Milliarden-Derivate-Wetten auf US-Techaktien SoftBank als "Wal der Nasdaq" enttarnt

SoftBank bleibt seiner Rolle als Treiber der Techblase treu. Mit milliardenschweren Derivate-Wetten hat der japanische Konzern die Kursrally von US-Aktien wie Amazon und Tesla befeuert - dabei aber den eigenen Aktienkurs lädiert.
Firmenmesse von Softbank in Tokio

Firmenmesse von Softbank in Tokio

Foto: Issei Kato / REUTERS

SoftBank hat am Montag den größten Rückschlag an der Börse seit dem Corona-Crash erlitten. In Tokio verlor die Aktie  7,15 Prozent auf 5881 Yen (46,80 Euro). Am Sonntag hatte die "Financial Times" SoftBank als den "Wal der Nasdaq" enthüllt , der mit gewaltigem Einsatz auf steigende Kurse von US-Techaktien wette - und diese selbst treibe. Auch das "Wall Street Journal" berichtete  über massive Positionen an Derivaten.

Nach dem Kurseinbruch an der Nasdaq Ende vergangener Woche wächst die Sorge, dass Investoren nach der Rekordjagd von Silicon-Valley-Werten eine Korrektur mit hohen Verlusten droht - und SoftBank wäre als eine Art Hedgefonds besonders gefährdet. Als "Wal" gilt im Börsenslang ein einzelner Investor, der im Verborgenen riesige Positionen aufbaut und damit den Markt bewegt, ohne sich zu offenbaren. In der jüngsten Nasdaq-Rallye wurde vermehrt ein solcher Wal am Wirken gesehen, weil die Börsenkurse zeitgleich mit der im Volatilitätsindex Vix gemessenen Risikofurcht stiegen - und zugleich ein ungewöhnlicher Anstieg an Kaufoptionen auf einzelne Aktien verzeichnet wurde.

Offiziell gemeldet wurde Anfang September, dass SoftBank seit dem Frühjahr etwa vier Milliarden Dollar in Aktien beispielsweise von Amazon, Microsoft, Netflix oder Tesla gesteckt hat. Darüber hinaus haben die Japaner sich laut "Financial Times" mit Call-Optionen in einem Wert von 30 Milliarden Dollar eingedeckt. Diese Derivate geben dem Halter das Recht, Aktien zu einem festgelegten Preis an einem späteren Zeitpunkt zu kaufen.

Wenn eine solche Wette groß genug im Verhältnis zum Markt ist, kann sie selbst dazu beitragen, dass sie aufgeht. In SoftBanks Fall wäre das möglich, weil für einzelne Aktien - selbst Schwergewichte wie Amazon - der Markt kleiner ist als für breite Börsenindizes. Durch SoftBanks Interesse steigen die Kurse, weitere Investoren springen darauf an. Andere werden zum Kauf durch die steigenden Kurse gezwungen. Dazu zählen beispielsweise die Banken, mit denen die Optionsverträge abgeschlossen wurde, oder Shortseller, die auf fallende Kurse gewettet hatten und ihre schief gelaufenen Wetten ablösen müssen.

Eine aggressive Wette jagt die nächste

Allerdings ist diese Strategie hochriskant - und laut "Financial Times" auch SoftBank-intern umstritten. Der Konzern ist gerade erst dabei, die Schäden seiner bisherigen aggressiven Techwetten unter der Regie von Ex-Deutschbankern wie Rajeev Misra (58) aufzuräumen. Nachdem mehrere Investments mit externem Wagniskapital in Start-ups floppten , wurde im Frühjahr ein Strategiewechsel verkündet. SoftBank versprach sich von Beteiligungen in Höhe von mehr als 40 Milliarden Dollar zu trennen.

Einen Teil des Geldes investierte SoftBank jedoch offenbar umgehend wieder in die nächste aggressive Techwette. Auch privates Vermögen von SoftBank-Chef Masayoshi Son (63) soll in einen für die Derivategeschäfte eingerichteten Fonds geflossen sein. Bislang ging laut "Financial Times" alles gut. SoftBank könne nach heutigem Stand Gewinne von vier Milliarden Dollar aus seinen Wal-Trades verbuchen. Um diese zu realisieren, müsste SoftBank die Aktien jedoch verkaufen.

ak