Dienstag, 23. April 2019

"Angebot zu niedrig" Kurssprung bei Scout24-Aktie - Bieterwettkampf bahnt sich an

Verschiedene Internetseiten des Online-Marktplatzbetreibers Scout24: 4,7 Milliarden Euro schwere Offerte von Hellman & Friedman und Blackstone abgelehnt

Spekulationen auf einen Bieterwettkampf haben die Aktien von Scout24 am Montag in die Höhe getrieben. Die im Nebenwerteindex MDax Börsen-Chart zeigen notierten Titel stiegen um bis zu 6,9 Prozent auf ein Viereinhalb-Monats-Hoch von 42,90 Euro. Sie legten zuletzt noch um mehr als 3 Prozent auf 41,44 Euro zu.

Am Freitagabend hatte der Anbieter von Kleinanzeigen im Internet eine 4,7 Milliarden Euro schwere Kaufofferte der Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone öffentlich gemacht. Allerdings habe der Vorstand den vorgeschlagenen Preis von 43,50 Euro als unangemessen zurückgewiesen, hieß es in einer Mitteilung von Scout24.

"Scout24 hat mit der Ablehnung der Offerte alles richtig gemacht", erklärte Analyst Ian Whittaker vom Brokerhaus Liberum. Die Bewertung für den Konzern sei im Vergleich zu ähnlichen Übernahmeangeboten für Konkurrenten zu niedrig angesetzt. Möglicherweise könnten nun andere Bieter auf den Plan gerufen werden, darunter auch strategische Investoren wie Axel Springer oder der südafrikanische Medienkonzern Naspers. Die Experten des Bankhaus Lampe spekulierten darauf, dass die Finanzinvestoren erwägten, Scout24 mit Konkurrenten zu fusionieren und einen europaweiten Marktführer für Internet-Kleinanzeigen zu schmieden.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Montagausgabe) berichtete zudem unter Berufung auf Finanzkreise, dass Scout24 seinerseits eine strukturierte Käufersuche eingeleitet habe, mit der die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen befasst sei. Wenngleich es bereits im Dezember Gerüchte über ein Interesse von Finanzinvestoren gegeben habe, liefere die aktuelle Nachricht den Papieren nun frischen Schwung, erklärte ein Händler. Seit dem Aufkommen der Spekulationen im Dezember haben die Scout-Aktien nun rund 16 Prozent hinzugewonnen.

Hellman & Friedman selbst hatte das Unternehmen erst vor drei Jahren für 30 Euro je Aktie an die Börse gebracht. Inzwischen sind die Papiere fast komplett im Streubesitz. Im Juli hatten sie ihr Rekordhoch von 48,62 Euro erreicht, waren jüngst aber wieder unter 40 Euro abgesackt.

mg/rtr, dpa-afx

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