Rocket Internet Neuer Großaktionär Paul Singer lässt Samwer-Brüder zittern

Bei ihren Plänen zum Börsenrückzug von Rocket Internet bekamen die Gebrüder Samwer bereits viel Gegenwind. Doch das war womöglich nur ein laues Lüftchen verglichen mit dem, was ihnen nun von US-Investor Paul Singer blüht.
In Stellung gebracht: US-Milliardär Paul Singer hofft auf Erträge beim Investment in Rocket Internet

In Stellung gebracht: US-Milliardär Paul Singer hofft auf Erträge beim Investment in Rocket Internet

Foto: Remy Steinegger/ dpa

Der Börsenrückzug der Start-up-Schmiede Rocket Internet brachte viele Aktionäre gegen die Samwer-Brüder, die hinter dem Vorhaben stehen, auf - Rocket Internet war 2014 zu einem Preis von 42,50 an die Börse gebracht worden, und sechs Jahre später zahlen die Samwers den Aktionären mit 18,57 Euro nicht einmal die Hälfte des damaligen Ausgabepreises. Mindestens ein Investor jedoch sieht bei Rocket offenbar eine lukrative Anlagechance: Angaben von Rocket Internet  auf der Website des Unternehmens  zufolge ist der US-Hedgefonds Elliott International mit gut 15 Prozent bei Rocket eingestiegen. Den Angaben zufolge hält Elliott etwa 20,5 Millionen der insgesamt rund 135,7 Millionen Rocket-Aktien. Hauptaktionärin mit 49,6 Prozent der Anteile (67,4 Millionen Aktien) ist die Global Founders GmbH, hinter der die Samwer-Brüder stehen.

Kopf von Elliott International ist der berüchtigte US-Investor Paul Singer (76), der mit seinen Forderungen schon manches Konzernmanagement ins Schwitzen brachte. Bei Rocket dürfte es Elliott allerdings kaum um einen Strategiewechsel oder andere Korrekturen an der Unternehmensführung gehen. Wahrscheinlich erscheint vielmehr, dass der Amerikaner auf einen Beherrschungsvertrag spekuliert, verbunden mit einer Erhöhung des Abfindungsangebots vonseiten des Unternehmens. Diese Taktik wurde schon häufig im Zusammenhang mit Übernahmen oder Delistings am Aktienmarkt verfolgt. Es ist daher wahrscheinlich, dass Singer das Angebot der Samwer-Brüder, das Anlegerschützer als dreist und als Schlag gegen die Aktionärskultur empfunden hatten, nicht hinnehmen wird.

Rocket hatte Anfang September ein Abfindungsangebot an die Aktionäre des Unternehmens veröffentlicht. Damit stieß das Unternehmen auf scharfe Kritik, denn der angebotene Abfindungspreis von rund 18,60 Euro liegt um mehr als die Hälfte unter dem Preis von 42,50 Euro, zu dem die Brüder Samwer das Unternehmen 2014 an die Börse gebracht hatten.

Wie die "Börsenzeitung" berichtet, gibt es inzwischen zudem eine Reihe von Klagen gegen die Hauptversammlungsbeschlüsse, mit denen das Rocket-Internet-Management um CEO Oliver Samwer (48) den Börsenrückzug herbeiführen will. Unter den Klägern befindet sich demnach auch der bekannte Corporate-Governance-Experte Christian Strenger (77). Das juristische Vorgehen gegen die Beschlüsse hat jedoch keine großen Aussichten auf Erfolg, meint der Gesellschaftsrechtler Nikolaos Paschos von der Kanzlei Latham & Watkins laut "Börsenzeitung".

cr