Sanktionen zeigen Wirkung Russische Börsen und Banken unter Druck

Erste Sanktionen gegen Russland zeigen Wirkung: Börsenindizes in Moskau geben nach, der Druck auf Anleihen des Landes wächst. Visa und Mastercard kappen ihre Geschäftsbeziehungen zu zwei russischen Bank. Westliche Geldhäuser versuchen russische Kredite loszuschlagen.
Börse in Moskau: Die Finanzmärkte Russlands stehen nach den ersten Sanktionen unter Druck, einzelne Aktien verlieren kräftig an Wert, der Rubel verliert weiter an Wert

Börse in Moskau: Die Finanzmärkte Russlands stehen nach den ersten Sanktionen unter Druck, einzelne Aktien verlieren kräftig an Wert, der Rubel verliert weiter an Wert

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Frankfurt am Main/Moskau - Verschärfte Sanktionen der EU und der USA sowie die Gefahr von Bonitätsabstufungen haben die Finanzmärkte Russlands am Freitag deutlich belastet. Die Börsenindizes lagen am Vormittag um mehr als 2 Prozent im Minus. Auch russische Staatsanleihen standen unter Druck, im Gegenzug erhöhten sich die Risikoaufschläge gegenüber als sicher empfundenen Anlagen. Der russische Rubel verlor weiter an Wert.

Nachdem die USA ihre Sanktionen gegen Russland wegen der Krim-Krise bereits am Donnerstag verschärft hatten, folgte am Freitag die Europäische Union. Wie die Vereinigten Staaten weitete die EU Kontosperren gegen Offizielle aus Russland aus. Auch zusätzliche Einreiseverbote wurden ausgesprochen. Am Donnerstag hatte Russland seinerseits Einreisesperren gegen ranghohe US-Politiker verhängt.

Sollte die Lage weiter eskalieren, drohen Russland wirtschaftliche Sanktionen. Deren Auswirkungen werden von Ökonomen als wesentlich drastischer angesehen als die Folgen der bisher verhängten Strafmaßnahmen.

Fitch und S&P drohen Russland mit Abstufung

Ratingagenturen reagierten bereits auf die Gefahr scharfer Wirtschaftssanktionen wie Handelsbeschränkungen. Nach Standard & Poor's drohten am Freitag die Bonitätsprüfer von Fitch mit einer Abstufung der Bonität Russlands. Fitch senkte den Ausblick für die russische Kreditwürdigkeit am Freitagmorgen von stabil auf negativ.

S&P hatte den gleichen Schritt am Donnerstagabend vollzogen. Ein negativer Ausblick gilt als Vorstufe zu einer möglichen Abstufung. Russlands Rating liegt sowohl bei Fitch als auch S&P auf der Stufe "BBB". Das sind zwei Noten über dem sogenannten Ramschbereich, der riskante Anlagen kennzeichnen soll.

Beide Agenturen begründeten ihre Entscheidung im Wesentlichen mit den ökonomischen Folgen der Krim-Krise. Sowohl Fitch als auch S&P verwiesen auf schwerwiegende Probleme für die russische Wirtschaft, falls die EU und die USA Wirtschaftssanktionen verhängen sollten. Das bereits schwache Wachstum würde sich dadurch weiter verringern.

Allein die Aussicht auf wirtschaftliche Sanktionen könnte Banken und Investoren davon abhalten, Kredite nach Russland zu vergeben, heißt es bei Fitch. S&P warnte davor, dass im Falle scharfer Sanktionen die nach Russland fließenden Investitionen leiden würden und Kapital ins Ausland abfließen könnte.

Visa und Mastercard kappen Geschäftsbeziehungen

Derweil stellten die Kreditkartenanbieter Visa und MasterCard ihre Zahlungstransaktionen für Kunden der Bank Rossija ein, die von den Sanktionen betroffen ist. Zudem kappten die beiden weltgrößten Kreditkartenanbieter ihre Geschäftsbeziehungen zur russischen SMP-Bank und böten ihre Dienstleistungen zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs für SMP-Kunden nicht mehr an, teilte die russische Bank selbst mit.

Gegen deren Großaktionäre Boris Rotenberg und dessen älteren Bruder Arkadi hatten die USA Sanktionen verhängt. Sie sind langjährige Judo-Partner von Präsident Wladimir Putin und sollen vor den Olympischen Winterspielen mit Großaufträgen in Sotschi bedacht worden sein. Die Bank betrachtet das Vorgehen von Visa und Mastercard als ungesetzlich. Ihren eigenen Angaben zufolge besitzt sie keine Vermögenswerte in den USA.

Die Sanktionen bekommt auch der größte, nichtstaatliche Gasproduzent Novatek zu spüren. Der Aktienkurs brach um 12 Prozent ein. Zu den Besitzern gehört Gennadi Timchenko, der ebenfalls Putin nahestehen soll und von den US-Maßnahmen betroffen ist.

Aus Furcht vor einer Eskalation der Krim-Krise versuchen derweil westliche Geldhäuser russische Kredite loszuwerden. "Viele Banken werden nun nervös", sagte ein Händler. Es handele sich nicht nur um Problem-Papiere, sondern auch um gut laufende Darlehen.

Die Preise für russische Kredite fielen bereits auf breiter Front. Vor allem Hedgefonds und andere risikofreudige Investoren dürften Interesse zeigen.

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