Mittwoch, 13. November 2019

Kniff im Aktienhandel Das Gesetz, das Anleger schon um 600 Millionen Euro reicher machte

600 Millionen Euro für Anleger: Wunderwaffe Spruchverfahren
DPA

2. Teil: Wie Anleger zu mehr als 600 Millionen Euro zusätzlich kamen

Dank dem VzfK oder anderen Anlegerschutzvereinen wird in der Praxis inzwischen beinahe bei jedem Squeeze-out quasi reflexhaft ein solches Spruchverfahren beantragt und durchgeführt - und zwar mit Erfolg: Knapp 400 Squeeze-out-Beschlüssen folgten nach Recherchen Weimanns von 2002 bis 2013 derartige Spruchverfahren. Insgesamt erhöhten die Gerichte dabei die zu zahlenden Abfindungen an die Aktionäre um nicht weniger als 608,6 Millionen Euro, hat der Jurist errechnet.

Nach Auffassung Weimanns dokumentiert diese Zahl die große Bedeutung des Spruchverfahrens im deutschen Gesellschaftsrecht. Es sei durchaus nachvollziehbar, dass der Firmenkäufer zunächst einen vergleichsweise geringen Unternehmenswert ansetze, auf dessen Grundlage die Abfindung berechnet werde, sagt er. Wer zahlt schon gerne freiwillig mehr Geld als unbedingt nötig?

Auf der anderen Seite betont Weimann aber den Anspruch der Aktionäre auf eine Abfindung, die dem tatsächlichen Wert ihrer Papiere entspricht. Und die liegt, wie die zahlreichen Urteile belegen, häufig deutlich über dem, was der Käufer zunächst bietet. Laut Weimann handelt es sich dabei um Geld, das den Anlegern andernfalls zum Beispiel in ihrer Altersvorsorge fehlen könnte.

Dabei hat das Gesetz zum Spruchverfahren noch einige Vorzüge: Lediglich ein Aktionär muss das Verfahren beantragen und durchziehen. Vom Richterspruch profitieren jedoch letztlich alle, die auch vom Squeeze-out betroffen sind.

Und: Zwar ziehen sich die Spruchverfahren in der Regel recht lange hin. Laut Weimanns Studie beträgt allein die Dauer des Verfahrens in der ersten Instanz im Durchschnitt mehr als drei Jahre und zehn Monate. Die Aktionäre brauchen sich während der Zeit jedoch nicht zu sorgen. De facto haben sie gar kein Geld mehr in der Anlage gebunden - und erhalten nach Abschluss des Spruchverfahrens auf die vom Gericht festgelegte Barabfindung einen Zins von 5 Prozent über dem Basiszins pro Jahr.

Mehr als 600 Millionen zusätzlich für Anleger: Wunderwaffe Spruchverfahren

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