Sonntag, 5. April 2020

Mehrzuteilungsoption ausgeübt Saudi Aramco erhöht Emissionsvolumen auf 29,4 Milliarden Dollar - Weltrekord

Amin H. Nasser, CEO von Saudi-Aramco (l.) und Yasser al-Rumayyan, Chairman, in Dhahran, Saudi-Arabien: Saudi Aramco wird mit dem Börsengang zum weltgrößten börsennotierten Konzern aufsteigen - und die bisherige Nummer eins, Apple, ablösen

.

Der Börsengang des weltgrößten Ölkonzerns wird noch einmal größer als bisher gedacht. Laut einer der begleitenden Banken erreicht das Emissionsvolumen das Weltrekord-Gesamtvolumen von 29,4 Milliarden Dollar (26,6 Milliarden Euro). Neben den eigentlich angebotenen Anteilen im Volumen von 25,6 Milliarden Dollar würden sämtliche für die Mehrzuteilungsoption ("Greenshoe") reservierten Papiere verkauft. Das teilte ein Manager von Saudi-Arabiens größter Bank, der National Commercial Bank, mit.

Der mit Spannung erwartete Börsengang des saudi-arabischen Ölkonzerns soll an diesem Mittwoch über die Bühne gehen. Der Handel in Riad beginnt am 11. Dezember, die Papiere sollen zu je 32 Rial (8,53 Dollar) zugeteilt werden.

Mit dem angestrebten Emissionsvolumen wird Aramco den chinesischen Internetriesen Alibaba Börsen-Chart zeigen als Rekordhalter ablösen, der 2014 auf 25 Milliarden Dollar kam. Zudem wird der Konzern dann mit einem Börsenwert von umgerechnet 1,53 Billionen Euro das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt sein - und damit den US-Computerkonzern Apple Börsen-Chart zeigen von Platz eins verdrängen.

Kronprinz bin Salman strebte einen noch deutlich höheren Erlös an

Eigentlich hatte die saudi-arabische Führung noch voluminöser gedacht: Kronprinz Mohammed bin Salman hatte sich einen Börsenwert von zwei Billionen Dollar (1,8 Billionen Euro) vorgestellt. Zunächst wollte Saudi-Arabien 5 Prozent an Aramco an die Börse bringen und damit 100 Milliarden Dollar erlösen, um den Umbau des bisher stark vom Öl abhängigen Golfstaats zu finanzieren. Doch zeigten sich ausländische Investoren auch dann reserviert, als Saudi-Arabien die Erwartungen zurückschraubte. Skeptisch machte sie die Klimawandel-Debatte, die politischen Unwägbarkeiten am Golf und ein Mangel an Transparenz bei Aramco.

Der Konzern baute deshalb vor allem auf Investoren aus dem Land selbst und aus den Nachbarstaaten am Golf und bot nur 1,5 Prozent seiner Aktien an. Saudi-arabische Banken offerierten günstige Kredite, um die Aktien zu zeichnen. Deshalb beschränkte sich der Konzern zunächst auf einen Börsengang im heimischen Riad, ein Zweitlisting im Ausland wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Es bleibe somit abzuwarten, wie sich die Aktie entwickle, warnt Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die Nachfrage von Anlegern aus der Region sei zwar gut, internationale Investoren hielten sich aber offenbar zurück. "Wenn man nur Öl-Dollar innerhalb der arabischen Staaten zirkuliert, wozu nutzt dann der Börsengang?"


Lesen Sie auch:
Die versteckte Warnung von Saudi Aramco und Alibaba an Anleger Ist Saudi Aramco wirklich 1500 Milliarden Dollar wert?


Saudi-Arabien ist auf die Einnahmen aus dem Börsengang aber dringend angewiesen. Angesichts niedriger Preise und Förderkürzungen beim Öl rechnet das Land für das kommende Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 187 Milliarden Rial (45 Milliarden Euro). Im laufenden Haushaltsjahr hatte das Defizit noch bei umgerechnet 32 Milliarden Euro gelegen.

Saudi-Arabien hängt stark von den Einnahmen aus dem Erdölverkauf ab und muss sich angesichts des Ölpreisverfalls unabhängiger vom Handel mit dem wertvollen Rohstoff machen. Der Staat gehört zu den drei weltweit größten Erdölproduzenten.

mg/rtr, dpa-afx

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung