Donnerstag, 18. Juli 2019

Finanzpsychologie Mit diesem simplen Trick steigern Sie Ihre Ersparnisse ohne Aufwand

Reine Kopfsache: Wichtiger als Finanznachrichten oder Expertenmeinungen ist für den Investmenterfolg oft die Psychologie

Sorgen Sie finanziell ausreichend für das Alter vor? Tun Sie genug dafür, dass Ihre materiellen Wünsche später in Erfüllung gehen?

Viele Menschen halten regelmäßiges Sparen - sei es an der Börse, auf dem Bankkonto oder anderswo - zwar für sinnvoll. Sie haben jedoch Schwierigkeiten damit, dieser Erkenntnis auch im erforderlichen Maße Taten folgen zu lassen. Sprich: Die Leute wollen zwar sparen - sie tun es aber nicht.

Ein Grund dafür können mangelnde finanzielle Spielräume sein. Häufig spielt aber auch die Psychologie eine Rolle. Dann heißt es beispielsweise: Eine verlockende Reise oder ein unwiderstehlicher Einkauf schlagen so sehr ins Kontor, dass für die Rücklage - zumindest in dem Moment - nichts mehr übrig bleibt.

Und wozu überhaupt jetzt schon sparen? Schließlich ist die Zukunft weit entfernt. Da bleibt noch genug Zeit, um später damit anzufangen. Diese Gedankengänge dürften weitverbreitet sein. Und sie sind in Bezug auf den Sparerfolg fatal. Psychologen kennen das: Starke Impulse im Hier und Jetzt auf der einen Seite und geringe Disziplin in Bezug auf spätere Jahre auf der anderen - diese Kombination ist Gift für den Kontostand.

Zwei Lösungswege

Die gute Nachricht lautet jedoch: Es gibt Möglichkeiten, das Problem in den Griff zu bekommen.

Nummer eins: Wer regelmäßig durch seinen sprunghaften Geist am Sparen gehindert wird, sollte diesen Geist beim Thema Altersvorsorge und Vermögensbildung einfach aus dem Spiel nehmen. So lässt sich sicherstellen, dass das Geld auch tatsächlich auf dem Sparkonto landet oder beispielsweise im ausgewählten Aktienfonds - und dass es nicht immer wieder für vermeintlich wichtigere oder attraktivere Dinge ausgegeben wird.

Der einfachste Weg dahin dürfte der regelmäßige Sparplan sein. Dabei muss die Sparentscheidung lediglich bei der Einrichtung des Plans getroffen werden und nicht jeden Monat aufs Neue. Die Sparrate fließt dann Monat für Monat automatisch in die richtige Richtung, ohne dass noch jemand eingreifen müsste.

Wichtig erscheint aber auch die Frage nach dem optimalen Einstiegszeitpunkt für das Sparen. Sei es der eigene Ruhestand oder die Volljährigkeit des Kindes - vieles, für das womöglich vorgesorgt werden sollte, liegt oft noch viele Jahre entfernt. Da hat manch einer Probleme, schon jetzt mit dem Sparen zu beginnen. Was folgt, ist die "Aufschieberitis", die eines der größten Probleme bei der privaten Vermögensbildung darstellen dürfte.

In Tagen denken hilft

Wie fatal eine Verzögerung des Sparbeginns tatsächlich sein kann, zeigt zudem die Finanzmathematik: Insbesondere wegen des Zinseszinseffektes kann sich jeder Monat, den ein Anleger früher mit dem Sparen beginnt, überproportional stark auswirken.

Was also tun?

Es hilft - und das ist Lösung Nummer zwei - eine Methode, deren Wirksamkeit US-Forscher jetzt empirisch nachgewiesen haben. Anders als beim Einrichten eines Sparplans geht es dabei nicht darum, die störenden Einflüsse spontaner Gedanken außen vor zu lassen. Die Idee ist vielmehr, dass die eigentlich noch vermeintlich weit entfernt liegende Zukunft in der Gegenwart präsenter erscheinen muss, damit Betroffene auch entsprechend handeln.

Das gelingt mit einem simplen Trick: In einer Studie wurden Hunderte Probanden gefragt, wann sie mit dem Sparen für die Hochschulausbildung eines neugeborenen Kindes beginnen würden. Einigen der Teilnehmer sagten die Forscher, die Hochschulzeit beginne in 18 Jahren. Den anderen wurde mitgeteilt, bis zum Beginn der Ausbildung wären es noch 6570 Tage.

Das vielleicht überraschende Ergebnis: Obwohl es sich bei 18 Jahren einerseits und 6570 Tagen andererseits um ein und denselben Zeitraum handelt, hätten jene Testpersonen, die in Tagen denken mussten, viermal so früh mit dem Sparen angefangen wie die anderen.

Wie auch das US-Magazin "Money" berichtet, kamen die Forscher zum gleichen Ergebnis, als sie nach erforderlichen Rücklagen für den Ruhestand fragten. Die Wissenschaftler ziehen daher einen klaren Schluss: Das Denken in Tagen anstatt in Jahren lässt die Zukunft präsenter erscheinen. Wer sich Zeiträume in Tagen gerechnet vor Augen führt, fühlt sich daher stärker veranlasst, sein Handeln schon jetzt auf Ereignisse auszurichten, die in der Zukunft zu erwarten sind.

Es handelt sich also um einen eigentlich einfachen gedanklichen Trick. Die finanziellen Auswirkungen können aber - auch dank des Zinseszinseffektes - enorm sein.

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