In der Ruhe liegt die Kraft Was Anleger aus einem Börsencrash lernen können

Wiederholt sich Geschichte? Über die Antwort auf diese Frage lässt sich trefflich streiten. Das gilt erst recht mit Blick auf die Börse. Zu welcher Antwort Sie persönlich auch neigen, aus einem Börsencrash lässt sich durchaus eine Lektion für die Zukunft ableiten, ist unser Autor überzeugt.
Schwarzer Montag: Am 19. Oktober 1987 erlebt die Wall Street ihren bislang schwärzesten Tag, die Kurse an der Aktienbörse in Frankfurt (Archivbild) stürzten ebenfalls

Schwarzer Montag: Am 19. Oktober 1987 erlebt die Wall Street ihren bislang schwärzesten Tag, die Kurse an der Aktienbörse in Frankfurt (Archivbild) stürzten ebenfalls

Foto: Roland Witschel/ picture alliance / dpa
Zur Person

Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Kontrolle der BaFin.

Am Montag, den 19. Oktober 1987, demnächst also vor genau 30 Jahren, stürzte der Dow-Jones-Index  gleich mit Eröffnung des Handels um 22 Prozent. Die Kursverluste setzten sich in den Folgetagen mit verminderter Intensität fort und erreichten erst Anfang November einen Boden. Von da an gab es dann eine zögerliche Erholung zum Jahresende 1987.

Was war geschehen? Die Konjunktur in den USA lief ordentlich, und so waren die Zinsen für 10-jährige US-Staatsanleihen auf mehr als 10 Prozent gestiegen. Als Folge des starken Wirtschaftaufschwungs der Reagan-Ära war der Dollar bis ins Jahr 1985 gegenüber der D-Mark und allen anderen wichtigen Währungen kräftig angestiegen. Seit 1985 fiel der Dollar tendenziell wieder.

Die Kombination aus einem fallenden Dollar, steigenden Zinsen und gleichzeitig einem über Erwarten hohen Handelsdefizit von 15,7 Milliarden hatte bereits seit dem vorhergehenden Mittwoch zu starken Verkäufen am Aktienmarkt geführt. Zusätzlich hatte noch ein schwerer Sturm in Europa in der Nacht von Sonntag auf Montag im asiatischen Handel europäische Versicherungsaktien unter Druck gebracht.

Dieses explosive Gemisch veranlasste gleich am Montagmorgen Anleger dazu, unlimitierte Verkaufsorders zu geben. Die damals neu erfundene "Portfolio-Versicherung" führte dann dazu, dass nach dem ersten Verkaufssignal viele Computer sich gegenseitig weitere ebenfalls unlimitierte Verkaufssignale sandten und eine Verkaufslawine in Gang kam. Diese stoppte dann erst am Abend des Tages bei minus 22 Prozent.

Auf Jahressicht notierte der Dow Jones 1987 im Plus

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Der Schrecken war groß. Damit so etwas nicht wieder geschehen sollte, wurden daraufhin "circuit breakers" eingebaut, die bei einem Tagesverlust von 5 Prozent automatisch den Handel aussetzen.

Wer damals, dem Herdentrieb folgend in die Verkaufspanik mit hineingesprungen war und alles verkauft hatte, dürfte dies später bitter bereut haben.

Wer hingegen nachdachte und die Verkaufspanik korrekterweise als das ansah, was sie in Wirklichkeit war, nämlich eine der selten wiederkehrenden großen Kaufgelegenheiten, wird sich später gefreut haben. Denn zum Jahresende hin zogen die Kurse deutlich wieder an. Und sie waren 1 1/2 Jahre später, gegen Ende des Jahres 1988, höher als vor dem großen Einbruch.

Wer immer dabeigeblieben war, hatte im ganzen Jahr 1987, natürlich ohne Währungsschwankungen, sogar Gewinn gemacht: Zum Ende des Jahres 1987 stand nämlich der Dow Jones Index 3 Prozent höher als zu Jahresanfang. Der starke Anstieg ab dem Frühsommer hatte sich in einer gewaltigen Korrektur entladen.

Nüchtern die Gründe für eine Verkaufs- oder Kaufpanik analysieren

Wer die richtigen Lehren daraus ziehen möchte, ist nach unserer Meinung gut beraten, beim Entstehen einer Verkaufspanik nicht sofort zusammen mit allen Anderen gleich alles zu verkaufen, sondern zunächst die Gründe für die Verkaufspanik anzusehen.

1987 gab es nämlich keinen fundamentalen Grund für diese Marktentwicklung. Anders war dies im September 2008 nach der Pleite von Lehman Brothers. Damals war klar, dass viele Anleger verkaufen würden, um zur Sicherheit Bankguthaben zu unterhalten.

Beim Kaufen empfiehlt sich ebenfalls Vorsicht: Wenn Kurse in kurzer Zeit stark steigen und die Kursgraphik einen parabolischen Kurvenverlauf nimmt, ist oft eine Korrektur nicht mehr weit. Bei derartigen Kursentwicklungen sollte der weitsichtige Investor sich nicht in Versuchung führen lassen, sondern entweder warten oder sich anderen Aktien mit weniger spektakulärem Kursverlauf zuwenden.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH. Das Unternehmen unterliegt der Bafin.