Samstag, 20. Juli 2019

Bürochat-App mit roten Zahlen Slack will per Direktplatzierung an die Börse

Will an die Börse: Bürochat-App Slack

Mit der Bürochat-App Slack strebt die nächste Tech-Firma an die Börse. Dabei wird bekannt, dass Slack rote Zahlen schreibt und das Geschäft stark von einigen hundert großen Kunden abhängt.

Der Bürokommunikations-Dienst Slack macht sich auf den Weg an die Börse. Wie zuvor schon der Musikdienst Spotify will Slack dabei Gebühren der Investmentbanken umgehen und seine Aktien direkt an der New Yorker Börse platzieren.

Bei der vergangenen Finanzierungsrunde im August 2018 wurde Slack laut Medienberichten mit gut sieben Milliarden Dollar bewertet. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg sollte die Bewertung bei einem Börsengang über dieser Marke liegen.

Slack steigerte den Umsatz im Ende Januar abgeschlossenen vergangenen Geschäftsjahr um 82 Prozent auf gut 400 Millionen Dollar, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Börsenprospekt hervorgeht. Dabei schrieb Slack einen Verlust von knapp 139 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor hatte es bereits rote Zahlen von 140 Millionen Dollar gegeben.

Slack wurde nach jüngsten Angaben täglich von mehr als zehn Millionen Mitarbeitern verschiedener Firmen benutzt. Mehr als 85.000 Unternehmen sind zahlende Kunden - allerdings begnügen sich mehr als 500.000 Firmen mit der kostenlosen Version von Slack. Die 575 zahlenden Kunden mit mehr als 100.000 Dollar Jahresumsatz bringen rund 40 Prozent der Gesamterlöse ein.

Unter anderem Microsoft, Google und Facebook bieten konkurrierende Dienste an. Slack gibt entsprechend für Geld für Marketing aus - im vergangenen Geschäftsjahr waren es gut 233 Millionen.

Wie bei vielen anderen Tech-Unternehmen soll es zwei Arten von Anteilscheinen geben, die ein unterschiedliches Mitspracherecht beim Unternehmen vorsehen. Die A-Aktien sollen über jeweils eine Stimme verfügen, die B-Aktien über zehn Stimmen.

Seit dem Start 2013 hat sich Slack laut Medienberichten rund eine Milliarde Dollar bei Investoren besorgt. Mehrere Start-up-Finanzierer sind die größten Slack-Anteilseigner. Die Firma Accel kommt auf einen Anteil von 24 Prozent, Andreessen Horowitz auf 13,3 Prozent und Social Capital auf 10,2 Prozent. Beim japanischen Konzern Softbank, dem im großen Stil in Tech-Unternehmen investiert, liegen 7,3 Prozent. Der 45-jährige Mitgründer und Chef Stewart Butterfield hält einen Anteil von 8,6 Prozent an Slack. Sie alle haben B-Aktien mit mehr Stimmrechten.

Die direkte Platzierung an der Börse ermöglicht es den Altaktionären, ihre Aktien sofort zu verkaufen. Für sie gilt dabei keine Haltefrist. Außerdem werden ihre Anteile nicht dadurch verwässert, dass Slack neue Aktien an der Börse ausgibt. Eine Direktplatzierung gilt als riskanter, da Banken nicht als Zwischenhändler oder Kursstabilisator auftreten. Andererseits spart das Gebühren.

dpa/mh

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung