IPO-Unterlagen veröffentlicht Robinhood promotet Börsengänge für jedermann

Der US-Discountbroker Robinhood will bei seinem Börsengang offenbar ungewöhnlich viele Aktien an Privatleute geben. Am Donnerstag veröffentlichte das Unternehmen in den USA seine IPO-Unterlagen.
Geldanlage zum Discountpreis: Robinhood-App auf einem Display

Geldanlage zum Discountpreis: Robinhood-App auf einem Display

Foto: Patrick Sison / AP

Der US-Onlinebroker Robinhood hat am Donnerstag in den USA die Unterlagen für seinen geplanten Börsengang veröffentlicht. Demnach verzeichnete das Unternehmen mit Sitz in Menlo Park, Kalifornien, das von der zunehmenden Begeisterung privater Anleger für den Aktienhandel profitiert, im vergangenen Jahr einen Umsatzanstieg von 245 Prozent.

Der Umsatz im Geschäftsjahr 2020 betrug demnach 959 Millionen Dollar. Zugleich erzielte Robinhood einen Nettogewinn von sieben Millionen Dollar - nach einem Verlust von 107 Millionen Dollar im Jahr zuvor.

Besonders viele Aktien für Privatanleger

Robinhood hat sich einen Namen gemacht als eine von verschiedenen Plattformen, die mit besonders günstigen Konditionen Privatanleger für die Geldanlage an der Börse begeistern wollen. Jetzt geht Robinhood einen Schritt weiter: Das Unternehmen will Privatleute auch verstärkt für Börsengänge begeistern und die IPOs für Nichtprofis zugänglicher machen. Zu dem Zweck plant Robinhood offenbar auch bei seinem eigenen Börsengang, einen ungewöhnlich großen Anteil der Papiere an Privatanleger abzugeben.

Wie das "Wall Street Journal " mit Verweis auf informierte Personen berichtet, sollen 35 Prozent der Aktien von Robinhood beim Börsengang an Privatanleger gehen. Das wäre ein außergewöhnlich hoher Anteil. Üblich ist, dass Unternehmen bis zu 10 Prozent ihrer Aktien bei Börsengängen für Privatleute freigeben. Der restliche, weitaus größere Teil geht meist an institutionelle Investoren. Laut "WSJ" bevorzugen viele Unternehmen einen größeren Anteil an Profiinvestoren bei ihren Börsengängen, weil diese die Papiere tendenziell länger halten und berechenbarer sind.

Nicht so jedoch Robinhood. Das Unternehmen sieht Börsengänge für Privatleute offenbar als neues Geschäftsfeld, auf dem es mit einer eigens gegründeten neuen Plattform aktiv wird. Der eigene Börsengang dient Robinhood insofern zugleich als Werbemaßnahme für dieses neue Projekt - die Anleger sollen die Robinhood-Aktien im Idealfall auf der hauseigenen Plattform zeichnen.

Starkes Jahr für Börsengänge

Laut "WSJ" ist Robinhood allerdings keineswegs der einzige Anbieter, der auf diese Geschäftsidee gekommen ist. Auch Konkurrenten wie SoFi Technologies sowie die Social-Investing-App Public Holdings starten dem Bericht zufolge eigene IPO-Plattformen für Privatinvestoren, um von der aktuellen Euphorie dieser Klientel für die Aktienanlage zu profitieren.

Der Zeitraum für derartige Überlegungen könnte für die Broker besser kaum sein: Das Geschäft mit Börsengängen boomt an den weltweiten Börsen in diesem Jahr wie lange nicht. Allein in den USA haben Unternehmen 2021 bereits Aktien im Volumen von mehr als 190 Milliarden Dollar in den Handel gebracht, so das "WSJ".

Einer Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zufolge sind zwischen April und Juni weltweit 589 Unternehmen an die Börse gegangen – dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Das Emissionsvolumen kletterte demnach um 152 Prozent auf 106 Milliarden US-Dollar. Dabei erwies sich Europa als besonders wachstumsstark, so EY: Im Vergleich zum Vorjahresquartal hat sich auf dem alten Kontinent die Zahl der Börsengänge von 27 auf 142 mehr als verfünffacht. Das Emissionsvolumen stieg europaweit von 6,4 auf 21,1 Milliarden US-Dollar.

Robinhood indes konnte vor dem geplanten Börsengang zuletzt eine wichtige rechtliche Baustelle schließen. Dabei kommen den durch Turbulenzen um heißgelaufene Aktien von US-Firmen wie Gamestop und AMC in die Kritik geratenen Wertpapier-Broker frühere Regelverstöße teuer zu stehen. Wegen angeblicher Irreführung von Kunden, zu lascher Kontrollen bei riskanten Börsenwetten und technischer Pannen zahle das Unternehmen bei einem Vergleich fast 70 Millionen Dollar (59 Millionen Euro), teilte die US-Finanzaufsicht Finra am Mittwoch mit. Mit 57 Millionen Dollar entfällt der Großteil auf eine Geldstrafe - laut Finra die höchste, die je von der Behörde verhängt wurde.

Robinhood steckt in vielen Rechtsstreitigkeiten

Und auch andere US-Behörden haben das 2014 gegründete und im kalifornischen Menlo Park ansässige Unternehmen auf dem Kieker. In seinem Jahresbericht führte Robinhood Ermittlungen der Börsenaufsicht SEC sowie der Generalstaatsanwaltschaft und Finanzaufsicht in New York auf, die einen Hackerangriff auf Nutzerdaten betreffen. In Massachusetts werfen Aufseher Robinhood vor, etwa durch unlauteres Marketing Finanzmarktgesetze in dem Bundesstaat verletzt zu haben.

Ohnehin hat das Unternehmen jede Menge rechtlichen Ärger. So laufen auch Sammelklagen von Nutzern, die sich wegen technischer Pannen am Wertpapierhandel gehindert sahen oder dem Broker Fehler bei der Orderausführung vorwerfen. Darüber hinaus klagten rund 2000 Kunden, deren Konten angeblich beim Hackerangriff gekapert wurden. Weitere Sammelklagen gegen Robinhood drehen sich etwa um Verletzungen treuhänderischer Vertragspflichten zum Nachteil von Nutzern.

Zudem gibt es einen brisanten Rechtsstreit mit der Familie eines Kunden, der sich im Juni 2020 im Alter von 20 Jahren in der - falschen - Annahme das Leben genommen hatte, dass er enorme Verluste beim Handel mit Aktienoptionen erlitten habe. All diese Fälle laufen unabhängig von den jüngsten Kontroversen um Handelsbeschränkungen während der Kursrallye von Aktien verschiedener US-Firmen wie des Videospielhändlers Gamestop oder der Kinokette AMC, die bereits zu neuen Ermittlungen und Sammelklagen geführt haben.

cr/dpa
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