Verkaufspreis erneut erhöht SAP-Tochter Qualtrics schraubt IPO-Erwartungen noch höher

Vor einigen Tagen setzte Qualtrics den Ausgabepreis für seine Aktien beim geplanten Börsengang bereits nach oben, aber das reicht offenbar noch nicht: Die US-Tochter von SAP hat noch mal an der Schraube gedreht.
Den Aktienmarkt im Visier: Qualtrics-Gründer Ryan Smith hofft auf Milliardeneinnahmen an der Nasdaq

Den Aktienmarkt im Visier: Qualtrics-Gründer Ryan Smith hofft auf Milliardeneinnahmen an der Nasdaq

Foto: Sportsfile / Corbis/Sportsfile via Getty Images

Europas größter Softwarehersteller SAP kann beim geplanten Börsengang seiner Marktforschungstochter Qualtrics mit noch mehr Geld rechnen. So erwartet Qualtrics, bei dem Debüt in New York nun zwischen 27 und 29 US-Dollar je Aktie zu erzielen, wie aus Pflichtdokumenten bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Erst vor wenigen Tagen hatten die Amerikaner den Ausgabepreis bereits auf 22 bis 26 Dollar in die Höhe geschraubt.

Das Angebot besteht aus knapp 50,4 Millionen Aktien. Inklusive der Mehrzuteilungsoption von rund 7,6 Millionen Aktien könnte der Bruttoerlös damit bei 1,68 Milliarden Dollar (1,38 Milliarden Euro) liegen. SAP werde nach dem Börsengang rund 84 Prozent der Anteile beider Aktiengattungen halten, hieß es weiter.

Ende Dezember hatte die US-Firma, die auf Unternehmensbefragungssysteme spezialisiert ist und 2018 von SAP erworben worden war, noch einen Preis zwischen 20 und 24 Dollar avisiert.

Im besten Fall käme Qualtrics damit nun auf einen Börsenwert von rund 15 Milliarden Dollar. Das ist weit mehr als die acht Milliarden Dollar, die der Walldorfer Dax-Konzern für den Software-Anbieter - seinen bislang letzten großen Zukauf - auf den Tisch gelegt hat. Die Erstnotiz dürfte in den nächsten Wochen erfolgen.

Es ist erst das zweite Mal in der fast 50-jährigen SAP-Geschichte, dass der Konzern eine Sparte an die Börse bringt, statt sie ganz zu integrieren. Qualtrics-Mitgründer Ryan Smith, der das Unternehmen 2002 zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater gründete, träumt seit Langem von einem Börsengang und hatte diesen eigentlich schon 2018 im Visier, bevor SAP zugriff. Der im Sommer angekündigte Gang aufs Parkett ist SAP-Chef Christian Klein (40) zufolge auch eine Möglichkeit, Smith an Bord zu halten.

Smith, laut "Forbes" 1,3 Milliarden Dollar schwer und zugleich Inhaber des US-Profibasketballteams "Utah Jazz", hat sich bereits im Vorfeld der Emission ein Aktienpaket von einem Prozent an Qualtrics im Wert von etwa 120 Millionen Dollar gesichert. Klein hat in einem Interview angedeutet, dass Smith irritiert darüber war, wie schnell sich das Personalkarussell bei SAP drehte - vor allem mit dem Abgang der zeitweiligen Co-Chefin Jennifer Morgan (49) 2020, nach nur gut einem halben Jahr im Amt.

Der Umsatz von Qualtrics ist nach vorläufigen Zahlen im abgelaufenen Quartal um bis zu 24 Prozent auf 214,5 Millionen Dollar gestiegen, wie aus dem Prospekt hervorgeht. Der operative Verlust sank auf maximal 7,1 (viertes Quartal 2019: minus 18,5) Millionen Dollar. Mit der Qualtrics-Plattform können Firmen und Behörden Feedback und Daten von Kunden und Mitarbeitern einsammeln, um diese in Echtzeit zu analysieren und weiterzuverarbeiten. Experten rechnen damit, dass das Wachstum der Plattform sich noch beschleunigen kann. Dazu könnten auch Partnerschaften mit SAP-Konkurrenten wie Salesforce.com oder Workday beitragen, die bisher nicht möglich waren.

cr/Reuters/dpa-afx
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