Aktie bricht ein SAP verliert neun Milliarden Euro Börsenwert

SAP stellt eine höhere Dividende in Aussicht, kann damit bei Anlegern aber nicht wirklich punkten. Der Kursrutsch der Aktie vernichtet bis zu neun Milliarden Euro an Börsenwert. Vor allem eine Prognose enttäuscht.
SAP-Finanzchef Luka Mucic hält die Aktie von SAP für "unterbewertet"

SAP-Finanzchef Luka Mucic hält die Aktie von SAP für "unterbewertet"

Foto: DPA/Uwe Anspach

Aktien von SAP hat es am Donnerstag in einem schwachen Marktumfeld nach detaillierten Zahlen besonders hart erwischt. Die Papiere  der Walldorfer sackten in der Spitze um 9 Prozent auf das tiefste Niveau seit April 2021 ab. Auch die am Donnerstag in Aussicht gestellte höhere Dividende konnte den Kursrutsch nicht stoppen.

Neben der allgemeinen Schwäche von Techtiteln im Zuge der Kehrtwende der US-Notenbank, die mittelfristig wieder deutlich höhere Zinsen in Aussicht stellt, belasteten Europas größten Softwarehersteller Details des Ausblicks. Während die bestätigten Ziele für Umsatz und Betriebsergebnis im Rahmen der Erwartung lagen, enttäuschte die Prognose für den Zufluss von freien Zahlungsmitteln (Free Cashflow) – vor allem die Analysten von Goldman Sachs.

Zuletzt konnte sich der Kurs etwas stabilisieren, lag mit knapp 111 Euro aber immer noch rund 6 Prozent unter dem Niveau des Vortags und damit am Ende des Dax . Der Börsenwert des Unternehmens sackte insgesamt um rund neun Milliarden Euro auf 136 Milliarden Euro ab. Damit rutschte SAP in der Liste der Dax-Konzerne mit der höchsten Bewertung wieder auf Rang zwei hinter den Gasehersteller Linde, der zuletzt auf knapp 140 Milliarden Euro kam.

SAP fällt beim Börsenwert hinter Linde zurück

Mit dem Minus vom Donnerstag rutschte das Papier auch im bisherigen Jahresverlauf deutlich in die Verlustzone. In den ersten Wochen des Jahres gab der Kurs rund 11 Prozent ab – damit zählt SAP bis dato zu den zehn größten Verlierern der 40 Dax-Titel. Der deutsche Leitindex büßte seit Ende 2021 knapp 4 Prozent ein. 2021 hatte die SAP-Aktie marktkonform rund 16 Prozent zugelegt. SAP hatte lange Zeit zu den Corona-Gewinnern am Aktienmarkt gehört und im September 2020 mit etwas mehr als 143 Euro ein Rekordhoch erreicht.

Eine gesenkte Prognose im Oktober 2020 führte jedoch zu einem Kurssturz bis auf 90 Euro, von dem sich das Papier peu à peu bis auf 130 Euro im November 2021 erholen konnte. Doch seitdem ist der Kurs wieder unter Druck und mit dem Rutsch nach den detaillierten Zahlen ist die Hälfte der Erholung bis November vergangenen Jahres wieder ausradiert. SAP-Finanzvorstand Luka Mucic (50) hält die Aktie angesichts der Perspektiven für "unterbewertet". Man werde weiter hart daran arbeiten, die Investoren davon zu überzeugen, sagte er bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag.

SAP übernimmt US-Fintech Taulia

Mit Blick auf die Dividende erklärte Mucic: "Sie wird steigen", und verwies auch auf den 50-jährigen Geburtstag von SAP. "Wir werden einen attraktiven Vorschlag unterbreiten." Über die Höhe entscheide der Aufsichtsrat Mitte Februar. 2020 zahlte der Walldorfer Dax-Konzern 1,85 Euro je Aktie. Im Jahr davor waren es 1,58 Euro je Anteilsschein.

Mit Blick auf die mittelfristigen Ziele für den Cashflow machte Mucic zudem Mut. Er sei sehr zuversichtlich, das zuletzt bestätigte 2025er-Ziel eines Free-Cashflows von acht Milliarden Euro zu erreichen. Es gebe zudem Spielraum, diesen Wert zu übertreffen. Es sei aber noch zu früh, die Prognose zu erhöhen. Für 2021 rechnet SAP mit einem Zahlungsmittelzufluss von mehr als 4,5 Milliarden Euro. Goldman-Sachs-Experte Mohammed Moawalla hatte sich mehr erhofft und damit ist er nicht allein – der Marktkonsens lag ebenfalls über diesem Wert.

SAP gab bei der Veröffentlichung der endgültigen Jahresbilanz auch die Übernahme des US-amerikanischen Lieferanten-Fintechs Taulia bekannt. "Bisher hatten wir keine Finanzplattform. Das ist sehr komplementär", sagte Firmenchef Christian Klein (41) am Donnerstag über den Zukauf, der bis März abgeschlossen sein soll. Taulia soll als eigenständiges Unternehmen innerhalb von SAP bestehen bleiben. Im Detail wollte sich Finanzchef Mucic nicht zu den Konditionen des Deals äußern, verriet aber, SAP werde weniger als eine Milliarde Dollar auf den Tisch legen und dafür rund 95 Prozent an Taulia erwerben.

rei/dpa-afx