Montag, 1. Juni 2020

Börsenprofi Markus Zschaber erklärt Sartorius - Krisen-Profiteur aus Göttingen

Logo von Sartorius in Göttingen: Das Unternehmen wächst auch ohne Krise.

Labore und Pharmaunternehmen bauen auf Produkte von Sartorius. Schon vor der Krise waren die Aussichten rosig. Doch jetzt könnte alles noch viel besser kommen.

Obwohl der Ausblick auf den Aktienmarkt trotz zwischenzeitiger Kurserholungen wohl weiterhin sehr volatil bleibt, müssen Anleger nicht auf aussichtsreiche Titel verzichten. Gerade die Krise mit ihren Übertreibungen - sowohl nach oben als auch nach unten - bietet für langfristig orientierte Investoren große Chancen zum Einstieg. Einer der vielleicht interessantesten deutschen Titel ist die Aktie von Sartorius. Das Gute daran: Sartorius war schon vor der Corona-Pandemie vielversprechend, hat durch die Krise aber zusätzlichen Rückenwind bekommen. Anders als reine "Kriseninvestments" bietet Sartorius Substanz statt nur Fantasie - ein Umstand, der Anlegern vor allem während stürmischen Marktphasen zu Gute kommen wird. Das Unternehmen fokussiert sich auf Einwegprodukte zur Herstellung von Medikamenten sowie Laborinstrumente und zugehöriges Verbrauchsmaterial.

Markus Zschaber

Corona-Tests als Schlüssel zur Freiheit

In einer Zeit, in der eine ganze Branche auf der Suche nach Impfstoffen und Arzneien ist, bietet Sartorius Lösungen, um die Entwicklung von pharmazeutischen Produkten zu beschleunigen. Dazu gehören das Optimieren von Prozessen und Verfahren während der Entwicklungszeit sowie der Einsatz modernster Laborgeräte. Sartorius bietet all das und versteht sich als Partner von biopharmazeutischer Industrie und Laboren. Schon vor der Corona-Krise war das Unternehmen auf Wachstumskurs. Der Bereich Biotech legte 2019 um über 16 Prozent zu.

Als das Corona-Thema noch ein Phänomen im fernen China war, freute man sich beim Unternehmen in Göttingen bereits über volle Auftragsbücher. Schon Anfang Januar überschlugen sich Analysten mit Lob und attestierten Sartorius das "attraktivste Geschäft der gesamten Branche". Vor allem der Bereich Biotech sei noch immer nicht adäquat im Kurs berücksichtigt. Weiteres Potenzial könnten zudem Zukäufe bieten, schrieb damals beispielsweise die Bank of America. Heute steht die Aktie zwar zwanzig Prozent höher, verfügt aufgrund der aktuellen Corona-Lage weiterhin aber über deutliche Chancen. Das nervöse Marktumfeld könnte zudem schon bald wieder für Einstiegsgelegenheiten sorgen.

Zusätzlich zur bereits vor der Krise hervorragenden Marktstellung und der herausragenden Perspektiven dürfte Sartorius mittelfristig auch vom Trend zu mehr Corona-Tests profitieren. Da viele Labors schon heute am Limit arbeiten, dürften die Laborkapazitäten kurzfristig ausgebaut werden - Profiteur wäre unter anderem Sartorius, dessen Geschäft sich zu einem Viertel um Laborbedarf dreht. Corona-Tests und das schnelle Erkennen von Infektionsketten gelten als Voraussetzungen, um Wirtschaft und Gesellschaft auch trotz der Pandemie so freiheitlich wie möglich organisieren zu können.

Gesundheit mit neuem Stellenwert

Neben den positiven Effekten aufgrund der Pandemie ist das im MDax Börsen-Chart zeigen sowie im TecDax Börsen-Chart zeigen notierte Unternehmen auch langfristig vielversprechend aufgestellt. Das Unternehmen hat schon früh die Chancen biopharmazeutischer Nachahmerprodukte sowie moderner Behandlungsmethoden wie Gen- oder Zelltherapien erkannt und sich entsprechend positioniert. Diese Behandlungsmethoden gelten als vielversprechende Waffe gegen bislang unheilbare Krankheiten. Anders als bei herkömmlichen Wirkstoffen sorgen diese Verfahren dafür, dass der Körper die Krankheiten selbst aktiv bekämpfen kann. Waren derartige Verfahren in Zeiten vor der Corona-Krise auch als Kostenfaktor verschrien, könnte die momentane Situation den Blickwinkel auf therapeutische Verfahren erweitern und der Gesundheitssektor künftig auch von staatlicher Seite noch stärker unterstützt werden. Beispielsweise werden in den USA im Zuge der Krise Rufe nach einer staatlichen Krankenversicherung laut. Zuletzt hatten viele Amerikaner wegen der ökonomischen Lage ihre private Gesundheitsvorsorge sogar verloren.

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Dividende als einziger Wermutstropfen

Diese Gemengelage erscheint für eine schon vor der Krise solide aufgestellte Aktie wie Sartorius aussichtsreich. Das Unternehmen agiert auf allen Kontinenten der Welt und wächst seit langer Zeit sehr stark organisch. Zukäufe haben sich bislang immer nahtlos in die Konzernstruktur eingefügt und für Mehrwert gesorgt. Zwar fällt die Dividende bei Sartorius aktuell verschwindend gering aus, doch gleicht das Wachstum diesen kleinen Malus mehr als aus. In unseren Vermögensverwaltungslösungen ist die Einzelwertanalyse die Grundvoraussetzung für den Erfolg der Strategien. Gerade in diesen schwankungsstarken Zeiten gilt es mit guten Analysen für langfristige Stabilität zu sorgen.

Wer somit in der Krise ein starkes Unternehmen mit begründeter Fantasie im Depot haben will, sollte sich bei Sartorius auf die Lauer legen. Zu berücksichtigen ist derzeit aber, dass der Kursanstieg die vergangenen Tage möglicherweise zu schnell verlaufen ist und es noch günstigere Einstiegschancen geben könnte.

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