Musikstreaming Spotify-Aktie stürzt nach enttäuschender Prognose ab

Der Marktführer im Musikstreaming bekommt inmitten der Kontroverse um falsche Informationen auf der Podcast-Plattform nun auch Probleme mit den Nutzerzahlen. Die Aktie fällt zeitweise um 22 Prozent.
183 Millionen zahlende Abo-Kunden: Trotz großer Verbreitung erfüllt Spotify die Erwartungen derzeit nicht

183 Millionen zahlende Abo-Kunden: Trotz großer Verbreitung erfüllt Spotify die Erwartungen derzeit nicht

Foto: DADO RUVIC/ REUTERS

Mit einer Prognose zu seinen Nutzerzahlen hat Spotify die Anleger enttäuscht und die Aktie tief ins Minus geschickt. Im laufenden Quartal dürfte die Zahl der zahlenden Nutzer bei 183 Millionen liegen, teilte das schwedische Unternehmen nach US-Börsenschluss mit. Analysten hatten jedoch mit 184 Millionen gerechnet. Die in New York notierten Spotify-Aktien brachen im nachbörslichen Handel zunächst bis zu 22 Prozent ein, konnten die Verluste später aber etwas eingrenzen.

Spotify-Finanzchef Paul Vogel versuchte die Wogen zu glätten. "Wir haben zwar keine Jahresprognose zu den Abonnenten mehr abgegeben, aber wir erwarten keinen wesentlichen Unterschied bei den Netto-Neuzugängen von Nutzern oder Abonnenten im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021", sagte er. Spotify verwies zudem auf die starke Entwicklung im vergangenen Quartal, mit der ein Teil der erwarteten Zuwächse früher eingetreten sei.

Zuletzt stand der Streamingdienst in den Negativschlagzeilen, nachdem Musiker wie Neil Young (76) und Joni Mitchell (78) aus Protest ihre Songs dort entfernen ließen. Sie werfen Spotify vor, in Podcasts Falschinformationen über das Coronavirus zu tolerieren und damit Menschenleben zu gefährden. Dabei verweisen sie vor allem auf den populären Talk-Podcast von Joe Rogan (54), der nach einem Exklusiv-Deal nur noch bei Spotify zu hören ist. Das Unternehmen lockte Rogan Medienberichten zufolge mit 100 Millionen Dollar an.

Umsatz um 24 Prozent gesteigert

Nach der Kritik will Spotify Beiträge zu Covid-19 nun mit einem Hinweis versehen, der zu wissenschaftlich fundierten Informationen aus verlässlichen Quellen führt. Keine andere Podcast-Plattform gehe so weit, betonte Gründer und Chef Daniel Ek (38) in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Es sei noch zu früh, mögliche Auswirkungen der Kontroverse und des Künstlerboykotts auf das Spotify-Geschäft einzuschätzen, sagte Ek. Er habe aber ein gutes Gefühl angesichts der ergriffenen Maßnahmen. Spotify wolle eine Balance zwischen der Redefreiheit der Podcaster und der Sicherheit der Nutzer finden.

Ek sieht für Spotify das Potenzial, langfristig die Marke von einer Milliarde Nutzer zu erreichen. Im vergangenen Vierteljahr stieg die Zahl der Abo-Kunden bei Spotify binnen drei Monaten von 172 auf 180 Millionen. Die Nutzerzahl insgesamt wuchs von 381 auf 406 Millionen.

Der Umsatz sprang im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 24 Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Euro hoch. Neben Abo-Erlösen trug Werbung verstärkt dazu bei – auch dank des Podcast-Geschäfts, das Ek über Jahre mit hohen Investitionen ausgebaut hatte. Unter dem Strich sank der Quartalsverlust auf 39 Millionen Euro von 125 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

hr/DPA, Reuters
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