Wall-Street-Banken im Visier Spac-Boom ruft US-Börsenaufsicht auf den Plan

Spac-Deals im Volumen von 170 Milliarden Dollar wurden seit Jahresbeginn eingefädelt. Jetzt nimmt die US-Börsenaufsicht die Macher dieser Blankoscheck-Firmen ins Visier, die andere Unternehmen kaum reguliert an die Börse bringen. Gegen Spacs laufen bereits diverse Klagen.
Wall Street im Goldrausch: Spacs sind der größte Hype im New Yorker Finanzdistrikt in den letzten Jahren

Wall Street im Goldrausch: Spacs sind der größte Hype im New Yorker Finanzdistrikt in den letzten Jahren

Foto: A2800 epa Justin Lane/ dpa

Die US-Finanzaufsicht SEC nimmt nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters  das boomende Geschäft mit Börsengängen über sogenannte Spacs (Special Purpose Acquisition Companies) unter die Lupe. Dazu sammele sie Informationen zu Gebühren, Transaktionsvolumina und Risiko-Kontrollen, sagten vier Insider der Nachrichtenagentur am Donnerstag.

Es handele sich nicht um formelle Untersuchungen. Den in erster Linie angeschriebenen Wall Street-Banken stehe es frei, auf den Fragekatalog zu antworten. Die Briefe der Vollstreckungsabteilung seien allerdings ein starkes Zeichen dafür, dass die SEC die Kontrolle über solche Geschäfte und die Banken, die sie zeichnen, verstärkt. Die Behörde wollte sich nicht zu diesem Thema äußern.

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Spacs sind Mantelgesellschaften ohne eigenes Geschäft, die über eine Börsennotierung Geld eintreiben, um ein privates Unternehmen zu erwerben und es nach der Verschmelzung an die Börse zu bringen. Anleger kennen das Übernahmeziel in der Regel nicht und investieren insofern in eine Blackbox. Für die Unternehmen bietet die Verschmelzung mit einem Spac den Vorteil, dass sie eine Reihe von Transparenzvorschriften und Regularien umgehen können, die sie bei einem herkömmlichen Börsengang erfüllen müssten. Hinter Spacs stehen oft bekannte Manager, Banker oder Investoren.

Mittlerweile acht Klagen gegen Spac-Betreiber in USA

Spacs sind der größte Hype an der Wall Street der vergangenen Jahre und haben seit Jahresbeginn weltweit einen Rekordwert von 170 Milliarden Dollar eingespielt gegenüber 157 Milliarden Dollar im gesamten Vorjahr. Unlängst warnte die SEC davor, Spac-Anteile nur aufgrund einer Empfehlung prominenter Förderer zu zeichnen. Außerdem kündigte sie an, die Pflichtmitteilungen von Spacs und andere, damit verbundene "strukturelle" Themen genau zu untersuchen.

Der Universität Stanford zufolge wurden seit Jahresbeginn acht Klagen im Zusammenhang mit Spac-Deals eingereicht. Dabei werfen die Kläger den Blankoscheck-Firmen und ihren Förderern, die bei erfolgreichen Zusammenschlüssen üppige Honorare einstreichen, unter anderem vor, Schwächen der Übernahmeziele verheimlicht zu haben. Eine weitere potenzielle Sorge ist das erhöhte Risiko von Insiderhandel zwischen dem Zeitpunkt des Börsengangs eines Spac und der Bekanntgabe des Übernahmeziels, erklärten die Insider weiter.

Die SEC nimmt aktuell auch einige Unternehmen unter die Lupe, die über Spac-Deals an die Börse gegangen sind, darunter die Elektrofahrzeughersteller Lordstown Motors und Nikola. Lordtown Motors war mit dem Spac DiamondPeak Holdings verschmolzen und wird einem weiteren Reuters-Bericht  zufolge von der Investmentfirma Hindenburg Research beschuldigt, mit fingierten Aufträgen Investoren getäuscht zu haben.

rei/Reuters
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