsehstar Jim Cramer (66) findet Tether nun "zu groß zum Ignorieren". Er fleht seinen Bitcoin-Guru Anthony Pompliano (32) inzwischen an, er möge versichern, dass alles in Ordnung sei. Schließlich hatte "Pomp" mit seinen TV-Auftritten Cramer und dessen Multimillionenpublikum dazu gebracht, auch groß in Bitcoin zu investieren.

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Kryptomilliardär Mike Novogratz (56), einer der großen Marktmacher, nannte Tether im mm-Interview  "das Öl, das die Maschine schmiert und all dieses Geld bewegt". Doch die Glaubwürdigkeit von Tether steht und fällt damit, dass hinter jedem Tether tatsächlich ein realer US-Dollar steht. Falls sich die (damals, zu Jahresbeginn) 28 Milliarden Dollar gar nicht auf den Tether-Bankkonten befänden, "würden viele Menschen Geld verlieren", warnt Novogratz.

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