Trotz heftiger Kritik Robinhood wagt sich an die Börse

Spätestens seit den Kurskapriolen um Gamestop ist die Trading-App Robinhood in den Schlagzeilen - und selten sind es positive. Trotz vieler juristischer Verfahren stellt der Billigbroker nun die Weichen für einen Börsengang.
Antrag auf Erstnotiz bei US-Börsenauficht SEC gestellt: Der Wertpapier-Broker Robinhood

Antrag auf Erstnotiz bei US-Börsenauficht SEC gestellt: Der Wertpapier-Broker Robinhood

Foto: Patrick Sison / AP

Der durch die jüngsten Turbulenzen am US-Finanzmarkt in die Schlagzeilen geratene Wertpapier-Broker Robinhood strebt an die Börse. Das Unternehmen teilte am Dienstag (Ortszeit) mit, einen vertraulichen Antrag für eine Erstnotiz bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht zu haben. Über einen Börsengang des 2013 im kalifornischen Menlo Park gegründeten Finanzdienstleisters wurde schon länger spekuliert. Zum Zeitpunkt oder Volumen der Börsenpremiere machte Robinhood noch keine Angaben.

Robinhood gilt als Wegbereiter einer neuen, jüngeren Generation von Anlegern am US-Finanzmarkt. Das Unternehmen hat sich auf die Fahne geschrieben, auch Menschen die Börse zu erschließen, die keinen Zugang zu vererbten Vermögen und Ressourcen haben. Kritiker werfen dem Broker indes vor, mit seiner einfach zu bedienenden und vor allem bei jüngeren Anlegern beliebten App eher wie ein Glücksspiel-Anbieter daherzukommen als wie ein seriöser Finanzdienstleister.

Robinhood betreibe ein "dreckiges" Geschäftsmodell, das Kunden mit Gebührenfreiheit locke, während das Unternehmen für die Vermittlung von deren Transaktionen Geld von großen Wall-Street-Konzernen erhalte, beschwerte sich kürzlich Charlie Munger (97), der Stellvertreter von US-Starinvestor Warren Buffett (90). Robinhood ermutige seine Nutzer deshalb zu möglichst viel und auch riskantem Handel. Das Unternehmen wies diese Kritik als "enttäuschend und elitär" zurück.

Börsengang trotz zahlreicher juristischer Verfahren

Der Discountbroker war zuletzt jedoch auch bei vielen seiner eigenen Nutzer in Ungnade gefallen, weil er den Handel mit einigen heißgelaufenen Aktien eingeschränkt hatte. Vor allem bei den Papieren des Videospielhändlers Gamestop, der zu einem Spielball in einem Kräftemessen zwischen im Internet organisierten Kleinanlegern und Hedgefonds wurde, sorgte dies für Ärger. Robinhood geriet in den Verdacht von Absprachen mit Hedgefonds, streitet dies jedoch ab.

Dennoch reichten zahlreiche Kunden Klagen gegen das Unternehmen ein. Dabei hat Robinhood ohnehin schon eine Menge rechtlichen Ärger. Im Jahresbericht legte der Konzern offen, mit der US-Finanzaufsicht Finra über einen millionenschweren Vergleich wegen früherer Regelverstöße zu verhandeln. Auch andere Behörden wie die SEC und die Finanzaufsicht in New York haben den Broker auf dem Kieker. Zudem laufen in den USA verschiedene Sammelklagen von Nutzern.

Dabei geht es zum Beispiel um Kunden, deren Konten angeblich bei einem Hackerangriff gekapert wurden. Weitere Verfahren drehen sich etwa um technische Pannen und Verletzungen treuhänderischer Vertragspflichten. Darüber hinaus gibt es einen brisanten Rechtsstreit mit der Familie eines Kunden, der sich 2020 im Alter von 20 Jahren in der - falschen - Annahme das Leben genommen hatte, dass er enorme Verluste beim Handel mit Aktienoptionen erlitten habe.

mg/dpa-afx
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