Die Lehren aus dem Sonntagshandel im Nahen Osten Leise Chancen für europäische Rohstoffwerte

Auch sonntags wird - insbesondere im Nahen Osten - gehandelt. Der Vermögensverwalter Markus Schön, Geschäftsführer der DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH, bewertet exklusiv für manager-Magazin.de die Marktentwicklung, die vielfach Trends für die Rohstoff- und Währungsmärkte setzt.
Von Markus Schön
Arbeiter auf Ölfeld von Saudi Aramco.

Arbeiter auf Ölfeld von Saudi Aramco.

Foto: © Ali Jarekji / Reuters/ REUTERS

An den Aktienmärkten im Nahen Osten dominierten im Sonntagshandel die negativen Vorzeichen. Die Schwäche der Energierohstoffe setzte den Aktien insbesondere in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate zu. Die entsprechenden Leitindizes verloren jeweils knapp 1,6 Prozent im Tagesverlauf.

Allerdings gibt es mit Blick auf die Einzelwerte Anlass zur Hoffnung auf einen positiven Wochenbeginn an den asiatischen Märkten - insbesondere in China - und in Europa. Zu den stärksten Werten an den Börsen im Nahen Osten zählten zyklische Werte aus der Schifffahrtsbranche und Minenbetreiber sowie Elektrotechnikunternehmen. Dies bestätigt unsere Einschätzung, dass sich immer mehr Unternehmen auf das weiterhin niedrige Rohstoffpreisumfeld eingestellt haben. Die Sorgen einer davon ausgelösten Rezession weltweit erscheinen übertrieben. Entsprechend positiv könnte der Handelsauftakt für zyklische Werte wie den Rohstoffhändler Glencore oder den weltgrößten Chemiekonzern BASF ausfallen. Dort hat der in Teilen im Wettbewerb stehende arabische Agrarrohstoffkonzern Nadec ein Tagesplus von 2,5 Prozent zu verzeichnen gehabt.

Neben den zyklischen Werten wird der Chemie- und Pharmasektor ebenfalls von den Entwicklungen an den Aktienmärkten im Nahen Osten gestützt. Die Gewinnerliste des israelischen Tel-Aviv-25-Index wird ausschließlich von Unternehmen aus diesem Sektor angeführt, die in der Spitze über 3,5 Prozent hinzugewinnen können.

Besonders auffällig ist nahezu im gesamten Nahen Osten- ähnlich wie in Europa - die Schwäche der Kreditinstitute. In allen Märkten, in denen am Sonntag gehandelt wurde, gehören diese Werte zu den größten Verlierern. Dies ist vor allem auf die rückläufigen Erträge im Investment Banking und Asset Management zurückzuführen. Schließlich sind die meisten arabischen Staatsfonds weiterhin in einer Phase, in der Vermögenssubstanz verzehrt wird und keine neuen Anlagen erfolgen. Deswegen wird der Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco nicht nur von den internationalen Kreditinstituten herbeigesehnt. Schon allein das im Heimatmarkt zu platzierende Volumen wird die Ertragschancen saudischer Kreditinstitute deutlich verbessern.

Da die Neuemission aber erst 2018 vollständig abgeschlossen sein soll, war dies für die Finanzinstitute keine gute Nachricht. Dies wird auch auf die etablierten Investmentbanken in den USA und Europa durchschlagen, weshalb der Handelsauftakt für die Deutsche Bank verhalten ausfallen dürfte.

Diese ohnehin schon negative Stimmung wird den gesamten Sektor belasten. Weniger bedeutsam ist hingegen das global weiter leicht rückläufige Zinsniveau, da hier vor allem arabische Kreditinstitute anders positioniert sind. Aber auch dort hilft es nicht. Dennoch überrascht es mit Blick auf die globale Unsicherheit, wenn beispielsweise libanesische Staatsanleihen auf US-Dollar lautend fast einen neuen Jahreshöchststand erreicht haben. Die Rendite dort ist mit 6,7 Prozent per anno 300 Basispunkte unter dem Niveau Russlands, was weder Bonität noch Risiko angemessen ist. Da Liquidität aber gerade bei Zinspapieren kein knappes Gut ist, werden in den nächsten Tagen vermutlich mittlere und schwächere Unternehmensanleihen im Kurs weiter steigen, weil sie - ähnlich wie selektiv Staatsanleihen aus dem arabischen Raum - noch Zinsen bieten, während die Schweiz oder Japan auch schon im 10-Jahresbereich Geld von Anlegern für die Kreditaufnahme erhalten.

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