Elliott einigt sich mit Samwer-Brüdern Milliardär Paul Singer macht Riesengewinn mit Rocket-Internet-Aktien

Zieht sich ein Unternehmen von der Börse zurück, ist Paul Singer oft nicht weit, um Profit daraus zu schlagen. So war es auch bei Rocket Internet - und wieder hat der US-Hedgefondsmogul Erfolg.
Hat mal wieder kräftig Kasse gemacht: US-Milliardär Paul Singer ist immer dort zur Stelle, wo ein Börsenrückzug geplant ist

Hat mal wieder kräftig Kasse gemacht: US-Milliardär Paul Singer ist immer dort zur Stelle, wo ein Börsenrückzug geplant ist

Foto: CNBC / NBCU Photo Bank/NBCUniversal via Getty Images

Die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet hat sich mit ihrem streitbaren Großaktionär Elliott Management, hinter dem US-Milliardär Paul Singer (77) steht, auf den Rückkauf seiner Anteile geeinigt. 35 Euro je Aktie soll der Hedgefonds bekommen. Das ist fast doppelt so viel, wie Rocket Internet im Zuge des Rückzugs von der Frankfurter Börse vor über einem Jahr an andere Aktionäre gezahlt hatte. Mit dem Deal geht das Kalkül von Elliott also auf : Der Hedgefonds geht mit einem Gewinn von rund 400 Millionen Euro nach Hause.

Damit erhält der aus Aktionärssicht unerfreuliche Rückzug von Rocket Internet von der Börse eine weitere Facette: Hinter Rocket Internet stehen die Gründer und Brüder Marc (51) und Oliver (49) Samwer, die das Unternehmen 2014 mit an die Börse gebracht hatten. Der Ausgabepreis der Aktien betrug seinerzeit 42,50 Euro. Die Samwer-Holding Global Founders hält mit gut 62 Prozent die Mehrheit an dem Unternehmen.

Sechs Jahre später brachten die Samwers dann viele Aktionäre gegen sich auf. Sie nahmen ihr Unternehmen wieder von der Börse, und bei dem Delisting erhielten die Anteilseigner lediglich 18,57 Euro je Aktie. Zu wenig, wie viele Aktionäre fanden – sie wollten ihre Papiere zu diesem Preis nicht abgeben. Der aktuelle Deal mit Elliott Management scheint ihnen recht zu geben: Der US-Fonds, der auf derartige Transaktionen spezialisiert ist, schlug beinahe das Doppelte heraus.

Entsprechend erfolgte auch die Reaktion an der Hamburger Börse, wo die Rocket-Aktien  noch gehandelt werden. Dort legte ihr Kurs nach den Neuigkeiten am Dienstag zeitweise um fast 30 Prozent auf 34,88 Euro zu.

Singer hält 20 Prozent an Rocket Internet

Rocket Internet plant für die Transaktion ein allgemeines Angebot zum Aktienrückkauf, wie das Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte. Die Aktionäre sollen der Einziehung der Aktien und der Herabsetzung des Grundkapitals auf einer außerordentlichen Online-Hauptversammlung am 31. Januar zustimmen.

Der Hedgefonds Elliott Management von Paul Singer baute nach Bekanntwerden der Delisting-Pläne der Samwers bis Ende vergangenen Jahres eine Beteiligung von 15 Prozent an Rocket Internet auf. Inzwischen hält er den letzten Angaben zufolge rund 21,86 Millionen Aktien, was einem Anteil von 20,22 Prozent entspricht. Der Hedgefonds ist bekannt dafür, sich in solche Fälle wie Rocket einzukaufen, um dann später einen höheren Preis herausschlagen zu können.

Im Zuge des nun geplanten Rückkaufangebots würde Rocket Internet bis zu knapp 27,7 Millionen Anteile zurückkaufen. Dabei will Global Founders den Großteil seiner Andienungsrechte an Elliott übertragen, damit der Hedgefonds bei dem Rückkauf ausreichend zum Zuge kommt. Sowohl Global Founders als auch Elliott haben den Angaben zufolge vereinbart, für die Kapitalherabsetzung zu stimmen. Elliott habe sich im Gegenzug verpflichtet, seine Anteile anzudienen.

Der Zeitpunkt für das Angebot an Elliott ist kein Zufall: Hätte Rocket Internet vor November 2021 einen höheren Preis geboten, so hätte das Unternehmen nachträglich allen Aktionären den erhöhten Preis zahlen müssen. Das wird nun geschickt umgangen.

Dabei werden die Samwer-Brüder auch mit dem höheren Preis noch kräftig Kasse machen können. Im Portfolio von Rocket Internet befinden sich Unternehmen, die im Wert stark gestiegen sind. Allein der Wert der HR-Software-Firma Personio, an der Rocket beteiligt ist, stieg innerhalb der letzten zehn Monate von 1,7 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) auf 6,3 Milliarden Dollar.

cr/dpa-afx